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Adolph Freiherr von Knigge
zu seiner Person

 

Kommt nicht jeder von uns einmal in die Situation, zu überlegen, wie man sich in diesem Augenblick verhalten muss, um nicht gegen die sog. guten Sitten zu verstoßen?
Wie stellt man sich gegenseitig vor? Wer hat beim Betreten eines Raumes den Vortritt? Darf man Fisch mit dem Messer essen? Welchen Wein trinkt man
zum Wild?
Wer kennt die zahlreichen Benimmregeln und
-bücher, die unter dem Namen "Knigge" zum Begriff wurden? Doch wer Knigge liest, wird auf solche Fragen keine Antworten finden, denn es hat nichts mit Etikette-Regeln zu tun!
Knigge war ein bedeutender politischer Schriftsteller der deutschen Aufklärung. Er schrieb ein Handbuch der praktischen Lebensklugheit und der Menschenkenntnis, das gedankenreich, unterhaltsam und amüsant ist, ein Handbuch der praktischen Lebensklugheit und der Menschenkenntnis, aber kein banales Benimmbuch.

Herkunft und Berufsleben

Baron Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr von Knigge stammte aus niedersächsischem Landade. Er wurde am 16.10.1752 auf Schloss Bredenbeck bei Hannover geboren. Aber sein Vater, der Hofgerichtsrat Philipp Carl Freiherr von Knigge, hatte ihm 1766 nach seinem Tod nichts als Schulden in Höhe von 100 000 Reichstalern hinterlassen, sodass Knigge schon früh lernen musste, für seinen Lebensunterhalt selbst zu sorgen. Er immatrikulierte sich 1766 an der Universität Göttingen zum Jurastudium. Ohne Hochschulabschluss trat er im Jahre 1772 als Hofjunker in die Dienste am hessischen Hof in Kassel. Bereits im selben Jahr wurde er Mitglied der Freimaurerloge "Zum gekrönten Löwen", er heiratete die Hofdame Henriette von Baumbach. Bereits drei Jahre später gab Knigge wegen andauernder Konflikte am Hof seine Stelle wieder auf, er zog auf das Gut von Henriettes Mutter. Dort schrieb er auch sein erstes Theaterstück. Die Ehe war nicht glücklich, Knigge war mittellos und beruflich ohne Erfolg. Er verließ seine Familie, und bekam durch die Vermittlung Goethes eine Stelle als Kammerherr beim Herzog Carl August von Sachsen-Weimar. Doch bereits ein Jahr später zog er nach Hanau. Dort schloss er sich wieder der Freimaurerloge an und leitete das Liebhabertheater des hessischen Erbprinzen. Knigge war sehr vielfältig tätig, er war Theaterdirektor, Regisseur, Ballettmeister und auch Hauptdarsteller. Da er weit über seine Verhältnisse lebte, musste er bald vor seinen Gläubigern nach Frankfurt fliehen. Beruflich war Knigge gescheitert, wieder zog er um, diesmal nach Freiburg. Er beschäftigte sich immer intensiver mit der Freimaurerei und überlegte sogar, einen eigenen Geheimbund zu gründen. Aus finanziellen Gründen musste er 1784 nach Hannover zurückkehren, um wenigstens den Rest seines Erbes zu retten - umsonst. Seine kleine Rente wurde ihm gestrichen, sodass er in ärmlichsten Verhältnissen nur von seinen Autoreneinnahmen leben musste. 1790 trat er, schon schwer krank, seine letzte Stelle im Herzogtum Bremen an, wo er am 6.5.1796 im Alter von erst 48 Jahren starb.

Knigge als Schriftsteller

Nur wenige Schriftsteller sind nach ihrem Tod so schnei! vergessen oder umgedeutet worden wie Knigge. Wer weiß heute noch, dass er einer der großen politischen Publizisten der deutschen Aufklärung war? Ein Verfechter der Französischen Revolution, der Menschenrechte und Freiheit? Er selbst nannte sich einen "Polygraphen", einen Vielschreiber - oft gezwungenermaßen, denn er musste von seiner Schriftstellerei leben. Seine Schriften wurden nach seinem Tode immerhin in zwölf Bänden herausgegeben. Zu seinem Repertoire gehörten Komödien, Satiren, Romane, politische Schriften, pädagogische Predigten, Literatur- und Theaterkritiken und sogar Kompositionen für Klavier und Solofagott!
Als Schriftsteller war Knigge erfolgreich, seine Werke wurden u. a. wegen ihrer derben Komik geliebt, doch Goethe, Schiller oder Lessing z.B. nahmen keinerlei Notiz von ihm. Nach der Französischen Revolution avancierte er mehr und mehr zum politischen Schriftsteller und polarisierte mit seinen "Aufklärer-Idealen" die Öffentlichkeit.
Seine Ideen
fasste er 1788 in seiner berühmten Schrift "Über den Umgang mit Menschen" als moralisches Regelwerk zusammen, das als Anleitung für alle Menschen, egalzu welchem Stand oder welcher Klasse sie gehörten. Aus heutiger Sicht ist es eines der interessantesten Sittengemälde einer im Umbruch befindlichen Gesellschaft des ausgehenden 18.Jahrhunderts.

 "Über den Umgang mit Menschen"

Es war das Buch der deutschen Aufklärung, ein europäischer Bestseller, ein aufklärerisches und revolutionäres Buch, das sofort ins Dänische, Englische und Holländische übersetzt wurde. Knigge ging es darin nicht um Anstandsregeln, sondern um eine Orientierungshilfe für Menschen aller Stände in Zeiten des sozialen und politischen Wandels. Er wollte aus dem Schatz eigener Lebenserfahrungen seinen Mitmenschen das Ideal eines geistvollen Umgangs miteinander weitergeben und damit zur Selbstbestimmung des Menschen beitragen. Er gestaltete darin eigene Beobachtungen und Erfahrungen.
In drei Teilen beschreibt Knigge zuerst allgemeine Lebens- und Umgangsregeln, dann gibt er in zwölf kleinen Kapiteln dem Menschen in seinem familiären oder nachbarlichen Gefüge, in seiner gesamten bürgerlichen Welt Ratschläge zur praktischen Lebensführung: "Ober den Umgang mit Eltern, Eheleuten, unter Verliebten, mit Frauenzimmern, mit Hauswirten, mit Schuldnern
"....
Im dritten Teil seines Werkes weitet er seine Lebensregeln in die Kreise der ständischen, höfischen, staat
lichen und kirchlichen Gemeinschaft aus und schließt mit der Mahnung im Umgang mit den "Großen dieser Erde": "Stimme ihnen nicht bei, wenn sie je vergessen wollen; dass sie, was sie sind und was sie haben, nur durch die Übereinkunft des Volkes sind und haben." Damit gewann Knigge nicht nur Zustimmung, sondern er eckte damit an und war den Angriffen seiner Gegner ausgesetzt.
Knigges großes Werk wurde bereits im 19. Jahrhundert verfälscht, entpolitisiert und zu einem einfachen Etikette-Traktat herabgewürdigt. In seinem letzten Werk "Ober Eigennutz und Undank" (1796) sagt er: "Man freut sich darüber, wenn wenigstens dieselben Menschen uns nur einmal betrogen haben. Man verschließt sich nach und nach in sich selbst."

                                                                                                           Information: Dieter Winkler

Seite ersellt: 2003
Seite geändert: 15.02.2010

 

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