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Geografie
Gewässer - Der Ärmelkanal


D
er Ärmelkanal - zwischen Nordsee und Atlantik

Im Nordosten Europas gelegen, verbindet der Ärmelkanal die Nordsee über die Straße von Dover mit dem Atlantischen Ozean. Er trennt Frankreich im Süden von Großbritannien im Norden. In dem Meeresarm liegen die britischen Kanalinseln und die Insel Wight.

Der Ärmelkanal ist ein mit dem Wasser des Atlantiks gefülltes Sedimentbecken. Seine Trichterform verursacht starke Strömungen. Auch die von Westwinden beherrschten Stürme sind heftig.
Während die Öffnung des Ärmelkanals zum Atlantik hin breit ist, besteht die Verbindung zur Nordsee in der mit nur 31 Kilometern äußerst schmalen Straße von Dover nach Calais. Dieser Trichter verengt sich zudem noch in der Mitte durch die Halbinsel Cotentin.

Der Ärmelkanal weist hauptsächlich sandige Strände auf - etwa im Golf von Saint-Malo, der Seine-Bucht und der Straße von Dover.
An den Küsten finden sich aber auch kleine Sumpfgebiete und einige spektakuläre Kreidefelsen, sowohl auf der französischen als auch auf der englischen Seite (im Pays de Caux, bei Etretat und bei Dover). Die Inseln des Ärmelkanals befinden sich in Küstennähe.

Starker Schiffsverkehr
Der Ärmelkanal ist die wichtigste Seestraße zwischen dem Atlantik und Nordeuropa. Der Hochseeverkehr mit 300 000 Schiffen pro Jahr und der Fährbetrieb über den Kanal machen - fast unglaublich - ein Viertel des weltweiten Seeverkehrs aus. Große Schiffswerften und Handelshäfen - darunter Cherbourg, Plymouth und Le Havre - liegen am Kanal. Die Fischerei spielt, mit Ausnahme des westlichen Teils des Ärmelkanals nur eine kleine Rolle. Dafür ist die Aufzucht von Miesmuscheln und Austern gut entwickelt.

Mont-Saint-Michel
Mont-Saint-Michel, eine sagenumwobene Insel vor der Küste der Normandie, liegt an der Grenze zur Bretagne. Sie beherbergt eine zwischen dem 12. und 15. Jh. erbaute Benediktinerabtei.
Die Bucht von Mont-Saint-Michel ist berühmt-berüchtigt für ihre mächtige Flut: Die Tide erreicht eine durchschnittliche Höhe von zwölf Metern.
(Tide: eine
langperiodische Wellenbewegung, die durch die kosmische Massenanziehung von Mond und Sonne im Zusammenwirken mit der Erddrehung hervorgerufen wird. Sie dauert in der Nordsee rund 12 Stunden und 25 Minuten)

Geschichtsträchtiger Meeresarm
Noch bis zur Mitte des 20. Jh. war der Ärmelkanal Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.
Die Geschichte des Ärmelkanals ist untrennbar mit großen Ereignissen in der Geschichte Europas verbunden. Seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. bevölkerten die Kelten das Küstengebiet, bis im 1. Jh. die Römer dorthin vordrangen, um Großbritannien zu erobern.

Vom 8. bis zum 11. Jh. stießen die Wikinger in den Ärmelkanal vor. Sie kamen aus Skandinavien, waren auf der Suche nach neuen Handelswegen und Beute. 857 fuhren sie die Seine stromaufwärts. Von der Normandie aus, wo sie sich niedergelassen hatten, brachen die Normannen unter der Führung Wilhelms des Eroberers im 11. Jh. auf, um den Ärmelkanal zu überqueren und England zu besetzen.
Auch in den folgenden Jahrhunderten blieb die Meeresstraße Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen den großen europäischen Monarchien. 1588 schickte der spanische König Philipp II. seine als unbesiegbar geltende Armada dorthin, um die englische Königin Elisabeth I. zu stürzen. Wegen eines Sturms und der taktischen Überlegenheit der Engländer ging die spanische Flotte jedoch unter. Der Ärmelkanal diente später auch als Fluchtweg für religiös oder politisch Verfolgte, beispielsweise für die Hugenotten im 16. Jh. oder für französische Adlige während der Französischen Revolution.
Nach der Entdeckung Amerikas 1492 und dem Aufschwung des Kolonialhandels entwickelte sich der Ärmelkanal zu einer wichtigen Seestraße für die Schiffe der Großmächte. Von der reichen Fracht angezogen, machten lange Zeit Piraten den schmalen Meeresarm unsicher. Im Zweiten Weltkrieg war der Ärmelkanal wieder Schauplatz heftiger Seeschlachten, diesmal zwischen Alliierten und Deutschen.
Am 6. Juni 1944 überquerten die alliierten Streitkräfte unter General Eisenhower den Kanal und landeten in der Normandie

Heute dient die Meeresstraße zwischen England und Frankreich ausschließlich dem Schiffsverkehr.

Wissenswertes

Fläche. 75 000 qkm

Maximale Länge: 500km

Maximale Breite: 250 km (zwischen Dorset und Mont-Saint-Michel)

Maximale Meerestiefe: 185 m (mittlerer Graben)

Bedeutendste Inseln: Kanalinseln: Alderney, Guernsey, Jersey, Sark; Insel Wight (britisch);
                                                       Chausey, Ouessant (französisch)

Wichtigste Hafenstädte:  Roscoff, Plymouth, Saint-Malo, Cherbourg, Southampton, Portsmouth,    
                                        Le Havre, Brighton, Newhaven, Dieppe, Folkestone, Dover, Calais

Küstenländer: Großbritannien, Frankreich

Meere: Nordsee (im Osten), Atlantischer Ozean (im Westen)

Sehenswertes
Der Armelkanaltunnel
Der Euro- oder Kanaltunnel unter dem Ärmelkanal verbindet Cheriton in Kent (England) und Sangatte in Nordfrankreich. Das lange geplante und sehr kostspielige Projekt, dem einige fehlgeschlagene Tunnelbauversuche im 19. und 20. Jh. vorausgegangen waren, wurde 1973 begonnen und am 6. Mai 1994 vollendet, als der erste „Shuttle"- Zug von England nach Frankreich fuhr. Zum großen Teil liegt der Tunnel fast 40 Meter unter dem Meeresgrund.

Seite erstellt: 2006
Seite geändert: 24.03.2010

 

 

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