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Geografie
Der Regenwald
Die
Tropischen Regenwälder
In Südamerika,
Zentralafrika und Asien (Hinterindien) erstrecken sich die Wälder zu
beiden Seiten des Äquators. Die dort herrschenden Klimaverhältnisse
sind gekennzeichnet durch die ganzjährig hohen Temperaturen (Jahresmittel
über 25°C) mit geringer jährlicher, aber größerer
täglicher Schwankung sowie mit hohen Niederschlägen und hoher
Sonneneinstrahlung.
Der eigentliche, immergrüne tropische Regenwald zeichnet
sich durch seine annähernd gleich über das Jahr verteilten Niederschläge von
mindestens 2000 mm aus. Anders die regengrünen Regenwälder: Hier liegen die
Niederschlagsmengen zwar teilweise auch deutlich über 2000 mm; die
Niederschlagszeiten sind jedoch unterbrochen durch Trockenzeiten von 3 bis 4
Monaten. Die Niederschlagswerte des immergrünen Regenwaldes überschreiten
zuweilen sogar die 4000 mm-Grenze. Der Begriff "Regenwald", der am Ende des 19.
Jh. von einem deutschen Naturforscher geprägt worden sein soll, ist
somit eine sehr treffende Umschreibung für die Wälder der permanent feuchten
Klimazonen.
Die immergrünen Wälder dieser regenreichen
tropischen Gebiete weisen einen meist dreistöckigen Aufbau auf. Im Waldinneren
ist die Luft fast feuchtigkeitsgesättigt. Nur etwa 1 % des Sonnenlichts dringt
durch das dichte Kronendach bis zum Grund des Regenwaldes. Vereinzelt überragen
bis zu 70m hohe Baumriesen, die sich zur Stabilität mit großen Brettwurzeln im
Boden verankern, dieses grüne Dach. Die übrigen Bäume haben meist lange, aber
dünne Stämme mit kleinen Kronen.
Das Laub der Kräuter, die den Unterwuchs
bilden, ist meist sehr großblättrig, damit die knappe Sonneneinstrahlung in
dieser Zone besser ausgebeutet werden kann. Charakteristisch sind auch die
zahlreichen Kletterpflanzen (hauptsächlich Lianen), die in ihrem Streben nach
Licht ganze Baumkronen umspinnen können (kleinere Palmen, wurzelkletternde
Aronstabgewächse und Würgefeigen).
Der immergrüne
tropische Regenwald, eine Vegetationszone der Erde, ist ein schnell wachsender,
üppiger Wald ohne einen Jahreszeitenwechsel, aber mit einem ungeheurem
Artenreichtum. Er weist einen deutlichen Stockwerkbau (Schichten)
auf, die höchsten Baumriesen sind 60 - 80 Meter hoch. Typisch sind Palmen,
Schlingpflanzen (Lianen), Schmarotzerpflanzen und Bananen.
Zum
Regenwald zählen aber auch die weniger üppigen Arten von Gebirgs-,
subtropischem, temperiertem immergrünem Regenwald sowie Hartlaub-, Lorbeerwälder
und Mangrovegehölze; im weiteren Sinne können sogar die borealen Nadelwälder zum
Regenwald gezählt werden.
Neben epiphytischen Moosen und Flechten, die meist auf Blättern
leben, gibt es zahlreiche höher organisierte Epiphyten, die auf Ästen und
Stämmen siedeln und besondere Einrichtungen zum Sammeln von Wasser und Humus
besitzen, z. B. Orchideen. Das organische Material zersetzt sich rasch. Eine
Humusschicht vermag sich daher nicht zu bilden. Der Regenwald beeinflusst den
Kohlenstoff-, Sauerstoff- und Stickstoffkreislauf der Erde und ist somit ein
wichtiger Klimaregulator. Seine fortschreitende Abholzung kann schwer wiegende
Folgen haben, insbesondere den Treibhauseffekt.
Die ökologische Bedeutung des Regenwaldes
Diese "Grüne Hölle" mit rund 80 kg Grünmasse pro m² wirkt
als gigantischer Feuchtigkeitsspeicher, in dem einige Milliarden Tonnen Wasser
in endlosem Kreislauf aus Verdunstung und Niederschlag zirkulieren. Die
Regenwälder stabilisieren das tropische Klima und schützen weit über ihr
Verbreitungsgebiet hinaus vor Überschwemmung und Trockenheit. Die Pflanzenmasse
hat auch eine große Bedeutung für den Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre. Mit
Hilfe von Sonnenlicht verwandelt sie das Kohlendioxid aus der Luft in Zucker,
Eiweiß und andere Stoffe, die zum Körperaufbau benötigt werden. Auf diese Weise
werden von den tropischen Regenwäldern über 500 Milliarden Tonnen Kohlenstoff
gebunden.
Eine wichtige Funktion hat der Regenwald als Lebensraum für Menschen, Pflanzen
und Tiere. Etwa zwei Drittel aller bekannten Pflanzenarten und 80 % aller
Insekten sind im tropischen Regenwald zu Hause. Insgesamt wird geschätzt, dass
sich 1,7 Millionen Pflanzen- und Tierarten in diesem Lebensraum befinden, wobei
sich mehr als zwei Drittel des Urwaldlebens im Baumkronendickicht abspielt.
Andere Quellen nennen auch höhere Zahlen, so z.B. der amerikanische Zoologe
Edward O. Wilson von der Harvard-Universität. Er schätzt, dass im Dschungeldach
rund 5 bis 30 Millionen Tierarten leben. Bekannt und beschrieben sind auf der
Welt bisher gerade 1,4 Millionen Arten.
Der Raubbau...
Das einfache Leben der Ureinwohner war für diese Regionen
keine ernsthafte Bedrohung. Anders ist die Ausbeutung durch die so genannten
zivilisierten Menschen mit ihren technischen Hilfsmitteln zu bewerten. Das
Bevölkerungswachstum und der damit gestiegene Bedarf an Gütern (Holz,
preisgünstiges Rindfleisch u.a.) sind wesentliche Ursachen für die gnadenlose
Ausbeutung dieser bisher als undurchdringlich geltenden Region. Als Alexander
von Humboldt (1769 -1859) das Amazonasgebiet als erster wissenschaftlich
erforschte, waren noch rund 12 % der Erdoberfläche mit Regenwäldern bedeckt. Das
entsprach einer Oberfläche von 16 Millionen km². Davon sind bereits über 50 %
vernichtet worden. Und jährlich werden nach der FAO (Food and Agriculture
Organisation) 16,9 Millionen Hektar Regenwald zerstört, davon 8,3 Millionen
Hektar in Lateinamerika, 5 Millionen in Afrika und 3,6 Millionen in Asien. Dies
bedeutet, dass jährlich Regenwald von der Hälfte der Fläche Deutschlands
vernichtet wird. Hauptursachen der Vernichtung sind Landwirtschaft (86 - 94 %, davon durch
Brandrodung 41-49 %), Erschließungs- und Entwicklungsprojekte (2 %) und
unsachgemäße Holznutzung (2-10 %).
...und die Folgen
Aus der oben skizzierten ökologischen Bedeutung des
tropischen Regenwaldes lassen sich die unmittelbaren (zum Teil auch die
mittelbaren) Folgen der Zerstörung ableiten, von denen sich einige auch heute
schon deutlich zeigen:
1. Destabilisierung
der Klimaverhältnisse und des Wasserhaushalts:
Überschwemmungen und
Dürrekatastrophen nehmen zu.
2. Anreicherung der Atmosphäre mit Kohlenstoffdioxid: Die fehlenden
Pflanzen können keine
Fotosynthese mehr betreiben. Verstärkt wird dieser Vorgang
durch alle Verbrennungsprozesse,
also auch durch die dort praktizierte
Brandrodung.
3. Verstärkte Erosion: Nach 2 bis 3 Ernten ist die durch
Regenwaldrodung gewonnene Ackerfläche,
die nur aus einer dünnen Humusschicht
besteht, völlig erschöpft. Sonne, Wasser und Wind können
ungehindert auf die
freien Bodenflächen einwirken und die Erosion fördern.
4. Lebensraumverlust für viele Regenwaldbewohner, nicht zuletzt für
die dort lebenden Menschen.
Auch Pflanzen und Tiere verlieren ihre
Existenzgrundlage, d.h. sie sind zum Aussterben verurteilt.
Dabei sind
zahlreiche Pflanzen- und Tierarten nicht einmal näher untersucht oder gar
bekannt.
Anzunehmen ist, dass unter ihnen auch wertvolle Stofflieferanten z.B.
für dringend benötigte Arzneien sind, die dann unwiederbringlich für die
Menschheit verloren gehen. Deswegen engagieren sich auch manche
Pharmaunternehmen zurzeit an der fieberhaften Untersuchung dieser letzten
Reservate.
Gegenmaßnahmen
Entscheidend ist die Suche nach Wegen zur Verringerung der
menschlichen Not, die nicht zuletzt durch die Bevölkerungsexplosion - in
Regenwaldgebieten leben heute schon rund 200 Millionen Menschen - ein immer
stärkeres Eindringen der Menschen in diese Zonen erforderlich macht. Eine
Möglichkeit, diese Situation zu entschärfen, könnte z.B. die Umsetzung des
Vorschlages des Freiburger Politologen Dieter Oberndörfer sein. Er schlägt in
seiner im Auftrag des Bundeskanzleramtes angefertigten Tropenholzstudie vor, die
Schuldtitel der armen Länder aufzukaufen, wenn diese sich bereit erklären, das
Geld in Umweltprojekte zu investieren.
Indirekt tragen wir alle zum Niedergang der tropischen Wälder bei. So wollen wir
preiswertes Rindfleisch zu stabilen Preisen. Es sind dann die Rinderzüchter, die
jedes Jahr in Zentralamerika und im Amazonasgebiet rund 2,5 Millionen Hektar
Wald zerstören, um die Fleischexporte in die Industriestaaten zu steigern.
Wichtig ist auch der Verzicht auf den Verbrauch von tropischen Hölzern. Setzt
sich der gegenwärtige Trend im Holzverbrauch fort, ist die weitere Ausbeutung
des tropischen Regenwaldes kaum zu stoppen. Der Bedarf muss gesenkt und durch
die eigens eingerichteten und bisher wenig ausgebeuteten, heimischen
Nutzholzreserven gedeckt werden.
Eine Aufforstung der tropischen Wälder ist kaum
möglich, weil die Böden sehr arm an Humus und Mineralien sind. Dennoch werden
diesbezüglich Forschungsstudien betrieben, z.B. in der
Tropenwaldforschungsstätte Wanariset auf Borneo. Plantagen sollen auf Dauer eine
kontrollierte Holznutzung ermöglichen.
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