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Görlitzer Sagen
Die Sage
vom Klötzelmönch
In dieser Sage geht es um einen Mord an einem jungen
Mädchen. Dies kann aber wirklich so passiert sein.
Ein Handwerksbursche war auf Wanderschaft. Gerade als er
durch das Stadttor herein kam, läuteten die Glocken zur Abendmesse. Deshalb
ging er auch in die Kirche, aber er war so müde, dass er davon kaum etwas
mitbekam. Er schlief ein.
Als die Abendmesse beendet war, gingen alle nach Hause.
Niemand bemerkte den jungen Mann, nicht einmal der Pförtner, der noch die Tür
abschließen musste.
Gegen Mitternacht wachte der Handwerksbursche erst wieder
auf. Ihm war kalt geworden und er fürchtete sich. Es war ziemlich dunkel in der
Kirche, nur ein fahler Mondstrahl schien herein. Nun ging er in das
Chorgestühl. Dort kauerte er sich ängstlich hin. Plötzlich hörte er Schritte.
Sie wurden immer lauter. Der Bursche versteckte sich hinter einer Bank und kurz
darauf hörte er Schlüssel klappern.
Die Tür, die zum Franziskanerkloster führte, öffnete sich,
und er sah einen Mönch in gebückter Haltung herein kommen. In der linken Hand hielt
er eine Laterne, und mit der rechten Hand zog er etwas hinter sich her. Es war
der leblose Köper eines jungen Mädchens. Der junge Bursche beobachtete den
Mönch genau. Dieser ging vor bis an den Altar, dort hob er eine Steinplatte
hoch. Er ließ den leblosen Körper dort hineinrutschen, schloss die Platte und
verschwand
Jetzt konnte der Bursche nicht mehr einschlafen. Als es
endlich Morgen und die Tür geöffnet wurde, schlich er sich ganz unauffällig
hinaus.
Als er in der Herberge ankam, herrschte
dort Unruhe. Eine Witwe suchte ihre Tochter, die am vergangenen Tag nicht von
der Messe nach Hause gekommen war. Da fiel dem Wanderburschen ein, was er in der
Nacht gesehen hatte. Die Beschreibung, die die Mutter von ihrer Tochter gab,
passte genau auf das tote
Mädchen, und nun wusste er, dass er das nicht geträumt hatte.
Daraufhin lief er gleich zum Rathaus und erzählte dort
alles. Also gingen sie in die Kirche zu dem Altar, hoben die Platte hoch – und das
Mädchen, das da lag, war das gesuchte. Nun sollten sich alle Mönche versammeln.
Der Bursche erkannte den Täter sofort an dessen hässlichem Gesicht.
Der Mönch gestand alles. Für seine Tat wurde er lebendig
eingemauert.
Autor:
Sabrina Lewinski
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