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Die Erde und ihre Länder
Europa - Tschechische Republik

Hauptstadt: Prag
 

Tschechien

Der Name Tschechien ist die offizielle kürzere Bezeichnung für Tschechische Republik. Sie ist ein Binnenland.
Im westlichen Teil liegt das von waldreichen Mittelgebirgen gesäumte viereckige Böhmische Becken (
Böhmen), das von der Elbe und Moldau entwässert wird, und dem nördlich die Egersenke und das Saazer Becken vorgelagert sind. Den Gebirgsrahmen bilden im Südwesten der Böhmerwald, im Nordwesten das Erzgebirge, im Nordosten die Sudeten und im Südosten die Böhmisch-Mährische Höhe. An diese schließt sich nach Osten die Mährische Senke (Mähren) an, die im Osten von den Weißen Karpaten begrenzt wird. In den Sudeten liegt mit der 1602 m hohen Schneekoppe im Riesengebirge der höchste Berg des Landes.

Rund ein Drittel der Landesfläche werden von Wäldern eingenommen. Die Gebirgsumrahmung schützt die sommerwarmen, wintermilden Beckenlandschaften vor Kaltlufteinbrüchen. Sie wirkt aber auch als Niederschlagsfänger.
Tschechien liegt im Übergangsbereich zwischen ozeanischem und kontinentalem Klima.

Bevölkerung
Die Tschechen stellen mit einem Anteil von 94% die größte Bevölkerungsgruppe, nur etwa 2% sind Slowaken. Die übrige Bevölkerung setzt sich vor allem aus Polen, Deutschen, Ungarn, Roma und Ukrainern zusammen. Etwa ein Drittel der Bewohner leben in Städten. Die stärksten Bevölkerungskonzentrationen weisen der Großraum Prag und die Industriezonen Nordböhmens und -mährens auf.
Seit 1990 gilt Religionsfreiheit. Größte Religionsgemeinschaft des Landes ist die katholische Kirche, nur wenige Menschen sind Protestanten und Hussiten. Über die Hälfte der Tschechen gehören keiner Religionsgemeinschaft an.

                       Blick auf Prag

Wirtschaft
Tschechien ist ein traditionsreiches Industrieland. Bereits zur Zeit der Habsburger Monarchie waren Böhmen und Mähren wichtige Industrieregionen. Traditionelle Zentren der Schwerindustrie sind Prag,
Brno, Pilsen und Ostrava. Neben der Schwerindustrie und dem Maschinenbau sind die chemische, elektrotechnische, Textil-, Glas-, Nahrungs- und Genussmittelindustrie die wichtigsten Branchen.
Das Land ist aber auch verhältnismäßig reich an Bodenschätzen: Braun- und Steinkohle, Eisen-, Zink-, Blei-, Zinn- und Uranerze sowie etwas Erdöl.
In der Energieerzeugung spielen Kohlekraftwerke die größte Rolle, aber es werden auch Wasserkräfte, besonders die der Moldau, genutzt. Gleichzeitig verfügt das Land über fünf Atomkraftwerke.

Auf den fruchtbaren Ackerflächen in den lößbedeckten Becken, die auch klimatisch begünstigt sind, und in den Flussniederungen werden besonders Kartoffeln, Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Mais, Zuckerrüben, Futterpflanzen, Hopfen, Tabak und Obst angebaut. In der Viehwirtschaft dominiert die Schweinehaltung, aber es gibt auch die Rinderzucht. Darüber hinaus ist Teichwirtschaft mit Karpfenzucht verbreitet.
Der Fremdenverkehr konzentriert sich auf die Hauptstadt sowie die zahlreichen Kurorte im Erzgebirge und in den Sudeten. Den größten Teil der sehr vielen Auslandsgäste im Jahr stellen die Deutschen.


 
Karlovy Vary

Geschichte
Im Kampf gegen Hunnen und Awaren entstand im 7. Jh. im mährischen Raum der Herrschaftsbereich des
Samo. Zwei Jahrhunderte später hatte sich das Großmährische Reich herausgebildet. Die Christianisierung ging zunächst vom Westen aus (wahrscheinlich durch irische Mönche), seit 863 missionierten slawisch sprechende Mönche der Ostkirche (Kyrill und Method).
Das Reich des mährischen Fürsten Swatopluk umfasste im 9.Jh. auch weite Gebiete des heutigen Ungarn, Polen und Schlesien. Nach dem Zerfall des Großmährischen Reichs erfolgte eine neue Staatsbildung durch die böhmischen
Premysliden, die das Land im Lauf des Mittelalters zu wirtschaftlicher Blüte führten. Das Siedlungsgebiet der Slowaken gehörte seit dem 11. Jh. zum Königreich Ungarn. Von Kaiser und Papst wurde den böhmischen Fürsten 1198 die Königswürde verliehen. Die Beziehungen zwischen Böhmen und dem Reich waren vielfältig und fruchtbar.
Seit dem 13. Jh. kam es zu zahlreichen Städtegründungen. Eingewanderte deutsche Kaufleute und Handwerker bildeten vielfach das Patriziat der neuen Städte, damals reichten die Grenzen des böhmischen Reichs bis weit in österreichisches Gebiet hinein (Kärnten, Steiermark, Krain), das aber im Kampf gegen Rudolf von Habsburg im 13.Jh. wieder verloren ging.
Wenzel gewann die polnische Krone und die Anwartschaft auf den ungarischen Thron.
Unter den
Luxemburgern, die nach dem Aussterben der Premysliden das Königreich Böhmen beherrschten, ragte Karl I. heraus. Seine Erfolge, u. a. die Angliederung Schlesiens und der Lausitz, waren begleitet von wirtschaftlichem Wachstum und kultureller Entwicklung, so erfolgte z.B. 1348 die Gründung der Universität in Prag.
Nach der Hinrichtung des Reformators Jan
Hus ging von seinen Anhängern die Hussitenbewegung aus, die sich gegen die kirchliche Hierarchie wie gegen die deutsche Oberschicht richtete (1. Prager Fenstersturz 1419). Die Radikalen unter den Hussiten verlangten eine neue kollektivistische Gesellschaftsordnung; die Forderungen der Gemäßigten zielten vorwiegend in den Bereich der Religionsausübung, dazu gehörten die freie Auslegung der Bibel, Gottesdienste in tschechischer Sprache, Abendmahl. Die Hussitenkriege im 15.Jh. endeten nach entscheidenden Siegen der Reformer über die Heere König Sigismunds mit dem Erfolg der Gemäßigten.
Mit
Ferdinand I. begann die fast 400-jährige Herrschaft der Habsburger in Böhmen. Zusammen mit dem katholischen Hochadel betrieben sie die Gegenreformation. Der Widerstand der protestantischen Bevölkerung in Böhmen führte zum 2. Prager Fenstersturz (1618), der den Dreißigjährigen Krieg auslöste. Die böhmischen Stände wählten den protestantischen Kurfürsten Friedrich von der Pfalz zum böhmischen König, er wurde jedoch in der Schlacht am Weißen Berge bei Prag besiegt. Die Habsburger hatten das Land wieder fest in der Hand.
Unter
Joseph kam es zur Aufhebung der Leibeigenschaft, zu religiöser Toleranz und teilweisem Abbau der privilegierten Stellung des Adels. Doch setzte auch er die Germanisierungspolitik fort. Erst mit beginnender Industrialisierung im 18./19. Jh. bildete sich in den Städten wieder ein tschechisches Bürgertum. Besonders die Sprachforscher und Historiker sorgten für ein neues Nationalbewusstsein der Tschechen. Nach dem Prager Aufstand 1848, der niedergeschlagen wurde, erstickte ein habsburgisches Polizeiregime alle tschechischen Autonomiebestrebungen. Seit 1867 gehörten Böhmen und Mähren nun zum österreichischen Teil der Monarchie. Die zunehmende Zahl der Industriearbeiter ließ die Sozialdemokraten und um die Wende zum 20. Jh. vor allem die radikaleren Nationalen Sozialisten erstarken.
Im 1. Weltkrieg sympathisierten viele Tschechen und Slowaken mit Russland. Bei den Alliierten im Westen bereiteten Masaryk, Beneš und der Slowake Štefánik die Gründung eines Staates vor. Diese Bemühungen führten 1918 zur Entstehung der
Tschechoslowakei.
Nach deren Auflösung 1992 wurde die Tschechische Republik am 01.01.1993 zu einem unabhängigen Staat. Erster Ministerpräsident des neuen Staates wurde V. Klaus an der Spitze einer Drei-Parteien-Koalition. Staatspräsident wurde V.
Havel. Die Regierung konzentrierte sich vor allem auf die Einführung eines marktwirtschaftlichen Systems. Die Koalition unter Führung von Klaus blieb auch nach den Wahlen 1996 im Amt, obwohl sie ihre absolute Mehrheit verloren hatte. Nach vorgezogenen Parlamentswahlen 1998, bei denen die Tschechische Sozialdemokratische Partei die meisten Stimmen gewann, bildete deren Führer M. Zeman eine Minderheitsregierung. 1999 trat die Tschechische Republik der Nato bei. Bei den Parlamentswahlen 2002 bestätigten die Sozialdemokraten ihren Rang als stärkste Partei. Während die bürgerlichen Parteien Stimmeinbußen hinnehmen mussten, konnten die Kommunisten starke Gewinne verbuchen. 2003 endete die Amtszeit von Staatspräsident Havel. Zu seinem Nachfolger wurde V. Klaus gewählt.
Am 1. Mai 2004 trat das Land der EU bei.

 

Liberec

Politik und Verfassung
Nach der Verfassung von 1993 ist das Land eine parlamentarische Republik.
Staatsoberhaupt ist der von beiden Kammern des Parlaments gewählte Präsident. Er wird für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Eine einmalige unmittelbare Wiederwahl ist zulässig. Das Zweikammerparlament besteht aus Abgeordnetenhaus mit 200 für 4 Jahre gewählten Mitgliedern und Senat (81 für 6 Jahre gewählte Mitglieder; alle 2 Jahre Neuwahl von einem Drittel der Senatoren). Die vom Präsidenten ernannte Regierung unter Führung des Ministerpräsidenten ist als Exekutive dem Abgeordnetenhaus gegenüber verantwortlich.
Wichtigste Parteien sind die Tschechische Sozialdemokratische Partei, die Demokratische Bürgerpartei, die Christliche und Demokratische Union -Tschechische Volkspartei, die Freiheitsunion und die Kommunistische Partei Böhmens und Mährens.

                                                                                                                    
Bilder: © Michael u. Monika Frunzke   

Seite erstellt: 2004
Seite geändert: 16.03.2010

 

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