

Die Erde und ihre Länder
Europa - Schweiz
Sitz
der Regierung: Bern
Die Schweiz hat verfassungsmäßig keine
Hauptstadt.
Die
Schweiz grenzt an Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Italien und Frankreich.
Geographisch und geomorphologisch besteht die Schweiz aus den
drei Landschaftseinheiten Alpen (60% der Fläche), Mittelland (30%) und Jura
(10%). Die Alpen haben eine Durchschnittshöhe von 1800-2500 m. Östlich des
Hinter- und Alpenrhein geht das Land in die Ostalpen mit Rätikon, Silvretta,
Albula und Bernina über. Der Anteil an den Falten- und Deckfaltengebirgen der
Westalpen wird durch die Rhein-Rhône-Längstalzone in zwei Teile gegliedert: der
nördliche Teil (Finsteraarhorn 4274 m) umfasst Glarner, Urner, Vierwaldstätter,
Berner und Freiburger Alpen, der südliche Teil (Monte Rosa 4634 m) Albula-, Adula-, Tessiner und Walliser Alpen.
Tiefe, oft sehr steilwandige Täler, hoch ragende Gipfelfluren, Gletscher (der
Aletschgletscher ist z. B. 24 km lang), Wildbäche und Seen prägen die
Vielfalt der
Alpen. Nach Nordwesten schließen sich die Kalksteinketten und Kalkstöcke der
Voralpen an, sie gehen in das tiefer gelegene, flach zertalte, hügelige Mittelland
über. Dieser 40-60 km breite Landstrich zwischen Genfer See und Bodensee
ist der fruchtbarste Landesteil. Aufgrund des gut ausgebauten
Verkehrsnetzes ist dieser Teil das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Der bis 1679 m hohe
Schweizer Jura ist ein größtenteils gefaltetes Mittelgebirge, das nach
Nordwesten in den Französischen Jura übergeht.
Die Schweiz
ist das Zentrum des europäischen Flussnetzes: Sie wird durch
den Rhein zur Nordsee, durch die Rhône zum westlichen Mittelmeer, durch Po und
Etsch zur Adria und durch den Inn über die Donau zum Schwarzen Meer entwässert.
In den Becken eiszeitlicher Gletscher an beiden Alpenrändern liegen große
Seen: Lago Maggiore und Luganer See im Süden, Genfer, Thuner, Brienzer,
Vierwaldstätter, Zuger, Zürich- und Bodensee im Norden.
Rheinfall
bei Schaffhausen
Bilder: © Monika
Frunzke
Klima und Vegetation
Das mitteleuropäische Klima und die Pflanzenwelt sind in den
drei großen Landschaftsteilen, auch bedingt durch die Höhenlage, sehr unterschiedlich.
Hochgebirgswüsten in den Alpen, feuchtgemäßigte Wälder und Fluren im Norden,
mittelmeerische Gestade an den südlichen Alpenseen kennzeichnen die Vegetation.
Das Klima ist auf den Jurahöhen rauher als im Mittelland, während es am Genfer
See und im Tessin bereits mediterranen Charakter hat.
Bern,
Sitz der Regierung
Bern
ist seit 1848 Bundeshauptstadt der Schweiz und Hauptstadt des
Kantons Bern. Die viertgrößte Stadt der Schweiz Stadt liegt inmitten des Schweizer Mittellandes, 540 m ü. M.
Bern hat etwa 130 000 Einwohner, als
Agglomeration (Kernstadt mit direkt angrenzenden Orten) etwa 350 000 Einwohner.
Man findet hier eine malerische mittelalterliche Altstadt
(Weltkulturerbe seit 1983) mit Resten der Stadtbefestigung (Zeitglockenturm von
1191), auf dem felsigen Sporn im Innern einer Aareschleife, 40 m über dem Fluss
angelegt, mit den neueren Stadtteilen besonders auf die Plateaufläche im Westen
ausgreifend. Ansehenswert sind auch die charakteristische Laubengassen, das
spätgotisches Münster (15./16.
Jh.) Turm 1893 vollendet), Rathaus (15. Jh.), altes und neues
Bundeshaus, Parlamentsgebäude, Universität (19.Jh.), mehrere Museen, u. a.
Kunstmuseum (Paul-Klee-Stiftung), Kunsthalle und Schweizerisches
Gutenbergmuseum, zahlreiche historische Brunnen und Bürgerhäuser des 16.-18.
Jh. Bern ist ein wichtiger Eisenbahn- und Straßenknotenpunkt; man findet hier
Maschinen- und
Apparatebau, grafische und Nahrungsmittelindustrie u. a. Bern ist Sitz der
eidgenössischen Bundesbehörden und -verwaltungen sowie des Weltpostvereins.
Bevölkerung
Die
Schweiz ist nur wenig kleiner als die Niederlande, mit 7,7 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von 41285
qkm gehört sie zu den am dichtest
besiedelten Ländern Europas,
die stärkste
Konzentration ist im Raum Zürich.
Etwa
80% der Bevölkerung sind Schweizer Bürger und rund
20% Ausländer,
davon kommen allein über 20% aus Italien.
Ein typisches Merkmal der Schweiz ist die sprachliche Vielfalt.
Der deutsche Sprachraum umfasst die Zentralschweiz, das östliche und zentrale
Mittelland und den Nordosten des Schweizer Jura. Französisch ist im übrigen
Schweizer Jura, im westlichen Mittelland, im Waadt (Vaud), am Genfer See sowie
im Mittel- und Unterwallis verbreitet. Italienisch wird im Tessin und in den
südlichen Bündner Tälern gesprochen. Das Rätoromanische ist auf den Kanton
Graubünden beschränkt.
Die vier offiziellen Amtssprachen sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.
Von
der Bevölkerung sind
ca. 80% Christen (zu etwa
gleichen Teilen protestantisch und römisch-katholisch).
Der Anteil der Muslime liegt bei etwa 5%, ca.2% sind Orthodoxe.
Verkehr
Der sehr gute Zustand des dichten Straßennetzes (71100 km,
davon 1638 km Autobahnen) und des voll elektrifizierten Eisenbahnnetzes
ist zum großen Teil dem Fremdenverkehr zu verdanken. Die Alpen werden
von zahlreichen Passstraßen überquert. Über einige von diesen sind auch Bahnen
geführt worden, andere werden von Eisenbahntunneln
(Simplon, Sankt Gotthard, Lötschberg, Albula) oder Straßentunneln (Gotthard,
Großer Sankt Bernhard, San Bernardino) unterquert. Aus Gründen des
Umweltschutzes wird eine Beschränkung des Lastkraftwagenverkehrs zu Gunsten der
Eisenbahn angestrebt. Der Flughafen Zürich-Kloten hat internationalen Rang,
weitere Flughäfen gibt es in Basel, Lugano, Bern und Genf. Der Rhein hat als
Binnenschifffahrtsweg erhebliche Bedeutung.
Wirtschaft
Die Schweiz ist eines der am stärksten industrialisierten
Länder der Erde. Im Jahr 2000 arbeiteten etwa 70% in Dienstleistungsberufen, 25% in
der Industrie und 5% in Land- und Forstwirtschaft.
In der Schweiz sind - jahreszeitlich schwankend - rund 1
Mio. ausländische Arbeitskräfte tätig. Das sind etwa ein Viertel aller
Beschäftigten, rund 26% Italiener, 16% stammen aus dem ehemaligen
Jugoslawien, 12% sind Franzosen, 11% Portugiesen, 10% Deutsche, dazu Spanier, Türken, Österreicher.
Die Landwirtschaft nutzt 24% der Fläche als Acker-,
Wiesen- und Rebland und 13% als Alpweiden. 87% des Produktionswerts der
Landwirtschaft entfallen auf die Viehzucht, davon allein 37% auf die
Milchproduktion. Die Landwirtschaft kann über 60% des Nahrungsmittelbedarfs
decken. Bei Getreide, Zucker und Fetten ist das Land etwa zur Hälfte auf
Importe angewiesen, während sie sich bei Fleisch, Milch, Käse, Butter und
Kartoffeln fast völlig, bei Gemüse, Obst und Eiern weitgehend selbst versorgt
und teilweise Exportüberschüsse erzielt. Der Getreideanbau, vor allem Winterweizen, beschränkt sich auf
das Mittelland und wenige Täler. Obst, Gemüse und Wein beherrschen die
günstigsten Hang- bzw. Tallagen. Auf den Gebirgsalmen und in den Hochtälern
dominieren Viehzucht und Milchwirtschaft.
Das Holzaufkommen der Wälder (1/3
der Fläche) reicht für den Eigenbedarf nicht aus. Massentourismus und der stark
angestiegene Alpentransitverkehr gefährden durch ihren hohen Abgasausstoß die
Schutzfunktion der Wälder.
Die Bodenschätze sind mit Ausnahme von Salz und Kalk
nicht abbauwürdig. Gute Bausteine, Granit, Gneis, Sandstein, Schiefer und Ton,
sind dagegen reichlich vorhanden. Die Energieversorgung beruht auf importierten
Brennstoffen sowie bei der Elektrizitätserzeugung vorwiegend auf der
Wasserkraft (56%). Neben den
Wasserkraftwerken sind die Kernkraftwerke in Beznau, Leibstadt, Mühleberg und
Gösgen von Bedeutung, die rund 40% der elektrischen Energie liefern.
Die Industrie, vor allem in der Uhren-, Schmuck- und
Textilbranche, hat sehr alte Traditionen. Der größte Teil der Produktion erfolgt in
Mittel- und Kleinbetrieben. Nach der Zahl der Beschäftigten sind die wichtigsten
Industriezweige die Elektro- und feinmechanische Industrie, Maschinen- und
Fahrzeugbau, Metallerzeugung und -verarbeitung, chemische
Industrie, Holzverarbeitung, Druck- und Papierindustrie sowie die Nahrungs- und
Genussmittelindustrie, Textil-, Bekleidungs- und
Schuhindustrie.
Der Dienstleistungssektor beschäftigt etwa
70% der
Erwerbstätigen, er erwirtschaftet auch über 62% des Bruttosozialprodukts. Die
Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges, der Handel, Banken, Versicherungen,
Verkehr, Gastgewerbe, öffentliche und private Dienste umfasst, nimmt weiter zu. In der Schweiz basiert
seine hohe Bedeutung vor allem auf der Kapitalwirtschaft; Zürich, Basel und Genf
gehören zu den größten Bankenzentren Europas. Auch der gut entwickelte
Fremdenverkehr trägt zu den hohen Umsatz- und Beschäftigtenzahlen im
Dienstleistungssektor bei.
Für die Schweiz ist der
Außenhandel lebenswichtig. Der wichtigste Handelspartner ist Deutschland
vor Frankreich, Italien, den USA, Großbritannien, Japan und den Niederlanden. Exportiert
werden vor allem Maschinen und elektrotechnische
Erzeugnisse, Chemikalien, Kunststoffe und Pharmazeutika, Uhren und Schmuck, Nahrungs- und Genussmittel.
Der Fremdenverkehr bildet die Grundlage für einen
bedeutenden Teil des Volkseinkommens. Unter den ausländischen Gästen stehen die
Deutschen vor den Niederländern, US-Amerikanern, Briten, Franzosen, Japanern,
Belgiern und Italienern an erster Stelle. Die wichtigsten Zentren des
Fremdenverkehrs sind neben Zürich, Genf, Lausanne, Basel und
Bern auch Davos, Sankt Moritz, Arosa, Klosters,
Lugano, Locarno, Ascona, Zermatt, Montana-Vermala, Montreux , Interlaken,
Grindelwald, Luzern, Einsiedeln u.a.
Politik und Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Nach der Verfassung von
1999 ist die Schweiz ein demokratischer Bundesstaat. Die Gesetzgebung liegt bei
der Bundesversammlung, die sich aus dem Nationalrat
(unitarisches Organ) und dem Ständerat (föderatives Organ) zusammensetzt. Der Nationalrat wird
aus 200 Abgeordneten des schweizerischen Volkes gebildet. Wahlberechtigt und
wählbar ist jeder, der das 18. Lebensjahr vollendet hat. Die Nationalratswahlen
werden nach den Grundsätzen des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten
Wahlrechts abgehalten. Wahlsystem ist das Verhältniswahlrecht. Der Ständerat besteht aus 46 Mitgliedern (2 für jeden Kanton, 1 für
jeden Halbkanton).
Die schweizerische Regierung, der Bundesrat, besteht aus 7 Mitgliedern. Nach jeder Erneuerung des Nationalrats
wählt die Vereinigte
Bundesversammlung die
Regierungsmitglieder auf 4 Jahre. Der aus ihrer Mitte jährlich im Dezember
gewählte Bundespräsident vertritt die Eidgenossenschaft nach außen; er ist nicht
"Staatsoberhaupt", sondern als "primus inter pares" ("Erster unter Gleichen")
lediglich Vorsitzender des Bundesrats.
Der Bundesrat ist nicht
vom Vertrauen der Bundesversammlung
abhängig. Er ist eine Art gemeinsam regierender Ausschuss, der von den vier
größten Fraktionen der Bundesversammlung bestellt wird (Freisinnig-Demokratische
Partei, Sozialdemokratische Partei, Christlichdemokratische Volkspartei,
Schweizerische Volkspartei).
Die Gesetzgebungszuständigkeit ist zwischen Bund und Kantonen
aufgeteilt, wobei auswärtige Angelegenheiten, Verkehr, Zoll, Alkohol, Erlass der
Zivil- und Strafrechtsgesetze, Finanzen u. a. in die Zuständigkeit des Bundes
fallen.
Die Gesetzgebung wird vom Volk durch die Einrichtung des
Referendums kontrolliert. Bei jedem gesetzgeberischen Beschluss des Parlaments -
ausgenommen der Bundeshaushalt - kann die Abhaltung eines Referendums
(Volksabstimmung) verlangt werden (binnen 30 Tagen nach Erlass, unterstützt
durch
50000 Bürger oder acht Kantone, ein häufig angewandtes Mittel; eine
Volksinitiative zur Verfassungsänderung benötigt 100 000 Unterschriften). Für
die Annahme einer Verfassungsänderung ist ein Referendum obligatorisch.
Die Kantone haben je eine eigene Verfassung, gesetzgebende Versammlung
(meist: Großer Rat) und Selbstverwaltung (Regierungsrat); in
einigen Kantonen bedürfen alle Gesetze der plebiszitären (Volk trifft unmittelbar Entscheidungen)
Zustimmung.
Geschichte
Die im Mittelland sesshaften keltischen Helvetier, von denen die Schweiz ihre lateinische Namensform
herleitet, wanderten um 100 v. Chr. zwischen Jura und Alpen ein; sie wurden 58
v. Chr. von Cäsar unterworfen und dem Römischen Reich eingegliedert. 15 v. Chr.
wurden auch die in den Ostalpen lebenden Rätier unterworfen. Das Gebiet
der heutigen Schweiz gehörte mehreren römischen Provinzen an. Um 445 eroberten
die Burgunder von Südwesten her das Wallis und das Gebiet bis zur Aare, wurden
aber von der einheimischen Bevölkerung assimiliert; auch im Tessin und in
Graubünden konnte sich die bisherige Bevölkerung halten, während das übrige Land
von den Alemannen besiedelt und germanisiert wurde; aus dieser Zeit
stammen die späteren Sprachgrenzen. Im 8. Jh. wurde das heutige
Staatsgebiet dem Fränkischen Reich eingegliedert; bei der Reichsteilung von 843
kam die Ostschweiz an das Ost-Reich Ludwig des Deutschen, im 11. Jh. auch
die Westschweiz. Auf dem Gebiet der späteren Eidgenossenschaft bildeten sich die
Klöster St. Gallen, Einsiedeln, Allerheiligen in Schaffhausen, die Bistümer
Genf, Lausanne, Sitten, Basel, Chur und Konstanz. Im 13./14. Jh.
erhielten die Länder Uri, Schwyz und Unterwalden, weitere Landschaften sowie
einzelne Städte die Reichsfreiheit. Daneben entfalteten sich mehrere
Territorialherrschaften, zunächst die der Zähringer, Lenzburger und Kyburger,
später die der Savoyer und Habsburger. Im 14./15. Jh. folgte ein Abbau
dieser Landesherrschaften, der in erster Linie auf die Initiative der Städte
Bern, Zürich und Luzern zurückzuführen war. Dabei spielte die Urschweiz nicht
jene zentrale Rolle, obwohl sich die drei Urkantone Uri, Schwyz und Nidwalden
1291 (Ewiger Bund) zu einer Eidgenossenschaft zusammengeschlossen hatten. Nach dem Sieg über Herzog
Leopold I. von Österreich (1315) wurde der
Ewige Bund erneuert und um Luzern, Zürich, Glarus und Zug
und Bern zur sog. achtörtigen Eidgenossenschaft vergrößert. 1389 mussten
die Habsburger nach den Niederlagen bei Sempach und Näfels die
Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft anerkennen. 1415 wurde der Aargau, 1460 der
Thurgau erobert. In mehreren Schlachten wurde 1474-1477
Karl der Kühne von Burgund besiegt. 1481 wurden innere Konflikte zwischen
den eidgenössischen Ländern und Städteorten
beigelegt und die Städteorte Freiburg und Solothurn in die Eidgenossenschaft
aufgenommen. Durch den Sieg der Eidgenossen im Schwabenkrieg gegen Kaiser
Maximilian I. kam es zur endgültigen Loslösung vom Deutschen Reich, die
aber erst im Westfälischen Frieden 1648 bestätigt wurde. Mit dem Beitritt
von Basel und Schaffhausen 1501 und Appenzell 1513 wurde der Bund zur
Eidgenossenschaft der Dreizehn Orte, so blieb es bis 1798.
Die Reformation wurde in der deutschen Schweiz
durch H. Zwingli, in der welschen Schweiz durch J. Calvin eingeführt; die drei Waldstätte, Luzern, Zug, Freiburg und Solothurn blieben
katholisch, Appenzell, Glarus, St. Gallen und Graubünden waren konfessionell
gespalten.
Die sog. Alte Eidgenossenschaft war ein Staatenbund,
bestehend aus den 13 vollberechtigten Orten, mehreren Zugewandten Orten,
Schirmorten und gemeinsamen Untertanengebieten. Die Konferenz, auf
der gemeinsame Probleme besprochen und Beschlüsse gefasst wurden, hieß Tagsatzung. Die Dreizehn Orte hatten zwar demokratische
Verfassungen, entwickelten sich aber im 16. und 17. Jh. in Zürich, Basel
und Schaffhausen zu Zunftaristokratien, in Bern, Freiburg, Solothurn und Luzern
zu Herrschaften von Patriziaten. Es kam zu mehreren Aufständen von Bauern und
Untertanen, in einigen Gebieten auch zu Familienkämpfen um die Macht.
Nach Ausbruch der Französischen Revolution tauchten Reformpläne
auf, die aber durch den Einmarsch der Franzosen vereitelt wurden. Die Alte
Eidgenossenschaft brach zusammen, nur Bern und die Innerschweiz leisteten -
erfolglos - bewaffneten Widerstand. Der neu entstandenen Helvetischen
Republik wurde eine Verfassung aufgezwungen. Die Schweiz wurde zunächst
Einheitsstaat, die einzelnen Kantone wurden Verwaltungsbezirke; Standesrechte
und Untertanenverhältnisse wurden abgeschafft, Religions-, Presse-, Gewerbe- und
Handelsfreiheit zugesichert, die westlichen Randgebiete - Genf, Berner Jura,
Wallis - von Frankreich annektiert. Durch die Mediationsakte
vom 1803 wurde die Schweiz wieder ein Staatenbund von 19 souveränen
Kantonen. Zu den 13 alten Orten (jetzt Kantone genannt) waren 6 ehemalige
Zugewandte oder Untertanen hinzugekommen: St. Gallen, Graubünden, Aargau,
Thurgau, Waadt und Tessin.
Auf dem Wiener Kongress von 1814/15 erlangte die Schweiz die Anerkennung
dauernder Neutralität; mit dem Beitritt der 3 letzten Kantone Wallis, Neuenburg
und Genf und der Übernahme des ehemaligen Bistums Basel durch Bern
erreichte das schweizerische Territorium seinen heutigen Bestand.
Innenpolitisch
wurde die Schweiz wieder zum Staatenbund mit weit
gehender Souveränität der 22 Kantone; in den alten Orten übernahmen Zünfte und
bevorrechtigte Geschlechter wieder die Herrschaft, in den Städtekantonen war die
Landschaft gegenüber der regierenden Hauptstadt politisch weit gehend rechtlos.
Der erzwungene Beitritt zur Hl. Allianz brachte Einschränkungen der
Pressefreiheit und des Asylrechts.
Verfassungskämpfe führten 1830/31 in 10 Kantonen zu
demokratischen Verfassungen mit Volkssouveränität, Rechtsgleichheit und Trennung
der Gewalten. Als auf eidgenössischer Ebene eine radikale Bewegung mit Gewalt
die Umwandlung des Staatenbunds in einen Einheitsstaat plante, schlossen sich
1845 die konservativen Gegner zu einem "Sonderbund"
zusammen. Der Sieg der eidgenössischen Truppen im Sonderbundskrieg (1847)
stellte die Einheit des Landes wieder her. Nun wurde der Staatenbund in einen
Bundesstaat verwandelt mit einer zentralen Regierung, aber noch weit gehenden
Rechten der einzelnen Kantone. Zentralisiert wurden Post, Münze, Maße, Gewicht,
Zölle und die Außenpolitik. Eine liberale Verfassung sanktionierte den neuen
Zustand (1848); ihr Kern blieb auch nach der durchgreifenden Revision von 1874
erhalten.
Die Bedeutung der Schweiz wuchs durch internationale
Einrichtungen, z.B. Abschluss der Genfer Konvention 1864 und des Internationalen
Postvertrags 1874, aus denen das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und der
Weltpostverein in Genf hervorgingen.
Im 1. Weltkrieg bewahrte die Schweiz strenge Neutralität,
übernahm aber in großem Umfang die Aufgaben zur Ermittlung von Vermissten und
Kriegsgefangenen, Austausch von Schwerverwundeten, Beförderung der
Gefangenenpost. Nach dem Krieg wurde sie unter Wahrung ihrer militärischen
Neutralität Mitglied des Völkerbunds, der seinen Sitz in Genf nahm.
Auch im 2. Weltkrieg behielt die Schweiz ihre strenge
Neutralität bei und wirkte danach an den internationalen Hilfswerken mit. Sie
beteiligte sich in hohem Maße an internationalen kulturellen und
wirtschaftlichen Einrichtungen wie UNESCO, IRO, OEEC bzw. OECD, EFTA, WTO und
OSZE. Die UN unterhalten in Genf die ILO, WMO, WHO u. a.; die
Abrüstungskonferenzen der UN finden ebenfalls in Genf statt, das auch Sitz der
WTO ist. Ebenso fanden bzw. finden wichtige internationale Konferenzen auf
Schweizer Boden statt (u. a. die Genfer Indochinakonferenz von 1954 und die
Genfer Laos-Konferenz von 1961/62; 1973-1975 die Europäische
Sicherheitskonferenz [KSZE]).
1972 unterzeichnete die Schweiz ein Freihandelsabkommen mit der
EG. 1978 wurde durch Volksabstimmung aus französischsprachigen Teilen des
Kantons Bern der Kanton Jura geschaffen. Der Beitritt zu den UN wurde 1986 in
einer Volksabstimmung abgelehnt. Auch den Beitritt zum Europäischen
Wirtschaftsraum (EWR) lehnte die Bevölkerung 1992 in einem Referendum ab.
Durch die seit Mitte der 1990er Jahre geführten Debatten über "nachrichtenlose
Vermögen" und "Raubgold" (aus dem Besitz deutscher Juden, von den
Nationalsozialisten in die Schweiz transferiert) geriet das Verhalten der
Schweiz während des 2. Weltkriegs in die internationale Diskussion. Ende 1998
schlossen die Schweiz und die EU ein bilaterales Abkommen in sieben Sektoren
(u. a. Verkehr, Landwirtschaft, Forschung). In einem
Referendum im März 2002 sprach sich eine Mehrheit der Stimmbürger und Kantone
des Landes für einen Beitritt zu den Vereinten Nationen aus, der im September
2002 vollzogen wurde. Bei den Nationalratswahlen 2003 gewann die
nationalkonservative Schweizerische Volkspartei die meisten Mandate.
Daraufhin wurde die parteipolitische Zusammensetzung der Regierung nach 44
Jahren den neuen parlamentarischen Kräfteverhältnissen angeglichen. Die SVP
erhielt zu Lasten der Christlichdemokratischen Volkspartei einen weiteren
Kabinettsposten.
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