Ihr seid hier: 
 Home»Deutschland-Auswahl»  Sonneberg / Sagen-Auswahl»
 Der Köhler und sein Kind

 Weitere Funktionen:
  Hilfe eMail
 
Störung melden

 © 2003-2012 - hast-du-ahnung.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


img5.png

                  

Deutschland
Sonneberg - Sagen

 

                    Alle Sagen wurden uns aus Sonneberg zugesandt.                       
                                      
                                                    
                                                                                              

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                      

 

 

 

hdanavneu.gif

deutschlandheadneu

 

                 Der Köhler und sein Kind   

Bei Steinach im Thüringer Land, in dunkler Waldesmitte,
da baute einst mit kund´ger Hand ein Köhler seine Hütte;
und um nicht ganz allein zu sein, nahm er mit sich sein Töchterlein.
So wohnte froh der Alte mit ihr in seinem Walde.
Der Köhler war, wie Köhler sind, kohlschwarz an Haut und Haaren;
sein Töchterlein, ein herzig Kind, von kaum erst 18 Jahren,
sie war so schön wie Milch und Blut, wie Rosen ihrer Wangen Glut,
voll Feuer in den Blicken, ein Mädchen zum Entzücken.
Und wenn der Alte Holz gefällt, half sie´s zum Haufen führen;
und wenn der Meiler aufgestellt, half sie das Feuer schüren.
Denn es war schon der Köhler alt, und hoch es unserm Mädchen galt,
des Väterchens zu schonen, mit Liebe ihm zu lohnen.
Wenn müde es der Alte sich bequem am Lager machte,
das liebe Mädchen heimlich schlich zum Meiler hin und wachte;
und war das Feuer dann erstickt, so wusste sie es ganz geschickt
selbst wieder anzustecken, anstatt ihn aufzuwecken.
Einst als das Mädchen wieder wacht in mitternächt´ger Stunde.
sie singt ein heil´ges Lied und macht ganz heiter ihre Runde -
da steht der Meiler ausgebrannt in heißer Glut; mit fleiß´ger Hand
will in des Meilers Magen sie frische Hölzer tragen.
Sie nimmt das Holz in ihren Arm, lenkt eilig ihre Schritte
hin nach dem Brückchen, das so warm  führt nach des Meilers Mitte.
Doch ach! dem Mädchen unbekannt, war unten alles hohl gebrannt.
Der Meiler stürzt zusammen, und sie stürzt in die Flammen!
Ein Schreckensruf erfüllt die Nacht - dann ist es still, verschwunden
ist unser Kind und seine Pracht, verbrannt in wenig Stunden.
Es säuselt traurig tiefes Weh leis durch die Zweige in die ´Höh´.
Die Vöglein fliegen nieder und singen Trauerlieder.
Und als der Alte nun erwacht empor aus schweren Träumen -
er träumte Unglück ihm sehr nah - er ruft: "Mein Kind!" - Es ist nicht da,
verscheucht nicht seine Sorgen, wünscht ihm nicht guten Morgen.
Doch jedes Jahr am Todestag, nachts in der zwölften Stunde,
hört man vom Turm nach Glockenschlag das Lied,
das sie gesungen, eh´sie der Tod bezwungen.

                                                                          Verfasser unbekannt