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Geografie
Gewässer - Die Wolga
 

 
Der längste Fluss Europas

Die Wolga entspringt nordöstlich von Moskau in den Waldaihöhen, entwässert Westrussland und mündet in einem weiten Delta ins Kaspische Meer. Schon immer war der Fluss ein bedeutender Handelsweg und ist über Kanäle unter andererem mit dem Schwarzen Meer und der Ostsee verbunden. Und schon immer hat wohl dieser Fluss die Menschen wegen seiner Größe und Schönheit, auch wegen seiner Bedeutung die Menschen beeindruckt. Der russische Maler J. I. Repin (1844-1930) z. B. schuf das bekannte Werk "Die Wolga-Treidler".

Wichtiger russischer Verkehrsweg
Auf ihrem Weg von Norden nach Süden passiert die Wolga die Steppen der Tundra, die Wälder der Taiga und Wiesenlandschaften. Zudem ist sie mehrmals zu gewaltigen Seen aufgestaut, von denen Landwirtschaft, Industrie und die anliegenden Städte profitieren.
Nachdem die Wolga Moskau von Norden her umflossen hat, biegt sie erst nach Nordosten, dann nach Südosten ab und bewässert die Städte Jaroslawl, Nischni Nowgorod, Kazan, Samara, Saratow, Wolgograd und Astrachan.
Bei Letzterer beginnt das breite Delta, mit dem die Wolga ins Kaspische Meer mündet.

Gewaltige Stauseen
Die Quelle der Wolga befindet sich in den Waldaihöhen nahe dem DorfWolgowerchowe. Dieses liegt 128 Meter hoch, das Kaspische Meer 28 Meter unter dem Meeresspiegel, sodass der Fluss ein Gefälle von nur 156 Metern aufweist. Er ist von der Stadt Rschew an bis zu seiner Mündung schiffbar und erreicht eine hohe Wasserführung. Letzteres begünstigt die Errichtung von Wasserkraftwerken. Die Wolga versorgt mehrere aufgestaute Seen mit Wasser. Das größte Reservoir ist der Samaraer Stausee bei Simbirsk und Toljatti (600m Länge, 6450 qkm). Ebenfalls über große Stauseen verfügen Rybinsk (4 800 qkm), Wolgograd (3150 qkm) und Nischni Nowgorod (l700 qkm).

Mit fünf Meeren verbunden
Eisbrecher sorgen dafür, dass die Wolga auch im Winter schiffbar ist. Mit der Ostsee und dem Weißen Meer ist sie durch den Wolga-Ostsee-Kanal verbunden (360 km), mit Moskau durch den Moskau-Wolga-Kanal (128 km) und mit dem Schwarzen Meer durch den Wolga-Don-Kanal (102 km).
Dadurch erreicht man von Moskau aus über die Wolga fünf Meere und Seen (Ostsee und Weißes Meer im Norden, Kaspisches, Schwarzes und Asowsches Meer im Süden).
Wolga-Ostsee-Kanal
Der Wolga-Ostsee-Kanal wurde 1964 erbaut, misst 360 Kilometer und ist durchgängig befahrbar für Schiffe mit bis zu 5000 Tonnen und 4 Metern Tiefgang.
Er passiert diverse Flüsse sowie natürliche (Onega, Lagoda) und künstliche Seen (Rybinsk, Nischni Nowgorod, Simbirsk/ Toljatti) und erlaubt den direkten Schiffsverkehr vom Kaspischen Meer zur Ostsee (St. Petersburg).

Ein umkämpfter Handelsweg
Als Bindeglied zwischen dem
Kaspischen Meer und Zentralrussland spielt die Wolga eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Im Laufe der Jahrhunderte haben verschiedene Völker darum gekämpft, ihre Uferregionen zu besetzen. Die Wolga verbindet den Norden mit dem Süden Russlands. Von der Zeit der Waräger bis in die Ära der Sowjetunion hinein kam dem Fluss deshalb eine wichtige strategische Bedeutung zu.

Lange Zeit umkämpft
Im 10. Jahrhundert stießen schwedische und dänische Wikinger in die Wolga-Region vor und vertrieben zunächst die slawischen und finnischen Besetzer rund um Nowgorod und Moskau. Als geborene Seefahrer und Händler folg­ten die Waräger oder Rus ge­nannten wikingischen Siedler dann der Wolga und dem Don bis hinunter zum Schwarzen Meer. Der von ihnen aufge­baute Handelsraum bildete die Basis für die Entstehung des Fürstentums Moskau. Um das Wolga-Delta zu kontrol­lieren, annektierten die Trup­pen Iwans des Schrecklichen im 16.Jahrhundert erst die bis dahin von den Tataren be­herrschten Gebiete um Kazan (1552) und Astrachan (1556), danach eroberten sie den Rest des langen Wolgatals. Die letzte blutige Schlacht fand im Zweiten Weltkrieg 1942/43 bei Stalingrad, heute Wolgograd, statt. Damals be­siegten die Russen die deut­schen Invasoren.

Wirtschaftliche Bedeutung
Zar Peter der Große hatte davon schon im 18. Jahrhun­dert geträumt, aber begonnen wurden die großen Wasser­kraftprojekte der Wolga erst Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der Industrialisierung. Und dann dauerte es noch weitere Jahrzehnte, bis Josef Stalin diese Arbeiten in den 1930er-Jahren endgültig in Auftrag gab. Heute ist der Nutzen der gigantischen Wol­ga-Stauseen umstritten: Eini­ge Millionen Hektar wertvol­les Kulturland sind bereits in den Wassern versunken. Nischni Nowgorod wiederum gehört mit seinen Chemie­fabriken, Erdölraffinerien und dem größten Automobilwerk Russlands zu den Orten, die von ihrer Lage an der Wolga profitieren. Die Stadt hieß einst Gorki und war in der Sowjetzeit wegen der dort ansässigen Rüstungsbetriebe eine für Ausländer verbote­ne Stadt. Ihr internationaler Bekanntheitsgrad stieg erheb­lich, als 1980 der Physiker und Nobelpreisträger Andrej Sacharow dorthin zog.
Einer der Schät
ze der Wolga ist der Kaviar aus den Eiern des Russischen Störs. Dieser große Fisch folgt zeitweise dem Lauf der Wolga vom Kaspischen Meer strom­aufwärts, um sich in ihren Wassern fortzupflanzen. Die Kaviarproduktion ist äußerst rentabel, weshalb die Herstellerfirmen auch energisch gegen die Verschmutzung der Wolga ankämpfen.

Wissenswertes

Länge
3534 km

Mittlere Wasserführung
8000 Kubikmeter/s

Einzugsgebiet
1350000 qkm

Anrainerstaaten
Russland, Kasachstan

Wichtige Städte in den Anrainerstaaten
Jaroslawl, Nischni Nowgorod, Kazan, Samara, Saratow, Wolgograd, Astrachan

Wichtigste Nebenflüsse
Mologa, Kostroma, Unscha, Oka, Sura, Wetluga, Kama, Samara, Irgiz

Gewässergestaltung
Staudämme und Staubecken

Wirtschaftliche Nutzung
Handelsweg (Holz, Kohle, Erdöl, Salz, Getreide, Erze), Störfischerei (Kaviar), Tourismus

Verkehrsaufkommen
50 % der Flussschifffahrt Russlands 

 

 

 

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