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Adolph Freiherr von Knigge
Geschichte des Benehmens


Was ist eigentlich "Benehmen"?
Wir verstehen darunter eigenlich die Umgangsformen (dazu zählen z.B. das Benehmen, Betragen, Manieren, Ton, Anstand) in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Von uns, von der Gesellschaft werden solche Verhaltensformen des einzelnen als positiv oder negativ gewertet.
Zu den positiven Umgangsformen zählen z. B. Höflichkeit, Ehrlichkeit, achtungsvolles Verhalten anderen gegenüber, gepflegte Tischsitten usw.  - also Verhaltensweisen und -regeln, die das menschliche Zusammenleben möglichst reibungslos und angenehm machen. Negativ fällt auf, wer roh, ungehobelt oder unhöflich ist und z.B. mit Kraftausdrücken um sich wirft.
Nicht übersehen darf man dabei, dass in den verschiedenen
Kulturkreisen, dem sozialen Milieu oder gesellschaftlichem Umfeld auch durchaus unterschiedliche Anforderungen an das gute Verhalten gestellt werden.
Bei der Erziehung eines Kindes zu gutem Benehmen spielen natürlich die Eltern die wesentlich Rolle - aber nicht nur sie, sondern alle Erwachsenen und Mitmenschen. Über diese Vorbildrolle muss sich jeder bewußt sein, denn letztlich wünschen wir doch jedem Kind ein angenehmes Leben in der Gesellschaft.

Wenn wir von guten Umgangsformen sprechen, fällt uns als erstes wohl immer Freiherrn von Knigge ein - aber ganz sicher wurden mit dem Entstehen des Menschen bereits Regeln aufgestellt, die  für das Miteinanderleben galten.
Und so, wie sich die Menschen und die Gesellschaftsformen veränderten, veränderten sich auch immer einige Verhaltensnormen. Und das gilt auch für unser Heute.

Als einer der ersten, die auch Verhaltensnormen schriftlich fixierten, gilt wohl Erasmus von Rotterdam (1466-1536). Er gab mit seinen „Erziehungsbüchern“ für Fürsten und seinem "Benimmbuch" einen Leitfaden für das Verhalten vor.
Am bekanntesten auf diesem Gebiet ist aber wohl der Freiherrn von Knigge (1752 - 1796), der 1788 sein Buch "Über den Umgang mit Menschen" herausbrachte. Aber es war, wie vielfach angenommen, keineswegs ein Buch mit Regeln über korrektes Verhalten bei Tische o.a., das wurde es erst, nachdem es nach seinem Tode immer wieder von unterschiedlichen Herausgebern umgeschrieben und veröffentlicht wurde
.

In der Folge gab es keine grundlegenden Veränderungen all dieser Anstandsregeln, aber immer wieder Festlegungen und Veränderungen, die uns teilweise Unverständnis oder ein Schmunzeln abringen. Hier ein paar Beispiele dafür:

Die preußischen Bahnbeamten werden 1904 in einem Erlass des zuständigen Ministers Hermann von Budde zu höflichem Benehmen gegenüber den  Reisenden angehalten
1912  war in der  
"Vossischen Zeitung" zu lesen, dass in  Berlin die erste gerichtliche Bestrafung eines Schiebetanz-(Tango-)Tänzers erfolgte, weil angeblich der aus  Südamerika stammende Tanz verstößt mit seinen  erotischen und damit "ungehörigen" Bewegungen  gegen die "guten Sitten" verstößt.
Nur 1 Jahr später verbietet Kaiser Wilhelm II. den Offizieren des deutschen Militärs, in Uniform Tango zu tanzen.
1921 wird in Berlin beschlossen,
dass Examenskandidaten wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage bei Prüfungen nicht mehr wie bislang üblich im Frack erscheinen müssen.
In der DDR wird 1954 in der "Wochenpost" eine Artikelserie mit dem Titel "Keine Angst vor guten Sitten"veröffentlicht.
Im gleichen Jahr lehnt es d
er Rechtsausschuss des Bundestags ab, unverheirateten Frauen die Anrede "Frau" für den Umgang mit Behörden zuzugestehen. Damit bleibt ein Runderlass von 1937 gültig, der für unverheiratete Frauen die amtliche Bezeichnung "Fräulein" vorschreibt. Das Bonner Bundesinnenministerium verfügt dann 1972 die generelle Anrede "Frau" und schafft damit das "Fräulein" im amtlichen Briefverkehr ab, nachdem seit 1955 erlaubt war, unverheiratete weibliche Personen im amtlichen Verkehr auf ausdrücklichen Wunsch mit "Frau" anzureden.
Gertrud Oheim veröffentlich 1955 das  Benimmbuch "Einmaieins des guten Tons".
Anlässlich des 200. Todesjahres von Adolph Freiherr
Knigge, 1996, wird über die Umgangsformen der Deutschen geklagt. Die Teilnehmer des "Knigge-Symposions" in Baden-Baden sind sich darüber einig, dass "die Manieren -gerade in Deutschland - schlichtweg schlecht" seien.

Und wie sieht es heut damit in Deutschland aus?
Umgangssprachlich würde ich sagen: "Sehr durchwachsen."
                                                                                                                                                                  MF

Seite erstellt: 2003
Seite geändert: 11.01.2010

 

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