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Ethik
Sekten und Jugendreligionen

Die Bedeutung und Gefahren von Sekten und Jugendreligionen

Der Begriff "Sekte"

Was bedeutet der Begriff Sekte? Das Wort "Sekte" wird häufig von dem lateinischen Wort "secare", das "trennen" oder "abschneiden" bedeutet, abgeleitet. Damit wird die umgangssprachliche Verwendung des Begriffs "Sekte" für eine anders denkende Minderheit betont, die sich in ihrer Lehre und Praxis von der Religion absondert und somit von der Mehrheit abweicht. So verstanden es auch die Juden, als sie das Christentum anfänglich als Sekte ansahen. Später gingen z.B. aus dem Christentum Sekten hervor. So warnt das Neue Testament vor Irrlehren, Spaltungen und Glaubensabfall.
Der Begriff "Sekte" ist von dem lateinischen Wort "secta" abzuleiten, das als Substantiv für eine bestimmte Schule, Partei oder Lehre steht.
Der Begriff "Sekte" ist häufig mit einem emotionalen, z.T. auch einem negativen Trend behaftet, wofür eine Ursache auch in der Ablehnung der Sekten durch Kirche (auch abhängig von der Konfession), Gesellschaft und Staat zu suchen ist. Deshalb werden nun z.T. sachlichere und weiter gefasste Begriffe wie "religiöse Sondergemeinschaft" oder "neue religiöse Bewegung" vorgeschlagen.
Eine Sekte entsteht also durch die Trennung von einer größeren Religionsgemeinschaft und durch die Definition als eigene Religionsform, womit auch eine klare organisatorische Abgrenzung gemeint ist. Außerdem wird für Sekten als Unterscheidungsmerkmal die religiös motivierte Kultgemeinschaft der Sekten betont sowie die Ablehnung des ökumenischen Dialogs. Besondere Kennzeichen von Sekten sind z.B. die zusätzliche Offenbarung bzw. das eigene verbindliche Schrifttum, der Absolutheitsanspruch, der den Heilswillen Gottes auf die eigene Gemeinschaft beschränkt.
Wichtig ist, dass man erkennt, das z.B. Intoleranz und Fanatismus nicht nur in Sekten auftreten.


Gründe für den Beitritt zu einer Sekte

Die moderne Gesellschaft ist von einer Loslösung aus der traditionellen Bindungen an eine Kirche, die Bildung neuer sozialer Gruppen, von zweckorientiertem Handeln, von großer Leistungssteigerung und Gewinnstreben geprägt. In dem Maße, in dem sich eine Gesellschaft durch eine feste Normensetzung auszeichnet, auch durch eine gewisse Enge und Fanatismus, auch durch Überforderung und soziale Unsicherheit, schließt sie Menschen, die dieser Gesellschaft kritisch gegenüber stehen, als "sektiererisch" aus. So kommt es zu einem Wechselverhältnis von der Ablehnung der Konventionen und der sozialen Isolation von Menschen. Das kann für den einen und anderen ei n Grund sein, einer Sekte beizutreten.

Zu den Ursachen, die den Zulauf von Sekten fördern, gehören u.a.

• Heilsgewissheit als Rettung und als körperliche und seelische Gesundheit

• Sehnsucht nach göttlicher Offenbarung und prophetischer Wahrheit,

• Angebot von spiritueller Erfahrung, Glück und Erleuchtung,

• Beschränkung der Angst vor Prophezeiungen, Aussicht auf Rettung bzw. Erlösung

• Orientierung durch eine verbindliche, in sich schlüssige Lehre und die lebenspraktischen Anleitungen,

• der Glaube an das Auserwähltsein und an die Wertschätzung der eigenen Person durch andere,

• das Gefühl der Geborgenheit, emotionale Bindung durch eine überschaubare Organisationsstruktur,

• die reformierte, urchristliche Religionsgemeinschaft,

Diese Gründe für den Beitritt zu einer Sekte z.B. verstärken sich häufig noch bei Jugendlichen.

Gefahren für Anhänger von Sekten

Die Vereinnahmung in ein normiertes System, das jeden Lebensbereich einbezieht und reglementiert, schränkt individuelle Entwicklungsmöglichkeiten ein. Es bewirkt ein scheinbares Sozialprestige in der Sektengruppe, evtl. sogar einen gefährlichen Persönlichkeitszerfall. Das kann sogar bis zur Abschottung von der Gesellschaft und zur Verkennung der Realität führen.
Die feste Bindung in der Gruppe mindert die sozialen Kontakte nach außen oder ersetzt diese gänzlich. Daraus resultiert die Schwierigkeit, die Sekte zu verlassen, da die ursprünglichen sozialen Kontakte oft nicht mehr besteht und schwer wieder aufzubauen ist. Schließlich ist auch ein Ausschluss aus der Sekte möglich. Staatliche und kirchliche Aufklärungsschriften, Beratungsstellen und Hilfsorganisationen versuchen, den Ausstieg aus der Sekte und den Neuanfang zu begleiten.

Ein abschreckendes Beispiel

Ein besonders schreckliches Beispiel einer gewalttätigen Sekte geschah vor Jahren in Guyana. Nach der Ermordung von einem US-Abgeordneten und vier ihn begleitenden Reportern, die die Lager der protestantischen US-Sekte "Tempel des Volkes" im November 1978 inspiziert hatten, kam es zu einem Massenselbstmord, bei dem sich fast tausend Menschen, darunter fast 200 Kinder, töteten bzw. getötet wurden. Den kollektiven Selbstmord befahl der Sektenführer Jim Jones, der mit einem kleinen Kern von Getreuen die Siedlung Jonestown im Dschungel des lateinamerikanischen Guyana nach anfänglichen landwirtschaftlichen Erfolgen seit 1977 wie ein Gefangenenlager geführt hatte. Die Menschen mussten täglich 12 Stunden arbeiten und an Schulungskursen teilnehmen, in denen politische und religiöse Lehrsätze über den Kommunismus und gegen das so genannte "faschistische Regime der USA" vorgetragen wurden. Gehorsamsverweigerung wurde mit Zwangsarbeit und Prügel bestraft. Bespitzelung und Denunziation sowie die sexuelle Ausbeutung beider Geschlechter bestimmten das Klima in der Siedlung. Außerdem wurden regelmäßig Selbstmord-Übungen "für den Sozialismus" abgehalten.

Allgemeine Ergänzungen

Auch wenn man zz. wenig Sensationelles über Sekten liest oder hört, darf man nicht vergessen, dass man in der Vergangenheit häufig  durch die Medien Derartiges erfuhr, z.B. über Ausschreitungen oder gewalttätige Aktionen von Sekten. Die folgende, meist zeitlich begrenzte Diskussion basiert oftmals auf fehlendem oder unklarem Grundwissen. Häufig werden fälschlich die Begriffe "Sekte", "Jugendreligion", "Orden" oder "Religionsgemeinschaft" gleich bedeutend benutzt. Zur Verdeutlichung werden dann einfach einige Beispiele angeführt. So erregte z.B. der Massenselbstmord des Ordens des Sonnentempels im Oktober 1994 und im Dezember 1995 weltweites Aufsehen.

Ein paar weitere Beispiele:

Aum-Sekte
1995 erfuhren die Menschen von zwei Giftgasanschlägen in Tokio und in Yokohama: in der Tokioter U-Bahn starben dabei zwölf Menschen, über 5500 erkrankten. In Yokohama gab es 24 Verletzte.
Verantwortlich dafür war die Aum-Sekte (auch Aum-Shinri-Kyo), die sich aus dem Schintoismus entwickelte und einen nahe bevorstehenden Weltuntergang vorhersagte. I

FiatLux
Die Sekte Fiat Lux, zu der "Lichtkreis" in Deutschland und in Österreich und der Schweiz 800 Anhänger zählen, bezeichnet sich als "überkonfessioneller Orden". Dieser wurde 1980 durch "Uriella", die "Wunderheilerin" und das "Tieftrance-Medium" Erika Bertschinger gegründet.

Scientology
Scientology bedeutet wörtlich übersetzt die "Lehre vom Wissen". Durch diesen Namen wird den Menschen suggeriert, dass diese Sekte eine neue, endgültige Erklärung aller Gebiete des Lebens anbieten kann. Ihren Absolutheitsanspruch verteidigt Scientology, indem man sich auf die Religionsfreiheit beruft. In Deutschland hat der "Wirtschaftskonzem mit weltanschaulichem Mantel" ca. 30000 Anhänger, weltweit etwa 4 Millionen.

Zeugen Jehovas
Die in den USA gegründeten Zeugen Jehovas hatte ihren Ursprung im Christentum, sie splitterten sich von dieser Religion ab. Ihre Anhänger schätzt man auf 6 Millionen. Allein in Deutschland werden etwa 166000 gezählt. Diese verstehen sich selbst weder als Glaubensgemeinschaft im üblichen Sinn noch als Sekte.

 

Service:

Internetlink(s)

Informationen der Evangelischen Informationsstelle Kirchen - Sekten - Religionen:

http://www.religio.de/dialog/195/195s25.html

Bibliografie

Thierry Huguenin: Der 54., Lübbe Verlag, Bergisch-Gladbach 1995

R. Miller: Höllenfahrt der Sonnentempler. In: Weltwoche 7, 1995

Jean F. Mayer: Der Sonnentempel.Die Tragödie einer Sekte, Paulusverlag, Freiburg, Schweiz1998

Kontakt

APG - Aktion Psychokult-Gefahren e.V.
Ellerstraße 101, 40227 Düsseldorf

AGPF – Aktion für geistige und psychische Freiheit - Arbeitsgemeinschaft der Elteminitiativen e.V.

Graurheindorfer Straße 15, 10629 Berlin

Darüber hinaus sind die Sektenbeauftragten der evangelischen Landeskirchen auch mit Informationsmaterial und Gesprächen behilflich.
 

Seite erstellt: 2004
geändert: 12.11.2009

 

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