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Ethik
Sekten

Die Mormonen

Die Mormonen wurden 1830 von Joseph Smith in den USA gegründet.
Sie bezeichnen sich als Kirche
Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage.
Ihre Aussage, dass sie die ein
zig wahre christliche Kirche auf Erden sind, leiten sie aus ihrem Glauben ab, der aus der Wiederherstellung des "richtigen" christlichen Glaubens und neuen Offenbarungen besteht. Diese von ihnen genannten Offenbarungen widersprechen jedoch den Bibel-Inhalten. Deshalb wird diese Gruppe nicht als christliche Gemeinschaft anerkannt. Sie ist eine selbständige, neue Religion, in der religiöse Ideen oder Philosophien zu einem neuen Weltbild führen.

Joseph Smith
Joseph Smith wurde 1805 in den USA  geboren. Seine Eltern waren Anhänger der
Presbyterianer.
Von sich selbst sagt er, dass er sich erst mit 15 Jahren einer religiösen Gruppe zugehörig fühlte.  Aber ihn beschäftigte trotzdem die Frage nach der angemessenen Religion.
Da hatte er drei Visionen: 1820, 1823 und 1827.
In der ersten Vision erschien ihm nicht nur Jesus Christus, sondern außerdem  wurde ihm offenbart, dass keine der existierenden Religionen die richtige sei.
In einer zweiten Vision erschien ihm ein Engel Moron, der ihm auf dem nahe gelegenen Hügel Cumorah eine Stelle zeigte, wo ein besonderes Buch vergraben sein sollte.
In der dritten Vision gewährte ihm der Engel Joseph Zugang zu beschrifteten Goldplatten,die er mit Hilfe einer Prophetenbrille übersetzen sollte. Dieser Text findet sich in dem Buch Mormon, er bildet seit 1830 die religiöse Basis für die sich schnell vergrößernde Glaubensgemeinschaft der Mormonen.
1827 heiratete J. Smith Emma Ha
ie, in den darauf folgenden Jahren unterhielt er aber auch zahlreiche Beziehungen zu anderen Frauen (bis 1890 befürworteten die Mormonen die Vielehe), was aber von der Öffentlichkeit und der Presse heftig kritisiert wurde. Da Smith deshelb Räumlichkeiten und Maschinen der Zeitung verwüstete, wurde er verhaftet. Bevor jedoch ein Urteil gesprochen werde konnte, wurde er 1844 von aufgebrachten Mitbürgern erschossen.

Gründung einer neuen Kirche
Die Vorgeschichte der Mormonen geht auf das Jahr 600 v.Chr. zurück, sie bildete später die Legitimierung für die neue Kirche.
Der Ureinwohner Amerikas besaßen bereits eine Heilige Schrift, in ihr kann man von den zwei Stammvätern
Nephi und Laman lesen, die zwei verschiedene Völker anführten: die hellhäutigen, gottesfürchtigen Nephiten und die dunkelhäutigen, ungläubigen Lamaniten. In einer Schlacht auf dem Berg Cumorah/New York um 384 n.Chr. unterlagen die Nephiten. Nur der Prophet Moroni konnte entkommen, er brachte die von seinem Vater Mormon auf goldenen Platten verfasste Geschichte beider Völker auf dem Berg Cumorah in Sicherheit. Erst Joseph Smith wurde sie vom Engel Moronn einer Vision offenbart.
Die eigentliche Gründung der Mormonen geschah aber im 19. Jh. in zwei Schritten: In Anwesenheit Johannes des Täufers, der unter der Leitung von Petrus, Jakobus und Johannes arbeitete, vollzogen Joseph Smith und sein Anhänger Oliver
Cowdery am 15. Mai 1829 die gegenseitige Taufe. Die Bezeugung des Taufakts durch die drei Jünger Jesu ist entscheidend für die Legitimation der beiden Täuflinge als höhere Priester.
Am 6. April 1830 vollzog sich dann in
Fayette/New York die offizielle Gründung der Mormonen als neue Glaubensgemeinschaft: In Anwesenheit von 6 Personen - 4 Familiemitgliedern Smith und zwei Anhängern - wurde die Kirche Jesu Christi gegründet. Die neue Religion gewann schon bald viele Anhänger, zog sich aber durch ihre ungewöhnlichen Lehren und Rituale auch Missbilligung und Kritik zu. Aus diesem Grund wanderte die Gemeinschaft 1831 nach Nauvoo in Illinois aus.
Als nach dem Tod von Joseph Smith 1844
Brigham Young die geistliche Führung der Bewegung übernahm, . gab es durch die Bevölkerung wieder Widerstand gegen die Mormonen. Deshalb brachen die rund 15000 Mitglieder 1846 nach Westen auf. Ein Jahr später erreichten sie das Große Salzseetal in den Rocky Mountains, hier gründeten sie mitten in der Wüste die Stadt Salt Lake City. 6 Jahre später entstand hier mit dem Bau des Tempels auch ein religiöses Zentrum für die Gemeinde. Als 1890 die Polygamie offiziell aufgehoben wurde, konnte das Mormonengebiet 1896 unter dem Namen Utah in den Staatenbund aufgenommen werden.

Lehre und Gottesbegriff
Die Mormonen selbst bestreiten, dass eine Sekte sind, sondern sie sind überzeugt, die einzige wahre christliche Kirche auf Erden zu sein. Grundlage dafür ist ihrer Meinung nach der überlieferte Auftrag Gottes an seinen Propheten J. Smith, den ursprünglichen Zustand der Kirche zu apostolischer Zeit wieder herzustellen. Den zweiten Grund dafür bilden die Neuen Offenbarungen, aus denen sich die Glaubensartikel entwickelten, die grundlegende Unterschiede zur christlichen Lehre aufweisen. Im Zentrum steht dabei der Glaube an einen immer währenden Fortschritt, dem nicht nur alles Irdische, sondern auch Gott unterworfen ist.

Gott war ursprünglich ein einfacher Mensch, der sich durch das Studium der kosmischen Gesetze schließlich zur Gottheit entwickelte. Sein Körper besteht aus Fleisch, Gliedmaßen und Emotionen .
Im Gegensatz zum christlichen Glauben sind hier
Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist drei verschiedene Götter, die niemals gleichzeitig an einem Ort sein können. Die Mormonen glauben an das zweite Kommen Christi, an den Bau eines Neuen Jerusalems auf diesem Land, der USA,] und an die Errichtung eines Tempels in Independence.

Sündenbegriff
Die Mormonen kennen nicht den christlichen Sündenfall. Die Übertretung des göttlichen Gebots und die damit verbundene Vertreibung aus dem Paradies werden nicht als Sünde, sondern als heilsgeschichtliche Tat gedeutet: Adam und Eva verloren dadurch ihre Unsterblichkeit, und konnten erst auf diese Weise ihre Bestimmung als Urahnen aller irdischen Menschen erfüllen.

Plan der Erlösung
Die Mormonen sprechen von zwei Stufen: die Erlösung und die Erhöhung.
Die Erlösung wird allen Menschen zuteil, weil dank dem Sühnopfer Christi alle Menschen errettet werden können, wenn sie die Gesetze und Verordnungen des Evangeliums befolgen. Wichtiger ist jedoch das danach folgende Urteil vor dem Ewigen Gericht, das die Auferstandenen nach ihren irdischen Werken beurteilt. Dementsprechend werden sie in drei Grade der Herrlichkeit eingeteilt: unterirdische, indische und himmlische Herrlichkeit.
Auf der obersten Stufe gilt der Mensch nicht nur als erlöst, sondern als erhöht und damit gottgleich. Diese
Überzeugung drückt sich auch in den Worten "So wie der Mensch heute ist, war Gott einst; so wie Gott heut ist, kann der Mensch einst werden" aus.
Die Einhaltung der   Rituale in den Tempeln der Mormonen spielt eine wesentliche Rolle im Plan der Erlösung
. Auch hier sind christliche Begriffe mit neuen Inhalten gefüllt worden.

Taufe
Die Taufe wird in der Regel mit Vollendung des 8. Lebensjahres vollzogen. Der Täufling wird in einer speziellen Tempelkleidung komplett unter Wasser getaucht. Erst dadurch wird er Mitglied der Kirche und er verpflichtet sich gleichzeitig zur Einhaltung der Gebote.

Taufe für Verstorbe
Diesl schafft die Möglichkeit, verstorbene Nicht-Mormonen im Nachhinein mit Hilfe der stellvertretenden Taufe durch einen Jugendlichen (Mädchen für zu erlösende Frauen, Jungen für zu erlösende Männer) dem Heil zuzuführen. Grunglage dafür ist eine Bibelstelle im l.
Korintherbrief des Paulus.

Ehesiegelungen für Zeit und Ewigkeit
Damit bezeichnen die Mormonen zwei verschiedene Arten der Trauung. Die irdische Ehe wird vor einem Standesbeamten geschlossen und durch den Tod eines Partners aufgelöst. Es gibt jedoch die Möglichkeit, ein Jahr nach dem Tod in einer Tempelzeremonie eine himmlische Ehe zu schließen, dadurch werden die Ehepartner für Zeit und Ewigkeit miteinander verbunden.

Abendmahl
Das Abendmahl wird jeden Sonntag mit Brot und Wasser gefeiert. (Wein ist nicht gestattet)
Im Gegensatz zum Christentum  erlangt der Gläubige beim Abendmah
l durch dieses Sakrament nicht die Vergebung seiner Sünden, sondern feiert die Zeremonie in Erinnerung an den Opfertod Christi. Gleichzeitig soll im Abendmahl der Bund zwischen Gott und dem Menschen erneuert und ein Zustand perfekter Harmonie mit Gott geschaffen werden.

Das Endowment
Diese Zeremonie ist das wichtigste Ritual  der Mormonen und unterliegt strengster Geheimhaltung. Die Wurzeln hierfür liegen im Freimaurertum, das Joseph Smith 1842 als Mitglied der Loge von Nauvoo kennen gelernt hatte. Seither sind die Inhalte der Zeremonie jedoch mehrfach verändert worden. Endowment bedeutet "Ausstattung": Der Gläubige wird mit geheimem Wissen der Kirche sowie mit den vier so genannten 'tokens' ausgestattet. Dabei handelt es sich um symbolische Zeichen freimaurerischen Ursprungs, die als Passwörter und Erkennungszeichen den Gläubigen im Ewigen Gericht als würdig für den Eintritt in die Himmlische Herrlichkeit ausweisen.

Speisevorschriften
Alkohol, Kaffee, Tee und Tabak sind nach dem Wort der Weisheit unerwünschte Genüsse.

Schriften
Wie im Christentum gilt auch bei den Mormonen die Bibel als religiöse Grundlage. Daneben gibt es jedoch verschiedene andere Schriften, in denen u.a. die Neuen Offenbarungen niedergelegt sind: Das Buch
Mormon, Lehre und Bündnisse , Die Köstliche Perle.

Organisation
Die Kirche ist streng hierarchisch gegliedert. An der Spitze steht der Präsident (Prophet, Seher, Offenbarer), der von zwei Ratgebern unterstützt wird. Gemeinsam bilden sie die so genannte Erste Präsidentschaft.
Das nächste Gremium ist der Rat der Zwölf oder auch Apostelkollegium bezeichnet. Außerdem gibt es den für Missionsangelegenheiten zuständigen Rat der Siebziger und die Präsidierende
Bischofschaft. Für die Mormonen genießen die Inhaber dieser Ämter den Status von Generalautoritäten. Sie gehören dem höheren Priestertum an. Diese hierarchische Struktur findet ihre Entsprechung auf allen kirchlichen Ebenen. Neben dem melchisedekischen Priestertum gibt es das niedere, bestehend aus Priestern, Lehrern und Dienern. Da Frauen keinen Priesterstand erlangen können, werden ihnen Tätigkeiten im sozialen Bereich sowie die Verantwortung für Haus und Familie zugewiesen. Geistlichen Beistand für diese Aufgaben finden sie in der Frauenhilfsvereinigung.
DieVerwaltung
der Kirche ist in Bezirke und Gemeinden gegliedert. In eigenen Hochschulen und Universitäten (z.B. in Salt Lake City, Colorado City/Arizona oder Parkville/Missouri) trägt die Kirche Sorge für eine entsprechende Ausbildung der Jugendlichen.

Verbreitung
Seit ihrer Gründung hat diese Kirche durch rege Missionstätigkeit viele neue Mitglieder gewinnen können. Die Legitimation für diese Missionsarbeit finden die Mormonen in ihren Schriften:
1996 wurden weltweit ca. 9,4 Millionen Mitglieder gezählt, die vor allem in den USA lebten. Weitere mormonische Gemeinschaften existieren u.a. in Schweden und Norwegen, in England und Japan sowie in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Hauptsitz der Kirche befindet sich in Salt Lake
City/Utah,USA und für Europa in Frankfurt/ Main.

Die Mormonen in Deutschland
Bereits 1851 fand die erste mormonische Taufe in der Elbe bei Hamburg statt. Ein Jahr später entstand in Hamburg die erste Deutsche Mission. 1852 gründen 12 Anhänger die erste deutsche Gemeinde. Seit diesem Jahr ist eine der Grundschriften, das Buch
Mormon , auch in deutscher Sprache erhältlich. Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Mitglieder auf 1200 angewachsen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Missionsarbeit der Mormonen stark eingeschränkt, aber seit 1945 ist die Zahl der Mitglieder durch rege Mission auf ca. 39000 angewachsen (1996). Die Kirche ist in Deutschland in 12 Pfählen organisiert; Berlin, Dortmund, Düsseldorf, Freiberg, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Leipzig, Mannheim, München, Neumünster und Stuttgart.

Viele von uns Nicht-Mormonen in Deutschland haben Mormonen schon persönlich kennen gelernt: Wenn es Sonnabend Vormittag an der Tür klingelt und es stehen 2 Erwachsene vor der Tür, schwarz/weiß gekleidet, sind es fast immer Mormonen (oder Zeugen Jehovas), die uns von ihrem Glauben überzeugen wollen.

Splittergruppen
Abspaltungen von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage hat es bereits in den ersten Jahrzehnten nach der Entstehung gegeben. Die seither bedeutendste Gruppe bildet die 1852 von Joseph Smiths Sohn gegründete Reorganisierte Kirche Jesu Christ der Heiligen der Letzten Tage mit Sitz in Independence. Weitere Splittergruppen sind The Church of Christ, Temple Lot, Kirche Christi mit der Elias-Botschaft.     
                                                                                                                         Information: Dieter Winkler 

Seite erstellt: 2003
geändert: 22.11.2009

 

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