
|
|
|||
|
|

Ethik
Sekten
Der
Orden des Sonnentempels
Einführung
Der Orden des
Sonnentempels orientiert sich am mittelalterlichen Templerorden,
der im Zusammenhang
mit den Kreuzzügen,
insbesondere mit der Eroberung durch die Türken und die Befreiung Jerusalems durch
die Kreuzritter, ins Leben gerufen wurde. Aber
er unterscheidet sich auch deutlich von ihm. Er beinhaltet Gedanken
aus der Esoterik,
der Mythologie und
der Endzeit. Aber in dem Gedankengut des Ordens finden sich auch Inhalte aus
dem Hinduismus
und dem Buddhismus (Reinkarnation). Er wurde 1983 von Jo
Di Mambro und Luc Jouret
gegründet.
1994 wurde der Orden weltbekannt, als
53 Mitglieder spektakulär
den Tod fanden, z. T. auch auf
grausame Art.
Historischer Hintergrund
Die Wurzeln dieses
Ordens lassen sich bis zum
Templerorden im Mittelalter zurückverfolgen, der im Zusammenhang
mit den Kreuzzügen ins Leben gerufen wurde. Nach der Eroberung Jerusalems im ersten Kreuzzug und der Befreiung
der Stadt von der türkischen Besatzung durch
die Kreuzritter 1099 war das religiöse Zentrum des Christentums wieder zurückerobert.
Trotzdem wurden die Kreuzritter als Besatzer betrachtet, aber diese
fühlten sich außerdem in der fremden Kultur nicht wohl. In dieser Situation entsteht der Templerorden
(der Name entsteht nach dem in der Nähe stehenden Tempel), die Glaubensgrundlage
dafür hatte Hugo
von
Payene
geschaffen. Er wollte die Pilger schützen, und darauf legte er mit 7
Rittern ein Gelübde ab.
In der Folge kommt der Orden zu Reichtum
und theologischem Ansehen, er ist ab 1139 direkt dem Papst unterstellt. Schon bald
breitet sich der Orden auch
auf Europa aus.
Im 7. und damit letzten
Kreuzzug jedoch gewinnt der Islam wieder
die
religiöse Oberhand in Jerusalem. Das ist der Beginn des Endes des Templerordens.
Aber
auch in Europa kommt der Glaube des Ordens in Verruf. Ursache dafür
ist das Verhalten des
französischen Königs Philipp IV., der die weltlichen Güter der Templer
in seien Besitz bringen will. Deshalb bezichtigt er den Orden der Ketzerei und Gotteslästerung. Deshalb wird nicht nur die Gemeinschaft auf dem Konzil von Vienne
1312 aufgelöst, sondern der amtierende
Großmeister, Jacques de Molay, wird
zwei Jahre
später auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dieses Schicksal erleiden außer ihm
noch viele andere Mitglieder des Templerordens.
Ordensgründer
Jo Di
Mambro
Joseph Di Mambro
wird 1924 in Pont Saint-Esprit
in Frankreich
geboren. Er absolviert eine Lehre als Uhrmacher und
Goldschmied. Schon früh beschäftigt er sich mit esoterischen Gedanken.
Er
wird 32-jährig Mitglied eines Rosenkreuzer-0rdens,
aber er beschäftigt sich auch mit weiteren Ideen. Den nachhaltigsten Einruck
hinterließ Jacques Breyer, der eine esoterisch gefärbte
Version des mittelalterlichen Templerordens aufbauen will. Mambro entwickelt aus diesem Gedankengut eine
eigene Weltanschauung, die er ab
1973 in verschiedenen Formen und Gemeinschaften zu realisieren sucht:
1973: Gründung eines "kulturellen
Zentrums für Entspannung"
mit Yoga-Schule in
Frankreich
1976: Ankauf eines Hauses bei Genf
und Gründung der Grossen Weissen
Universellen Loge
1978: Umzug der gewachsenen Gemeinschaft in ein neues
größeres Haus in Saconnex-d'Arve
südlich von
Genf, Gründung der "Golden Way Foundation"
In den folgenden Jahren tritt die Gemeinschaft u.a. unter dem Namen "Ordre
du Temple Solaire"
(Sonnentempler) auf
Seine
Anhänger
bezeichnen ihn
als "ein Meister des Jenseits..., das eine besondere
Mission auf Erden angetreten hatte". Das nimmt er als Legitimation für sein
Auserwähltsein nimmt an,
da er 1976 eine
Offenbarung erlebte, in der ihm f olgender Auftrag erteilt wurde: Gib alles auf,
gehe nach Genf. Menschen
brauchen dich
dort, werde ihr
Führer.
immer wieder spricht er davon, dass
er regelmäßig
Botschaften aus dem Jenseits empfängt. So festigt er seinen Status
als religiöser
Meister, der über seherische Fähigkeiten
verfügt. Die 33 Meister der
weißen Bruderschaft der Rosenkreuzer aus Zürich
bezeichnet er als seine geistigen Väter, die ihm auch Handlungsanweisungen
geben.
Luc Jollret
Er wird 1947 in Belgien
geboren, studiert Medizin und ist empfänglich für homöopathische
Heilmethoden.
Er sammelt spirituelle, u. a. in
Indien, wo er mit Bhagwan zusammentrifft. Er
ist aber auch für esoterische Templer-Gedanken empfänglich
und hält darüber in den 1980er
Jahren Vorträge in Frankreich, Kanada und der Schweiz. Er sucht Kontakt
zum "Ordre Renove du Temple" und seinem Großmeister Julien Origas. Das
sollte für die von Jo
Di Mambro gegründete Gemeinschaft, deren Mitglied Joure
twar, von schicksalhafter Bedeutung sein. Als Origas 1983 verstirbt, kann Jouret dessen Orden
übernehmen, und er vereinigt die beiden Gruppen zum
Orden der Sonnentempler.
Entwicklung des Ordens der Sonnentempler
Unter der
gemeinsamen Leitung von Jo Di Mambro und Luc
Jouret erhält der Orden bald zahlreiche neue Mitglieder. 1989 erreicht er 442 Anhängern.
Sie verteilen sich auf folgendermaßen: Frankreich
(187), Schweiz (90), Kanada (86),Martinique
(53), USA (16) und Spanien (10). Mit der Zeit erwirbt der Orden eine Vielzahl von Ländereien und
Gebäuden, durch den Beitritt neuer Mitglieder kann er seine
finanzielle Situation verbessern.
Jouret und Di Mambro bilden eine Führungseinheit. Di Mambro ist das
geistige und Jouret das "weltliche" Oberhaupt der Gemeinschaft, der
den Orden nach außen repräsentiert und neue Mitglieder anwirbt
Dazu kommt es mit mit
dem Ordre Renove du Temple zur Vereinigung. In
Kanada werden neue
"Überlebenszentren" aufgebaut, in Australien knüpft der Orden
erste Kontakte.
Bald danach geht
es aber mit dem Orden
rapide bergab. Trotz Vorsichtsmaßnahmen und Geheimhaltung in
der obersten Führungsetage dringen
allmählich deren Machenschaften sowie der geistige
und finanzielle Betrug durch Di Mambro ans Tageslicht. Etliche Mitglieder verlassen daraufhin den Orden oder
verklagen ihn auf Schadensersatz. Als Folge davon
beginnt die Fassade der überlegenen Sicherheit von Di Mambro, Jouret und
ihrer Gefolgschaft so sehr zu bröckeln, sodass
sie sich und ihren Orden massiv bedroht
glauben. Die Reaktionen darauf sind zweifacher, vom Ansatz her jedoch vollkommen konträr: Jouret stellt sich den
Herausforderungen und sorgt mit
dem Ankauf von Waffen für einen äußeren Schutz der Organisation, Di Mambro aber flüchtet sich vor den
vermeintlichen Verfolgern in eine geistige
Einsamkeit und verkündet die Botschaft von Heil im Jenseits.
Diese unterschiedlichen Reaktionen führen zwischen 1994 und 1997zu
einer tragischen Vielzahl von Massen(selbst)morden unter den Ordensmitgliedern.
Lehre
Die Ordenslehre
der Sonnentempler beruht theoretisch auf den Idealen der
mittelalterlichen Tempelritter. Praktisch aber villzieht der Orden
einen Rückzug in die Innerlichkeit, die von der persönlichen Suche nach dem persönlichen Heil bestimmt wird. Dieser Ansatz
gewann - wie bei anderen religiösen Gemeinschaften
auch - insbesondere angesichts der ab den 1990er-Jahren rasch näher rückenden
Jahrtausendwende und einem damit erwarteten Apokalyptischen Weltende
- ein besonderes Gewicht.
Die Sonnentempler verehren besonders die Tempelherren, jene Christusritter,
von denen sich viele in den ersten Jahren des 14. Jahrhunderts geweigert
hatten, ihrem Glauben abzuschwören und dafür auf dem
Scheiterhaufen hingerichtet worden waren. Besonders verehrten sie
das Andenken der 54 Tempelritter von Saint-Antoine, die am 12. Mai 1310 bei lebendigem Leibe verbrannt worden waren."
Spiritualität
Das zentrale
Bemühen der Sonnentempler gilt der menschlichen Seele. Besonders in einer immer
unpersönlicher werdenden Welt, ist der Mensch zunehmend auf
der Suche nach einem inneren Zentrum.,
das ihm hilft, sein Leben zu
gestalten. Viele Menschen gehen
jedoch sind jedoch bei dieser Suche unter, sie bestimmen nicht mehr
ihr eigenes Leben. Hier
bietet die Lehre der Sonnentempler Erfüllung der
Sehnsüchte: die Menschen erleben etwas
Neues, die spirituellen
Erfahrungen, die nicht nur eine Bereicherung des
alltäglichen Lebens bedeuten. Sie erreichen eine
neue Bewusstseinsebene und
werden durch diese Erfahrung
auch zu Auserwählten mit besonderer Erkenntnis, dass
sie künftig ihr Leben selbst bestimmen Das spricht sie an, und
zwar nicht nur einsame Menschen in ausweglosen
Lebenssituationen, denn zu den Mitgliedern des Ordens zählen Menschen aus
allen Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen. Außerdem findet Di Mambro finanzkräftige und gesellschaftlich bedeutende
Menschen, die den Orden finanziell und/oder ideell unterstützen. Der
Orden wird immer angesehener.Das wirkte sich auch lange Zeit positiv auf das
Renommee des Ordens in der Außenwelt aus.
Das Auserwähltsein
festigt sich auch noch in einer anderen Erfahrung, die an biblische
Schilderungen erinnert:
Unverzichtbarer Bestandteil dieses
spirituellen Lebens ist eine strenge körperliche Disziplin, verbunden mit einer
speziellen, im Wesentlichen vegetarisch
ausgerichteten, makrobiotischen Ernährung und ständigen Meditationen.
Reinkarnation
Ein bestimmemder Punkt des Ordens der Sonnentempler ist die Reinkarnationslehre. Jedes Mitglied ist die Inkamation einer verstorbenen Person, die Wesen und Persönlichkeit dieses Mitglieds sowie dessen Status in der Gemeinschaft bestimmte. Unglückliche Menschen büßen in diesem Leben für Vergehen in der Vergangenheit. Im Orden der Sonnentempler gab es Inkarnationen einiger historischer Personen, z.B. der Soldat, der mit der Lanze Jesus durchbohrt hat, Josua, Königin Hatschepsut u.a.
Zahlensymbolik
Eine besondere Bedeutung haben bei den Sonnentemplern auch verschiedene Zahlen. So erinnert die 54 an die 54 Tempelritter, die 1310 auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden waren. Oder die Zahl 33 - es gibt 33 Älteste im Rosenkreuzer-0rden, 33 Meister der weißen Bruderschaft der Rosenkreuzer in Zürich, und im Jahr 33 starb Jesus am Kreuz. Als besonderes übernatürliches Phänomen entstehen während einer feierlichen Zeremonie aus dem Kreuz der Sonnentempler 33 verschiedene Medaillen.
Rituale und Erscheinungen
Die Rituale im
Orden der Sonnentempler dienen sämtlich
dazu, den Status des Auserwältseins zu verstärken. Zum einen geschieht dies dadurch, dass nicht alle Mitglieder zu allen Ritualen Zutritt haben, und zum anderen werden
diese Rituale so zelebriert, dass jedem Anwesenden die Besonderheit desselben
vermittelt wird. Sämtliche Rituale werden im
sog. Sanktuarium gefeiert. Dort teilen sich ausgewählten Ordensmitgliedern auch die astralen Meister in
vielfältigen Erscheinungen mit. Dabei handelt es
sich um ausgeklügelte technische Tricks, die von Di Mambro
konzipiert und von einem eingeweihten
Mitglied realisiert wurden.
Beispiele:
Wachtraum:
Durch Hypnose wird ein
Mitglied in die Lage versetzt, sich an sein
früheres Leben und die darin begangenen
Vergehen zu erinnern. Es erhält
einen
"Code", mit dessen Hilfe es möglich wird, die
Beziehungen zwischen früherem und jetzigem Leben in
einem Zusammenhang aus
Ursache und Wirkung herzustellen. Dadurch fällt es dem Betreffenden leichter fällt, diese
negativen Ereignisse zu
akzeptieren und einzuordnen.
Aufnahme eines neuen
Mitgliedes in den engeren Kreis = Talarübergabe
Alle, die diese Zeremonie mitfeiern,
sind in weiße Talare gekleidet und bilden einen Halbkreis
um den in ein
rot-goldenes Gewand gehüllten Meister Jo Di Mambro. Die neuen
Mitglieder tragen Alltagskleidung, die sie während der
Zeremonie feierlich ablegen, um anschließend die weißen Talare zu empfangen.
Das Leben im Orden
Die
Ordensregeln der Sonnentempler wurden 1990 von Luc Jouret verfasst. Sie
formulieren in 48 Artikeln das religiöse Selbstverständnis der Gemeinschaft
sowie die verschiedenen Rituale und Zeremonien, legen die innere Hierarchie
fest und listen einen verbindlichen Aufgaben- und Pflichtenkatalog für die
Mitglieder auf, der deren Leben und Verhalten bis in die kleinsten Details
hinein bestimmt.
Die Gemeinschaft
der Sonnentempler bildet eine fest gefügte
Gemeinschaft, in der die Menschen
in vollkommener Isolation von der übrigen Welt leben. Die
Ordensmitglieder kommen
aus allen Schichten und Bereichen der Gesellschaft. Jedes Mitglied
wird entsprechend seiner Fähigkeiten und seines
Berufes für die Aufgaben der Gemeinschaft eingesetzt.
Vordergründig geht es um die rein finanzielle Unterstützung des Ordens, und so spenden die Anhänger meist
freiwillig ihre Einkünfte der
Organisation, um so u. a. ihren Beitrag zur
Existenz und Verbreitung des Ordens zu
leisten. Außerdem stellt jedes Mitglied seine
speziellen Fähigkeiten in die Dienste des
Ordens, als Buchhalterin, als Jurist
o.a. Andere bauen Obst und Gemüse an
usw. So blebt für die Mitglieder insgesamt kaum Freizeit.
Das Leben eines jeden
Mitglieds von Anfang an auf Jo Di Mambro
ausgerichtet. Er ist der Meister, der ,Eingeweihte', der über die
Gemeinschaft herrscht und bedingungslosen Gehorsam verlangt. Jedes neue
Mitglied steht in der ersten Zeit unter dem geistigen Schutz zumeist zweier
Paten, die darüber wachen, dass dieses mehr und mehr
vom Geist des Ordens erfüllt und damit zu einem vollgültigen
Mitglied der Gemeinschaft wird, und die jede
"Ungehorsamkeit" oder
Abweichung
"vom rechten Weg" unverzüglich dem Oberhaupt Di Mambro melden. Aber auch nach der ersten Probezeit stehen
die Mitglieder unter ständiger Kontrolle
seitens ihres Meisters, der sie behandelt wie ein Vater seine Kinder. Sein
Wort ist Gesetz.
Außerdem wird jedes Mitglied gezielt der Familie und den
Freunden und Bekannten entfremdet, es sei denn, diese sind ebenfalls
Mitglied des Ordens.
Das Massaker von 1994
Ein wesentlicher
Gedanke in der Lehre ist die
Prophezeiung einer baldigen Apokalypse, die nur die Mitglieder des Sonnentempler-Ordens als privilegierte und für
würdig befundene Menschen überleben würden.
Zu diesem Zweck werden Immobilien gekauft und zu "Überlebenszentren" ausgebaut,
u. a. in Südfrankreich,
in Kanada, Australien
u.a..
Zwischen dem 30. September und 5. Oktober
1994 gab es zunehmend Angriffe auf Di Mambro
von Mitgliedern, diel seine finanziellen Betrügereien u.a.
durchschaut hatten. Deshalb wandten sich etliche Mitglieder vom Orden ab.
Das will Di Mambro verhindern.
Er beordert Anhänger aus der ganzen Welt
ins schweizerische Cheiry (Kanton Fribourg), wo eine zunächst alltäglich
erscheinende Zeremonie im Sanktuarium abgehalten wird. Schon bald wird deutlich, dass
dieser Abend eine andere Bedeutung hat: Jo Di Mambro geht es nicht nur um die Bestrafung der abgefallenen
Mitglieder, sondern um den endgültigen Transit der Mitglieder in die seit
langem angekündigte höhere Welt.
Aber scheinbar waren nicht alle Anwesenden mit diesem Vrhaben Di Mambros, d.h. einem Massenselbstmord,
einverstanden. Deshalb werden Menschen mit Müllsäcken über
dem Kopf erstickt oder mit anderen Mitteln gewaltsam getötet, bevor sie verbrannt
werden. Auch im
schweizerischen Salvan
sowie im kanadischen Morin Heights
werden
Leichen gefunden. Ursprünglich hätten
es 54 Tote sein sollen. Jediglich einer davon
konnte dem Massaker rechtzeitig entkommen: Thierry Huguenin, der seine Erlebnisse und
Erfahrungen für die Nachwelt in einem eindrucksvollen
autobiografischen Bericht festgehalten hat.
Information: Dieter Winkler
![]()