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Görlitzer Sagen
Sage
vom dreibeinigen Hund
Jedes Jahr zur
Weihnachtszeit tauchte in Görlitz ein geheimnisvoller Hund auf. Er hatte ein
schwarzes Fell, leuchtende Augen und er bewegte sich auf drei Beinen vorwärts. Ließ man ihn ungestört seinen
gewohnten Weg nehmen, so tat er niemandem etwas zuleide.
Gewöhnlich entstieg er einem
Wasserloch am Jakobshospital, verließ die Stadt durch ein Stadttor und machte
sich auf den Weg durch die Verrätergasse zurück.
Eine Stunde nach Mitternacht
war er bis Weihnachten des kommenden Jahres wieder verschwunden. Die
Stadtsoldaten kannten sich in dieser seltsamen Angelegenheit aus. Sie ließen
das Pförtchen im Frauentor zur Mitternachtszeit offen, damit der Hund wieder
leise aus der Stadt hinausgehen konnte.
In einem Jahre zur
Weihnachtszeit war ein schrecklicher Sturm, er heulte um Tore und Türme.
Deshalb schloss ein neuer Soldat trotz der Warnung der anderen die Pforte und
stellte sich mit aufgepflanztem Bajonett hinter dem Frauentor in Position.
Als der Hund das Tor verschlossen sah,
wurde er wütend. Er übersprang das Tor mit einem mächtigen Satz. Der Soldat war
ohnmächtig neben dem Tor zusammen gesunken und seine Waffe war dahin. Er kam
bald wieder zu sich, aber sein Gedächtnis hatte gelitten.
Drei Wochen später
soll er gestorben sein.
Der dreibeinige Hund ist nie mehr an das Tor oder in die Stadt gekommen.
Erzähler: Yvonne Roemer
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