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Adolph Freiherr von Knigge
Geschichte
des Benehmens
Was
ist eigentlich "Benehmen"?
Wir verstehen darunter eigenlich die
Umgangsformen (dazu zählen z.B. das Benehmen, Betragen, Manieren, Ton, Anstand)
in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Von uns, von der Gesellschaft werden solche
Verhaltensformen des einzelnen als positiv oder negativ gewertet.
Zu
den positiven Umgangsformen zählen z. B. Höflichkeit, Ehrlichkeit, achtungsvolles
Verhalten anderen gegenüber, gepflegte Tischsitten usw. - also Verhaltensweisen und -regeln, die
das menschliche Zusammenleben möglichst reibungslos und angenehm machen. Negativ
fällt auf, wer roh, ungehobelt oder unhöflich ist und z.B. mit Kraftausdrücken
um sich wirft.
Nicht übersehen darf man dabei,
dass in den verschiedenen Kulturkreisen, dem
sozialen Milieu oder gesellschaftlichem Umfeld auch durchaus unterschiedliche
Anforderungen an das gute Verhalten gestellt werden.
Bei
der Erziehung eines Kindes zu gutem Benehmen spielen natürlich die Eltern
die wesentlich Rolle - aber nicht nur sie, sondern alle Erwachsenen
und Mitmenschen. Über diese Vorbildrolle muss sich jeder bewußt sein, denn
letztlich wünschen wir doch jedem Kind ein angenehmes Leben in der Gesellschaft.
Wenn
wir von guten Umgangsformen sprechen, fällt uns als erstes wohl
immer Freiherrn von Knigge
ein - aber ganz sicher wurden mit dem Entstehen des Menschen bereits Regeln
aufgestellt, die für das Miteinanderleben galten.
Und
so, wie sich die Menschen und die Gesellschaftsformen veränderten,
veränderten sich auch immer einige Verhaltensnormen. Und das gilt auch für
unser Heute.
In der Folge gab es
keine grundlegenden Veränderungen all dieser Anstandsregeln, aber immer
wieder Festlegungen und Veränderungen, die uns teilweise Unverständnis oder
ein Schmunzeln abringen. Hier ein paar Beispiele dafür:
Die preußischen
Bahnbeamten werden 1904
in einem Erlass des
zuständigen Ministers Hermann von Budde
zu
höflichem Benehmen gegenüber den Reisenden angehalten
1912
war in der "Vossischen Zeitung" zu
lesen, dass in
Berlin die erste gerichtliche Bestrafung eines Schiebetanz-(Tango-)Tänzers
erfolgte, weil angeblich der aus
Südamerika stammende Tanz verstößt mit
seinen erotischen und
damit "ungehörigen" Bewegungen gegen die
"guten Sitten" verstößt.
Nur 1 Jahr später verbietet Kaiser
Wilhelm II. den Offizieren des deutschen Militärs,
in Uniform Tango zu tanzen.
1921 wird in Berlin
beschlossen, dass Examenskandidaten
wegen
der schlechten wirtschaftlichen Lage bei Prüfungen nicht mehr wie bislang
üblich im Frack erscheinen
müssen.
In der DDR wird 1954 in der "Wochenpost" eine Artikelserie mit dem Titel
"Keine Angst vor
guten Sitten"veröffentlicht.
Im gleichen Jahr lehnt es der Rechtsausschuss des Bundestags ab,
unverheirateten Frauen die Anrede "Frau" für den Umgang
mit Behörden
zuzugestehen. Damit bleibt ein Runderlass
von 1937 gültig, der für unverheiratete Frauen die amtliche Bezeichnung
"Fräulein" vorschreibt. Das Bonner Bundesinnenministerium
verfügt dann 1972 die generelle Anrede "Frau" und schafft damit das
"Fräulein" im amtlichen Briefverkehr ab, nachdem seit 1955 erlaubt
war, unverheiratete weibliche Personen im amtlichen Verkehr auf ausdrücklichen
Wunsch mit "Frau" anzureden.
Gertrud Oheim veröffentlich 1955
das
Benimmbuch
"Einmaieins des guten Tons".
Anlässlich des 200. Todesjahres von Adolph
Freiherr
Knigge,
1996, wird über
die Umgangsformen der Deutschen geklagt. Die Teilnehmer des "Knigge-Symposions" in Baden-Baden
sind sich darüber einig, dass "die Manieren
-gerade in Deutschland - schlichtweg schlecht" seien.
Und
wie sieht es heut damit in Deutschland aus?
Umgangssprachlich würde
ich sagen: "Sehr durchwachsen."
MF
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