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Die Erde und ihre Länder
Europa / Asien - Russland

Hauptstadt: Moskau
 

Lage                  Osteuropa und Nordasien
Grenzen             im Norden  Norwegen, Finnland, Nordpolarmeer, Ostsee
                           im Osten   China, Mongolei, Japanisches Meer, Pazifischer Ozean, Ochotskisches Meer,                                               Pazifischer Ozean, Beringsee
                           im Süden   Nordkorea, China, Mongolei, Kasachstan, Aserbaidschan,Georgien,                                                 Kaspisches Meer
                           im Westen Ukraine, Weißrussland, Lettland, Estland, Finnland, Norwegen,
                                              Ostsee, Schwarzes Meer
Zeitzone             MEZ + 2 bis + 12 Stunden
Fläche                17 075 400 qkm
Höchster Punkt   Elbrus 5642 m
Gewässer           Ob, Lena, Irtysch, Jenissej, Wolga, Don, Ural, Angara, Amur; Moskwa, Schwarzes Meer,
                           Kaspisches Meer, Baikalsee, Ladogasee, Onegasee
Sehenswürdigk. Moskau    (Roter Platz mit Kreml, Basilius-Kathedrale und Warenhaus GUM, Metro,
                 Bolschoj-Theater, Puschkin-Museum, Tretjakow-Galerie, Gorkij Park,
St. Petersburg (Peter-und-Pauls-Kathedrale, Isaaks-Kathedrale, Eremitage,                  Newski-Prospekt, Staatsbibliothek, Schloss Peterhof);
Sagorsk    (St.-Sergius-Dreifaltigkeitskloster) ;
Susdal      (Kirchen und Klöster)
Wladimir   (Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale)
Kaliningrad (Königsberg);
Wolga; Baikalsee; Kishi-Insel im Onega-See, Kaukasus usw., usw.

Neben den Metropolen Moskau und Sankt Petersburg gibt es weitere Millionenstädte:
Nowosibirsk, Jekaterinburg (Swerdlowsk), Nischni Nowgorod (Gorki), Samara (Kujbyschew), Omsk, Kasan, Rostow am Don, Tscheljabinsk, Ufa, Wolgograd (Stalingrad), Saratov, Perm, Krasnojarsk.

                         
                        Moskau

Russland erstreckt sich von Norden nach Süden über etwa 40 Breitengrade, von Westen nach Osten über rund 170 Längengrade. Ein Raum von diesem Ausmaß kann in seinen natürlichen Gegebenheiten nicht einheitlich sein, auch nicht annähernd.
Die Oberfläche des Gebietes ähnelt einer riesigen Tafel, das im Süden und Osten gehoben ist und nach Norden und Westen abfällt. Die ausgedehnten Flachländer - das Osteuropäische und Westsibirische Tiefland wie auch das Mittelsibirische Bergland - werden im Süden und Osten von den Gebirgen des Kaukasus, Altai und der Sajanen sowie den Gebirgen Ostsibiriens begrenzt.
Die osteuropäische Tiefebene ist das Kernland Russlands. Es ragt nur in den flachwelligen Höhenrücken über die 200-Meter-Höhenlinie hinaus. Nach Osten wird es vom 2000 km langen Uralgebirge begrenzt, das mit seinem steilen und unvermittelten Ostabfall die Grenze zwischen Europa und Asien bildet. Östlich des Ural folgen das Westsibirische Tiefland, eines der größten Tiefländer der Erde, das Mittelsibirische Bergland und das Ostsibirische Gebirgsland. Im Süden erstreckt sich ein breiter ebener Steppengürtel, der von mächtigen Lößdecken überzogen ist. Im Süden wird dieser von einem z.T. stark vergletscherten Hochgebirgsgürtel abgeschlossen.

Das Tafelland wird von der Wolga, dem längsten und wasserreichsten Fluss Europas, durchflossen. Östlich des Ural folgen das Westsibirische Tiefland bis zum Jenissej und weiter bis zur Lena das Mittelsibirische Bergland, ein durch viele Flüsse zertaltes Hochland, das im Süden vom Sajan und Baikalgebirge begrenzt wird. Zwischen dem Baikalgebirge und den Gebirgsländern Transbaikaliens ist der lang gestreckte Baikalsee eingebettet, der mit 1637 m tiefste See der Erde. Östlich der Lena erstreckt sich das Ostsibirische Gebirgsland. Die vulkanreiche Halbinsel Kamtschatka, die Inselkette der Kurilen und Sachalin, die größte Insel Russlands, markieren die Ostgrenze des Landes. Auch der nordsibirischen Küste sind zahlreiche größere Inseln und Archipele (Nowaja Semlja, Sewernaja Semlja, Neusibirische Inseln) vorgelagert. Der Süden Russlands wird von zum Teil stark vergletscherten Hochgebirgen eingenommen (Kaukasus, Altai, Sajan). Höchste Erhebung des Landes ist der 5642 m hohe Elbrus im Kaukasus.            

Auffallend ist die unterschiedliche regionale Ausprägung des Klimas. Es überlagern sich zwei Tendenzen: zunehmende Sonneneinstrahlung und damit Wärme von Nord nach Süd, zunehmende winterliche Kälte und Trockenheit von West nach Ost.

Tundra und Taiga
Südlich der Eismeerküste erstreckt sich die Tundrazone, ein Streifen, der wegen der zunehmenden Kontinentalklimas nach Osten hin breiter wird. Selbst am Südrand dieser Tundrazone übersteigen die Temperaturen selbst im Julimittel nicht 10°C. Die Durchschnittstemperatur im Januar liegt im europäischen Landesteil bei -8°C bis -20°C, in Sibirien bei -20°C bis -34°C. Trotz geringer Niederschläge ist die Luftfeuchtigkeit (Nebel, starke Bewölkung) hoch. Bäume gibt es hier nicht, die Strauchvegetation erreicht in windgeschützten Niederungen Hüfthöhe. Ansonsten dominieren Flechten und Moose. Menschen können hier nur stellenweise leben, z.B. in Bergbausiedlungen wie Workuta und Norilsk oder Verkehrssiedlungen wie Murmansk.
Nach Süden folgt die Taiga, ein ausgedehnter Waldgürtel im gemäßigten Klimabereich. Die Temperaturen des wärmsten Monats liegen im Durchschnitt zwischen 10°C im Norden und 20°C im Süden. Die Winter sind kälter als in der Tundra, im Westen ein Januarmittel von -10°C, im Osten bis -45°C. In der Regel fallen mehr Niederschläge als an Feuchtigkeit verdunstet - außer in den innersten und damit auch wintertrockensten Teilen Sibiriens. Die Böden sind meist mineral- und humusarm und bieten für eine ackerbauliche Nutzung nur wenig Möglichkeiten. Dies ändert sich zum Südrand der Taiga. Dort werden die Böden humusreicher, die Temperaturen wärmer und die Vegetationszeiten länger.

Wald- und Steppenland
Im europäischen Landesteil und im Fernen Osten folgen auf die Taiga die Misch- und Laubwaldgebiete. In Sibirien sind sie wegen der großen Winterkälte unterbrochen. Der osteuropäische Mischwald ist ein Ergebnis relativ feuchter atlantischer Luftmassen. Die Wintertemperaturen liegen im Westen um -3°C, im Osten, etwa an der mittleren Wolga, bei -12°C.
Obwohl dieses Gebiet weder besonders fruchtbar ist, es auch kaum Rohstoffvorkommen gibt, bildete es das Kernland des spätmittelalterlichen russischen Reiches. Hier liegen Moskau und Sankt Petersburg, die beiden traditionellen russischen Hauptstädte. In beiden gibt es eine räumliche Konzentration von Arbeitsstätten und Wohngebieten.
Nach Süden folgent die Waldsteppenzone. Hier verbinden sich Faktoren von Wald- und Steppenland fast optimal: die Feuchtigkeit des Waldlandes mit der Sommerwärme und der Länge der Vegetationszeit sowie die humusreichen Böden der Steppe.

Einwohner
Russland hat 143 Millionen Einwohner. Den Großteil der Bevölkerung stellen mit 82% die Russen; dennoch ist die Föderation ein Vielvölkerstaat. Das Land beherbergt rund hundert Minderheiten (davon 7 mit über 1 Million, 19 mit über 100 000 Angehörigen), von denen die Tataren, Ukrainer, Tschuwaschen, Dagestaner, Baschkiren, Weißrussen und Mordwinen die größten Gruppen sind. Für diese nichtrussischen Nationalitäten bestehen 21 Republiken mit eigener Verfassung und Gesetzgebung, wo die Völker in begrenztem Maße ihre nationale Eigenständigkeit pflegen können. So leben in Tschwaschien knapp 70% der Tschuwaschen. Der deutsche Bevölkerungsanteil (0,6%) ist rückläufig.
Die Hauptsiedlungsgebiete nichtrussischer Gruppen sind der Nordkaukasus (Tschetschenen u. a.), Wolga- und Uralgebiet (Tataren und andere Völker), Südsibirien (turksprachige und mongolische Völker) und Nordsibirien (Jakuten u. a.). In all diesen Gebieten leben auch Russen, die zum Teil sogar die Mehrheit stellen. Russisch ist Staatssprache, daneben sind in den einzelnen Teilrepubliken die jeweiligen Sprachen Amtssprache.
Größte Religionsgemeinschaft ist die russisch-orthodoxe Kirche. An zweiter Stelle steht der Islam (besonders in Tatarstan, Baschkirien, Dagestan und Tschetschenien). Außer Protestanten, Katholiken und Juden gibt es noch eine größere buddhistische Minderheit (vor allem in Südsibirien) sowie zahlreiche Sekten.
Die Bevölkerungsverteilung ist sehr ungleichmäßig: etwa 65% der Bevölkerung leben im europäischen Teil, in Sibirien leben dagegen nur 35%. Infolge der Industrialisierung steigt der Anteil der städtischen Bevölkerung (1913: 18%, 2000: 73%).

Moskau
Moskau, die größte Stadt Russlands, ist seit Lenins Tagen wieder Hauptstadt.
Peter der Große hatte die Residenz 1712 nach Sankt Petersburg verlegt, das er gegründet hatte,  das 1914-1924 Petrograd und 1924-1991 Leningrad hieß und jetzt wieder seinen alten Namen führt. 1918 siedelte die bolschewistische Regierung nach Moskau über. Damit erhielt die Stadt, die seit dem 14. Jh. als Symbol der nationalen Einigung Russlands galt, die Bedeutung zurück, die ihr - nach Ansicht vieler Russen - von jeher zustand.
Die Sowjetunion war ein Bundesstaat, Moskau war Sitz der Parteiführung und aller zentralen Behörden des Landes. Nach wie vor ist es Regierungssitz Russlands, zugleich das größte Industriezentrum des Landes und wichtigster Verkehrsknotenpunkt.
Der Stadtgrundriss Moskaus ist durch ein ringförmiges Straßensystem um den Kreml charakterisiert. Der 28 ha große Kreml stammt in seiner heutigen Form aus dem späten 15. Jh., bebaut war sein Gelände aber bereits im 12. Jh., eine Siedlung auf dem Hügel zwischen Moskwa-Fluss und der Neglinnaja. erstmalig genannt wurde.
Die radialen Straßen führen vom Zentrum in Regionen, die sich schon im Mittelalter in ihrer Ausstattung unterschieden. Die heutigen Ringstraßen zeichnen Befestigungsanlagen aus dem 16. Jh. nach.
Für den traditionsbewussten Russen ist Moskau mehr als eine Arbeits- und Einkaufsstätte. Er sieht in der Kreml-Kathedrale und den Zwiebeltürmen der Basilius-Kathedrale aus dem 16. Jh. auf dem Roten Platz ein Symbol russischer Geschichte.
                 
 

Moskau war für Russland immer das, was ein Gesandter des deutschen Kaisers im 16. Jh. in einem bekannten Reisebuch beschrieb: "Russlands Haupt und Mitte". Und als solche hatte es für Russland und später für die Sowjetunion immer auch etwas an Schaufensterfunktion. Nicht nur, dass hier dem Besucher aus der Provinz oder dem Fremden aus dem Ausland etwas vorgemacht wurde. Dies wurde auch getan. Aber die Stadt spielte eine Vorbildrolle, nach der sich andere Städte richteten.
Das gilt für alle Bauepochen der Stadt: für die zwiebeltürmigen Kremlkirchen des 15. Jh., für das klassizistische Moskau mit seiner klaren Linienführung in Adelspalästen, öffentlichen Gebäuden und der Straßenführung nach dem Brand von 1813.

Wirtschaft
Russland hatte sich in der ersten Hälfte des 20. Jh. von einem ausgesprochenen Agrarland zum zweitgrößten Industriestaat der Erde entwickelt. Grundlage dieser Entwicklung war die zur Enteignung von Grund und Boden und die Verstaatlichung von Wirtschaftsbetrieben, die zur Einrichtung von Kollektivwirtschaften führte. Ende der 1980er Jahre verschärfte sich die wirtschaftliche Situation un es kam zu Maßnahmen zur Umstrukturierung des Wirtschaftssystems, um den Leistungsanreiz des Einzelnen zu erhöhen und das System flexibler zu gestalten. Der Übergang von der zentral gelenkten Planwirtschaft zur Marktwirtschaft brachte aber eine weitere Verschlechterung der Wirtschaftslage mit sich, nicht zuletzt durch den Zerfall der wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen den ehemaligen Sowjetrepubliken. Es kam zu Produktionsrückgängen in allen Branchen, zu Inflation, Versorgungsproblemen, Rückgang des Außenhandelsvolumens, steigender Auslandsverschuldung und einem gewaltigen Haushaltsdefizit. Deshalb wurden1992 Maßnahmen zur Umstrukturierung der Wirtschaft in Angriff genommen. z.B. zügige Privatisierung, Beseitigung des Haushaltsdefizits und eine restriktive Geldpolitik. Die Privatisierung gestaltete sich jedoch insbesondere im Bereich der großen Industriekomplexe und der staatlich gelenkten landwirtschaftlichen Großbetriebe schwierig, sodass erst seit 1999 ein leichter Wirtschaftsaufschwung zu verzeichnen ist.
Russland verfügt über einen großen Reichtum an Bodenschätzen. Die Vielzahl unterschiedlicher, meist in großen Mengen vorhandener Rohstoffe stellt ein wertvolles wirtschaftliches Potenzial dar: Steinkohle, Braunkohle, Eisenerz, Chrom, Nickel, Kupfer, Bauxit, Gold, Platin, Diamanten, Erdöl, Erdgas u.a.

Industrie
Die industrielle Produktion ging von 1991 bis 1998 um mehr als zwei Drittel zurück. Ein Grund dafür war die zu Sowjetzeiten erfolgte einseitige Ausrichtung auf die Schwer- und Investitionsgüterindustrie. Erst seit 1999 konnte ein allmählicher Anstieg der industriellen Produktion zerreicht werden.
Die wichtigsten Industriegebiete sind Moskau und sein Umland, der Raum um St. Petersburg und die Verarbeitungszentren auf der Basis der reichen Bodenschätze bzw. an den Schnittpunkten der Hauptverkehrswege.
Zu den wichtigsten Industriezweigen zählen Eisen- und Stahlindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau, die chemische, Holz-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie. Die Energieerzeugung wurde u. a. durch Errichtung großer Stauanlagen mit Großkraftwerken an den Strömen, bes. an der Angara, sowie durch Kernkraftwerke erheblich gesteigert. Bis 2002 wurde die Anzahl der Kernkraftwerke auf 30 erhöht.

Landwirtschaft
Wichtigstes Anbaugebiet ist die Schwarzerdezone. Sie erstreckt sich vom nördlichen Kaukasusvorland bis zum mittlere Wolgagebiet und vom Ural bis nach Nowosibirsk. Hier überwiegt, auch bedingt durch das vorherrschende kontinentale Klima, der Getreideanbau, bes. Sommer- und Winterweizen, Gerste, Hafer, Mais. Weitere wichtige Anbauprodukte sind Kartoffeln, Zuckerrüben, Sonnenblumen, Baumwolle und Ölfrüchte.
Die Viehzucht, vor allem Rinder, Schweine und Schafe, macht rund 60% der landwirtschaftlichen Produktion aus.
Für die Holzwirtschaft bilden die Wälder der Taiga ein unerschöpfliche Vorräte. Über die Hälfte des Holzbestandes entfallen auf Sibirien und werden erst gering genutzt.
Von wirtschaftlicher Bedeutung ist der Fischfang (Hochsee-, Küsten- und Binnenfischerei); die wichtigsten Fischereihäfen sind Murmansk und Wladiwostok. Weit bekannt ist die Kaviargewinnung an der Wolga und am Kaspischen Meer (
Kaviar ist gereinigter, gesalzener Rogen = Eier verschiedener Stör-Arten, bes. aus dem Schwarzen, Asowschen u.Kaspischen Meer, z. B. Beluga, Osietra...Er wird auch „Schwarzes Gold“=sehr teuer genannt.

Verkehr
Der wichtigste Verkehrsträger ist die Eisenbahn mit einem Streckennetz  von ca. 150 000 km, seine größte Dichte ist im Südwesten des Landes und im mittleren europäischen Raum, auch in Teilen des Urals. Die um die Jahrhundertwende erbaute Transsibirische Eisenbahn ist noch immer die einzige Bahnverbindung vom europäischen Raum in den Fernen Osten. In Westsibirien wird sie durch zwei Parallelbahnen entlastet. In Ostsibirien und im Fernen Osten ist seit 1984 eine nördliche Parallelstrecke, die Baikal-Amur-Magistrale, in Betrieb.
Mit der Erschließung neuer Erdöl- und Erdgasvorkommen erlangte der Rohrleitungstransport erhebliche Bedeutung. Wichtigste Erdölleitung ist die 4300 km lange Fernleitung "Druschba", die durch Polen bis in den Raum von Halle/Saale führt.
Im europäischen Raum Russlands existiert ein gut ausgebautes Kanalsystem der Binnenschifffahrt. Wichtigste Wasserstraße ist die Wolga; die größten Binnenhäfen sind St. Petersburg, Astrachan und Archangelsk.
Nur wenige der ca. 50 russischen Seehäfen sind das ganze Jahr eisfrei. Der Überseeverkehr wird z. T. über Schwarzmeerhäfen abgewickelt. Wichtigste Seehäfen sind St. Petersburg und Wladiwostok.
In Sibirien sind die großen Ströme, die aber im Unterlauf nur wenige Monate eisfrei sind, von besonderer Bedeutung, ebenso die Fluglinien. Zentrum des nationalen wie internationalen Flugverkehrs ist Moskau, das allein über vier Zivilflughäfen verfügt.

Geschichte
Die frühe und mittelalterliche Geschichte des südrussischen Steppengebiets war beherrscht von meist türkischen Reitervölkern, die durch die sog. Völkerpforte zwischen Ural und Kaspischem Meer nach Europa eindrangen. Ein Teil der Slawen, die nördlich der Karpaten lebten, drang vom 7. bis 9. Jh. in die Gebiete des Dnjepr, der Düna, der oberen Oka und der oberen Wolga vor und siedelte sich dort an.

Kiewer Reich (um 882-1169)
Um die Mitte des 9. Jh. schlossen sich die slawisch-warägischen Herrschaftsgebiete in Osteuropa zu einem mittelalterliches Großreich mit Zentrum in Kiew zusammen. Dieses wird als Vorläufer der heutigen Staaten Russland, Ukraine und Weißrussland angesehen. Das Staatswesen beruhte hauptsächlich auf dem Handel, die Beziehungen zu Byzanz wurden 911 in einem ersten Handelsvertrag geregelt. Nur etwa 50 Jahre später zeigte Kiew seine erste ungestüme Machtentfaltung in Feldzügen gegen noch unabhängige ostslawische Stämme, gegen Chasaren und Wolgabulgaren, letzteres konnte aber gegen Byzanz nicht gehalten werden.
Eine bis in die Gegenwart nachwirkende Entscheidung war die Übernahme des Christentums orthodox-byzantinischer Prägung (988) durch Wladimir den Heiligen, der die byzantinische Prinzessin Anna hjeiratete. Russland erreichte im 11. Jh. den Höhepunkt seiner ersten Kulturblüte, aber bald bahnten sich Niedergang und die Zersplitterung des Kiewer Reichs an. Der stets umkämpfte Kiewer Thron verlor sein Prestige. Jurij Dolgorukij war sein letzter starker Großfürst (12. Jh.). Hauptursachen für den Verfall Kiews sind wohl der Niedergang seines Handels (Sperrung des Dnjeprwegs durch die Kumanen), das Fehlen einer eindeutigen Erbfolgeregelung und das Erstarken der einzelnen russischen Territorien.

Teilfürstentümer und Mongolenherrschaft (1169-1462)
In der Folge bildeten sich in Russland 3 politische Zentren:
1. im Südwesten das Fürstentum Halitsch-Wolynien, das unter den Fürsten Roman und Daniel die größte Machtentfaltung aufwies; 1340 fie es nach Erlöschen der Dynastie an Polen
2. im Nordwesten Groß-Nowgorod, das seit dem 12. Jh. von Kiew unabhängig war und erst 1478 von Moskau unterworfen wurde;
3. im Nordosten stieg das Fürstentum Wladimir-Susdal (zwischen Oka und oberer Wolga), ursprünglich von Finnen besiedelt, im 12. Jh. durch den verstärkten Siedlerzustrom aus dem Südwesten und Nordwesten schnell auf. Die Fürstengewalt war hier von vornherein viel stärker, er und später sein Bruder Wsewolod setzten sich gegen die lokale Aristokratie der Städte Rostow und Susdal durch. Aber das Großfürstentum fiel im 13. Jh. unter die Herrschaft der Mongolen, wie auch die zahllosen kleinen süd- und südwestrussischen Fürstentümer. Alexander Newskij, der 1242 den vordringenden Deutschen Orden abgewehrt hatte, musste als Großfürst eine Politik der Willfährigkeit gegenüber den Mongolen dulden, um sich dadurch eine gewisse Erholung des Landes zu erkaufen.

Schon unter der Mongolenherrschaft setzte um 1300 ein Ringen um das relativ junge Teilfürstentum Moskau ein. Daniel konnte das Moskauer Gebiet bedeutend erweitern. Seine Söhne Jurij und Iwan Kalita sicherten in blutigen Auseinandersetzungen mit den Fürsten von Twer und durch Willfährigkeit gegenüber den Mongolen die Großfürstenwürde für die Moskauer Dynastie. Demetrius Donskoj veranlasste die meisten russischen Fürsten zur Heerfolge gegen die Mongolen, wenn auch sein Sieg am Don (1380) nicht das Ende der Mongolenherrschaft bedeutete.

Moskauer Staat (1462-1712)
Nachdem der Großfürst Wassilij II. in einem 25-jährigen Thronkrieg gegen seinen Onkel Jurij von Halitsch und dessen Söhne gesiegt hatte, setzte sich in Moskau die Primogenitur durch,
ein Erbfolgeprinzip, bei dem n u r der Erstgeborene das Erbe antritt und alle Geschwister ausgeschlossen bleiben. Gleichzeitig beseitigte Wassilij zahlreiche Teilfürstentümer. Sein Sohn Iwan III. sorgte für die Einigung des Moskauer Staats, das Verhältnis zu den Mongolen wurde zu einem Vertragsverhältnis. Die Grenze zu Litauen wurde deutlich nach Westen verschoben. Wassilij III. eroberte 1515 bereits Smolensk. Der Vorstoß zur Ostsee scheiterte aber an der Niederlage gegen den Landmeister des Deutschen Ordens. Iwan IV. (Iwan der Schreckliche) ließ sich als erster russischer Herrscher zum Zaren krönen. Er erschöpfte die Kräfte Russlands in dem langen erfolglosen Livländischen Krieg gegen Polen und Schweden um das Baltikum. Dagegen leitete die Eroberung von Kasan 1552, Astrachan 1558 und des Chanats Sibir 1582 durch Jermak die russische Ostexpansion ein. Iwan IV. zerbrach die politische Macht des Bojarentums und machte den Willen des Zaren zur einzigen Autorität. Die jahrzehntelangen Kriege und die Innenpolitik Iwans führten zu sozialen Spannungen. Die gesamte Regierungszeit Michael Fjodorowitschs (1613-1645), des neuen Zaren, verging mit der mühevollen Herstellung der Stabilität nach innen und außen. Erst unter Zar Alexej Michajlowitsch (1645-1676) griff Russland erneut nach Westen: Nach langem Krieg gegen Polen gewann es die Ukraine links des Dnjepr, die sich von Polen loslöste. Im 17. Jh. begannen Technik und Kultur aus Westeuropa verstärkt nach Russland einzudringen.

Petersburger Imperium (1712-1917)
Peter der Große ersetzte die religiös-traditionellen Wertvorstellungen des Moskauer Staats durch die rationalen Westeuropas. Die Europäisierung, z.B. die Verlegung der Residenz in das 1703 gegründete St. Petersburg und die Annahme des Kaisertitels 1721 durch Peter, erfasste allerdings nur eine dünne Oberschicht. Peter der Große schuf eine Bürokratie, die sich zum Staatsapparat konstituieren und später, bes. im 19. Jh., mit dem Staat identifizieren sollte. Außenpolitisch zeichneten sich bei Peter bereits die späteren Stoßrichtungen der russischen Politik ab: zur Ostsee und nach Westen, zum Schwarzen Meer und auf den Balkan sowie nach Mittelasien. Durch seinen Erfolg im Krieg gegen Schweden (1700-1721) stieß er in breiter Front zur Ostsee vor und machte Russland zur osteuropäischen Vormacht. Unter Kaiserin Anna wurde durch die Politik Ostermanns die 2. außenpolitische Interessensphäre, das Schwarze Meer und der Balkan, deutlich. Russland wurde damit zum Rivalen Österreichs auf dem Balkan. Kaiserin Katharina II. gewann in den Friedensschlüssen von Kütschük Kainardschi und Jassy sowie durch die Annexion der Krim das Küstenland des Schwarzen Meeres bis zum Dnjestr. Die Teilungen Polens (1772, 1793 und 1795) schoben die Grenzen Russlands bis nach Mitteleuropa vor. Seit Katharina II. war das Russische Reich als Großmacht in Europa an der Regelung aller europäischen Fragen beteiligt. Im Innern wurden die Adelsprivilegien erweitert und die Leibeigenschaft der Bauern verschärft.
Die führende Rolle Russlands beim Sieg über Napoleon I. ( 1813-1815) machte es unter Alexander I. zur kontinentalen Vorherrschaft. Durch die Eroberung Finnlands 1809 und den Erwerb des größten Teils von Polen auf dem Wiener Kongress 1815 fand die russische Expansion nach Westen erst einmal ihren Abschluss. Dagegen entfaltete Russland auf dem Balkan, in Zentralasien und im Fernen Osten eine fortwährende Expansionstätigkeit. Nach erfolgreichen Kriegen gegen die Türkei, wo es Bessarabien und das Donaudelta erworben hatte, erreichte sein Einfluss auf die Türkei durch das Verteidigungsbündnis von Hunkar Iskelesi 1833 seinen Höhepunkt. Einem weiteren Vordringen gegen die Türkei setzten Frankreich und Großbritannien Mitte des 18.Jh. im Krimkrieg ein Ende.
Sein Expansionsstreben richtete sich nun zuerst nach dem Fernen Osten - 1858 erwarb es im Vertrag von Aihun das Amurgebiet und Nordsachalin, später auch Südsachalin und nach Zentralasien, dann annektierte es Turkestan, Taschkent und Kirgisien, Samarkand und das Chanat Buchara, 1873 das Chanat Chiwa, danach das Chanat Kokand, Merw  und Tadschikistan. Aber dabei drang Russland teilweise in die Interessensphären Englands ein,  auch die russischen Erfolge im Krieg gegen die Türkei widersprachen dem Interesse Österreichs und Englands, sodass A. Gortschakow auf dem Berliner Kongress 1878 seine Pläne auf eine grundlegende Neuordnung des Balkans aufgeben musste. Die nationalistische öffentliche Meinung in Russland beschuldigte Deutschland, dass Russland um die Früchte des Sieges gebracht wurde. Der Interessengegensatz zu Österreich war einer der Hauptgründe für die Nichterneuerung des Dreikaiserabkommens von 1881. Aber erst die Ablehnung der Verlängerung des Rückversicherungsvertrags durch Deutschland führte zur Neuorientierung der russischen Außenpolitik und zur Bindung an Frankreich.Die Aufhebung der Leibeigenschaft 1861, die die Bauern befreite, ohne ihnen genügend Land zu geben, hatte das soziale Problem verschärft, statt es zu lösen. Mit der zunehmenden Industrialisierung Russlands seit den 1880er Jahren, die nach der Sanierung der russischen Finanzen mit Hilfe westeuropäischer Investitionen besondere Fortschritte machte, fand der Marxismus Eingang in Russland. Bereits in den 1890er Jahren hatten heftige Streiks die neuen Industriezentren erschüttert, und in der Situation der Niederlage gegen Japan löste der sog. Blutige Sonntag (22.01.1905) die erste russische Revolution (1905/06) aus. Nach dem Erlass einer Verfassung durch Nikolaus II. mündete jedoch die Entwicklung mit der Auflösung der linksgerichteten 1. und 2. Reichsduma und der Änderung des Wahlgesetzes, in dem die reaktionäre Politik wieder aufgegriffen wurde. Ihr Exponent wurde Ministerpräsident P. A. Stolypin.
Nachdem die jetzt im Zeichen des Imperialismus stehende russische Fernostpolitik durch den japanisch-russischen Krieg von 1904/05 gescheitert war, richtete sich Russland mit Kriegen gegen den Balkan, die Abgrenzung der Interessensphären mit England im Mittleren Osten ) machte den Weg für ein Zusammengehen mit der Entente frei. Die Unterstützung Serbiens durch Russland wurde in der gespannten weltpolitischen Situation von 1914 einer der Auslösungsfaktoren des 1. Weltkriegs. Die sozialen und nationalen Probleme entluden sich schließlich angesichts des lang andauernden 1. Weltkriegs in der Februarrevolution von 1917. Nikolaus II. wurde zur Abdankung gezwungen. Russland wurde Republik.

Oktoberrevolution und Bürgerkrieg (1917-1921)
Die neu gebildete provisorische Regierung (zunächst unter Fürst Lwow, dann unter Kerenskij), die den Krieg fortsetzen wollte, verlor wegen der allgemeinen Kriegsmüdigkeit und der Versorgungsnöte an Boden. Ihre unentschlossene Politik nutzten die Bolschewiki am 25. 10. (7. 11. ) zu einem von Lenin organisierten Aufstand (Oktoberrevolution). Es gelang ihnen, durch tatsächliche oder scheinbare Erfüllung allgemeiner Forderungen, durch den Waffenstillstand und schließlich den Frieden von Brest-Litowsk und das Dekret über die Landaufteilung breite Massen zu gewinnen. Alle Gegner wurden ausgeschaltet, ebenso die rechtmäßig gewählte konstituierende Versammlung, in der die Bolschewiki mit 175 von 707 Sitzen in der Minderheit waren. Russland wurde zur Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik.
Seit Oktober 1917 befand sich das russische Vielvölkerreich in Auflösung: Die Völker des Kaukasus, die Finnen und die Esten erklärten sich noch 1917 für unabhängig; 1918 folgten die Ukrainer, Georgier, Weißrussen, Polen, Letten und Litauer. Seit Anfang 1918 organisierte sich auch die Gegenrevolution: im Süden entstand die Don-Republik, in Westsibirien (Omsk) hatte sich A. Koltschak zum Reichsverweser ausgerufen. Außerdem intervenierten die Ententemächte in Russland. Den gegenrevolutionären Kräften fehlten jedoch eine einheitliche Zielsetzung und Koordinierung der militärischen Aktionen, sodass sie nacheinander geschlagen wurden. Auch die Offensive, die J. Pilsudski im April 1920 unternahm, um die polnischen Grenzen von 1772 wiederherzustellen, scheiterte nach Anfangserfolgen. Aber durch den Frieden von Riga kamen beträchtliche Teile der alten weißrussischen und ukrainischen Gebiete an Polen zurück.

UdSSR (1922-1991)
Als Ergebnis des bolschewistischen Siegs im Bürgerkrieg wurden auch die meisten Randvölker des russischen Imperiums in den sowjetischen Scheinföderalismus einbezogen. Die Gründung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) am 30.12.1922 und die neue Verfassung von 1923/24 kennzeichneten eine Konsolidierung der bolschewistischen Macht. Im Inneren löste Lenin den sog. Kriegskommunismus durch die Neue Ökonomische Politik ab, um die zusammengebrochene Wirtschaft neu zu beleben.
Nachdem klar geworden war, dass eine Weltrevolution vorerst nicht zu erreichen war, schaltete sich die Sowjetunion zunehmend in das weltpolitische Kräftespiel ein. Der Vertrag von Rapallo (1922) durchbrach zum ersten Mal die außenpolitische Isolierung der Sowjetunion und leitete eine enge militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland ein. Ein entscheidender Durchbruch gelang dem Außenminister Litwinow im Rahmen des Kellogg-Pakts, das von der Sowjetunion, Rumänien, Polen, Lettland und Estland unterzeichnet wurde (1929). Es folgten ein Vertrag mit Frankreich und Nichtangriffspakte mit Polen, Lettland, Estland und Finnland (1932). Nach der diplomatischen Anerkennung durch die USA (1933) vollendete die Aufnahme der Sowjetunion in den Völkerbund (1934) ihre Einordnung in das Staatensystem der Welt.
Der feindlichen Haltung Hitlers suchte die Sowjetunion seit 1935 durch die Volksfrontpolitik zu begegnen. Beistandspakte mit Frankreich und der Tschechoslowakei von 1935 blieben jedoch 1938/39 beim Zusammenbruch der Tschechoslowakei wirkungslos. In den entscheidenden Tagen vor Ausbruch des 2. Weltkriegs beseitigte der überraschende deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt (23.08.1939) die letzte Schranke für den deutschen Angriff auf Polen und brachte Ostpolen an die Sowjetunion, die 1940 auch Estland, Lettland, Litauen, Bessarabien und die Nordbukowina annektierte. Durch den Winterkrieg 1939/40 erzwang sie die Abtretung Kareliens von Finnland. Zu Meinungsverschiedenheiten mit Deutschland kam es wegen weiterer sowjetischer Forderungen gegenüber Finnland und der Einflusssphären auf dem Balkan. Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion (22. 6. 1941) kam überraschend.
Im Innern kam es nach Lenins Tod (1924) zu Machtkämpfen. Stalin, der als Generalsekretär den Parteiapparat beherrschte, ging als Sieger hervor. Er war ab 1928 der unumschränkte Diktator. 1928 begann die Umwandlung vom Agrar- zum Industriestaat mittels eines rigoros erzwungenen Konsumverzichts der Bevölkerung. Die gleichzeitig erzwungene Kollektivierung stieß auf erbitterten Widerstand und rief zunächst Desorganisation und Hungersnot hervor. Stalins totalitäre Diktatur gipfelte in den Säuberungen 1936-1938, denen alle gestürzten und potenziellen Gegner mit ihren Anhängern und ein großer Teil des Offizierskorps zum Opfer fielen.
Aus dem 2. Weltkrieg ging die Sowjetunion als Weltmacht hervor. Bereits auf den Konferenzen von Teheran (1943), Jalta, London und Potsdam (1945) überspielten Stalin und sein Außenminister Molotow die westlichen Alliierten, bei denen die Nachkriegsgestaltung Europas hinter dem Nahziel des Siegs über Deutschland zurücktrat. Die Sowjetunion annektierte weitere Gebiete (das nördliche Ostpreußen, Karpato-Ukraine) und förderte mit Hilfe ihrer Besatzungstruppen die Errichtung von volksdemokratischen Regimen in den osteuropäischen Staaten und in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands. Dieser inneren Sowjetisierung entsprach die außenpolitische Gleichschaltung auf die Ziele der Sowjetunion. Der Versuch der Sowjetunion, das kommunistische Herrschaftssystem auf weitere Staaten auszudehnen, führte einerseits zu Zusammenschlüssen nicht kommunistischer Staaten (NATO, SEATO, CENTO), andererseits zum Warschauer Pakt (1955).
Nach Stalins Tod 1953 trat an seine Stelle zunächst eine kollektive Führung mit Malenkow, Berija und Molotow an der Spitze. Berija - als potenzieller Diktator gefürchtet - wurde schon 1953 verhaftet und hingerichtet. Seit Herbst 1953 begann der Aufstieg N. S. Chruschtschows, der als Erster Sekretär des ZK der KPdSU die Schlüsselstellungen des Parteiapparats mit seinen Leuten besetzte. 1957 führte er den entscheidenden Schlag gegen die aus der Stalin-Ära stammende Führungsspitze: Molotow, Malenkow, L. M. Kaganowitsch und D. T. Schepilow wurden als "Parteifeinde" abgesetzt; im März 1958 trat Chruschtschow an die Stelle Bulganins und vereinigte Partei- und Regierungsspitze auf sich.
Auf Chruschtschows Initiative wurden in der UdSSR der Stalin'sche Terror und Personenkult verurteilt, die größten Rechtsunsicherheiten beseitigt, die Wirtschaftsleitung dezentralisiert, die MTS aufgelöst, eine marktgerechte Agrarpolitik eingeleitet und ein gigantisches Neulandprogramm in Kasachstan in Angriff genommen. Die Schulreform erstrebte eine stärkere Verbindung der Schule mit dem Leben.
Angesichts des zunehmenden westlichen Widerstands gegen die aggressive sowjetische Außenpolitik wurden schon seit 1953 einige Konfliktherde beseitigt (Waffenstillstand in Korea 1953 und Indochina 1954, Staatsvertrag mit Österreich 1955, Beendigung des Kriegszustands mit Japan 1956) und die friedliche Koexistenz propagiert. Die gleichzeitige Verständigung mit Jugoslawien unter Tito und die Lockerung des sowjetischen Griffs führte zu Emanzipationsbestrebungen in einigen Staaten des Ostblocks, die allerdings blutig unterdrückt wurden, sofern sie der sowjetischen Kontrolle zu entgleiten drohten (17. Juni 1953 in der DDR; 1956 Ungarn und Polen).
Mit Chruschtschows Sturz 1964 verbanden sich Vorwürfe: Er habe die Kuba-Krise provoziert, den Bruch mit China eingeleitet, die Wirtschaft desorganisiert und einen neuen "Personenkult" begonnen. Unter den Nachfolgern Chruschtschows, Breschnew , Kossygin und Podgornyj wurde die Herrschaft der Parteibürokratie wieder gestrafft. Dies drückte sich u. a. in zunehmender ideologischer Intoleranz und Zurücknahme vieler Liberalisierungsmaßnahmen aus. Langsam trat Breschnew mehr und mehr in den Vordergrund, ab 1966 führte er wieder den Titel "Generalsekretär", und seit Mitte der 1970er Jahre war er der maßgebende Politiker. Seine Innen- und Wirtschaftspolitik sollte hauptsächlich Erschütterungen des Systems vermeiden, stagnierte aber. Breschnew starb 1982. Seine Nachfolger Andropow (1982-1984) und Tschernenko (1984/85) waren krank und starben beide nach kurzer Amtszeit.
Außenpolitisch betrieb die Sowjetunion bis zur Mitte der 1980er Jahre eine starke Weltmachtpolitik. Während des Vietnamkrieges unterstützte sie mit ihrem Bündnisblock das kommunistische Nordvietnam, vermied aber ein unmittelbares Eingreifen. Im Nahen Osten stand die UdSSR auf Seiten der Staatengruppe, die einen Frieden mit Israel entschieden ablehnte. Der Golfkrieg wurde genutzt, um den arabischen und islamischen Antiamerikanismus zu schüren. Der Rivalitätskonflikt mit China schwelte weiter, zumal Chinas weltpolitische Position seit Beginn der 1970er Jahre gestärkt wurde; unter Breschnew eingeleitete Bemühungen um eine Verständigung führten erst Ende der 1980er Jahre zu einer Wiederannäherung. Bei massiver Einflussnahme auf verschiedene afrikanische Staaten und im Bemühen, in Lateinamerika fester Fuß zu fassen, spielte Kuba eine unterstützende Rolle.
In Europa und gegenüber den USA bemühte sich die UdSSR zwar um Entspannung, nahm aber Rückschläge in Kauf. 1970 schloss sie mit der Bundesrepublik Deutschland den Moskauer Vertrag über Gewaltverzicht und Anerkennung der Grenzen in Europa, 1971 mit den Westmächten das Viermächteabkommen über Berlin; 1972, 1973 und 1979 handelte sie mit den USA Verträge über die Beschränkung der atomaren strategischen Rüstung aus; seit 1975 beteiligte sie sich an der Europäischen Sicherheitskonferenz (KSZE) in Helsinki und an den Nachfolgekonferenzen in Belgrad, Madrid, Stockholm und Wien sowie an den Wiener Verhandlungen zum Truppenabbau in Europa. Dagegen besetzte die UdSSR im August 1968 zusammen mit den Warschauer Paktstaaten die Tschechoslowakei, um reformkommunistische Tendenzen zu unterdrücken, und im Dezember 1979 Afghanistan. In Polen betrieb die UdSSR 1981 die Errichtung eines Militärregimes, um, die demokratische Gewerkschaftsbewegung "Solidarnosc" zu ersticken, ohne selbst unmittelbar einzugreifen Dies alles belastete die Beziehungen zum Westen. Hinzu kam noch eine sowjetische Aufrüstung auf dem Gebiet der Mittelstreckenraketen, auf die die NATO seit 1983 mit der Stationierung US-amerikanischer Mittelstreckenwaffen in Westeuropa reagierte.
1985 wurde Gorbatschow Generalsekretär des ZK. Unter den Losungsworten Glasnost ("Offenheit") und Perestrojka ("Umgestaltung") proklamierte er eine Reformpolitik, die darauf abzielte, das politische und wirtschaftliche System effektiver zu gestalten und in gewissem Umfang zu demokratisieren. In der Außenpolitik unternahm Gorbatschow Schritte zu einer Entspannung im Ost-West-Verhältnis. 1987 schloss die Sowjetunion mit den USA ein Abkommen über die Beseitigung aller in Europa stationierten Mittelstreckenwaffen. 1988 unterbreitete sie mehrere Abrüstungsvorschläge und zog bis zum Februar 1989 ihre Truppen aus Afghanistan ab. 1989/90 tolerierte die UdSSR den demokratischen Wandel in den osteuropäischen Staaten sowie die deutsche Wiedervereinigung. Außerdem stimmte sie der Auflösung des Warschauer Paktes und des COMECON zu und unterzeichnete 1990 einen Vertrag über konventionelle Abrüstung in Europa sowie die Pariser Charta für ein neues Europa. Damit war das Ende des Ost-West-Konflikts besiegelt. Am 31.07.1991 wurde in Moskau der START-Vertrag mit den USA unterzeichnet. Innenpolitisch entwickelte die Bewegung, die Gorbatschow in Gang setzte, eine Eigendynamik, und der Wandel ergriff immer weitere Bereiche. Schon bald hielt es Gorbatschow für geboten, zwischen vorwärts drängenden und rückwärts gewandten Kräften zu lavieren. Einerseits führte er 1988/89 einen rudimentären Parlamentarismus ein, andererseits erreichte er 1990 die Einführung eines Präsidialsystems, das ihm als Staatspräsidenten nahezu unbeschränkte Vollmachten verschaffte. Im gleichen Jahr verzichtete die KPdSU auf ihren verfassungsmäßigen Anspruch, die führende Kraft der Gesellschaft zu sein. Mehrere prominente Reformer verließen die Partei (u. a. B. Jelzin und E. Schewardnadse).
In den baltischen Republiken bildeten sich 1988 "Volksfronten", die Autonomie und Demokratie forderten. 1990 erklärte sich Litauen als erste Republik für unabhängig. 1991 fanden in den drei Republiken Volksbefragungen statt, in denen sich große Mehrheiten für die Unabhängigkeit aussprachen. Vergleichbare Entwicklungen gab es in allen Unionsrepubliken. In Transkaukasien brachen parallel mit der Unabhängigkeitsbewegung alte nationale Konflikte auf. Zwischen Armeniern und Aserbaidschanern kam es zu schweren Kämpfen.
1991 stimmte eine Mehrheit für den Erhalt der UdSSR als Föderation gleichberechtigter Republiken.

Am 19.08.1991 unternahmen konservative Kräfte einen Staatsstreich, der erfolglos blieb. Die Reformer um B. Jelzin wurden gestärkt. Die Tätigkeit der KPdSU wurde bis auf weiteres untersagt; in einigen Republiken wurde die Partei definitiv verboten. Gorbatschow trat als Generalsekretär zurück. Die meisten Unionsrepubliken erklärten sich für unabhängig. Am 6.9.1991 erkannte der neu gebildete Staatsrat die Unabhängigkeit der drei baltischen Republiken an.
Gorbatschow wurde von B. Jelzin immer mehr in den Hintergrund gedrängt. 1991 gründeten Russland, die Ukraine und Weißrussland eine "Gemeinschaft Unabhängiger Staaten"; ihr schlossen sich am 21.12. alle verbleibenden ehemaligen Sowjetrepubliken mit Ausnahme Georgiens an. Daraufhin erklärte Gorbatschow seinen Rücktritt als Staatspräsident der UdSSR, die damit aufgehört hatte zu existieren.

Russland seit 1992
Nach der Unterzeichnung eines Föderationsvertrages mit den autonomen Gebieten und Republiken im März 1992 wurde die neue Staatsbezeichnung Russländische Föderation - Russland eingeführt. Gegen den erheblichen Widerstand konservativer Kräfte unternahm Jelzin zusammen mit dem reformorientierten Ministerpräsidenten Gajdar erste Schritte zur wirtschaftlichen Liberalisierung. Da sich die soziale Lage der Bevölkerung rapide verschlechterte, sah sich Jelzin bereits im Dezember 1992 gezwungen, Gajdar durch den konservativeren Tschernomyrdin zu ersetzen.
Die Demokratisierung Russlands kam nur zögernd voran, obwohl sich eine Mehrheit der Bevölkerung in einem Referendum am 25.04.1993 für Jelzins Politik aussprach. Im September 1993 erklärte Jelzin den reformfeindlichen Obersten Sowjet Russlands sowie den Volksdeputiertenkongress für aufgelöst und schrieb gleichzeitig Neuwahlen aus. Diese Maßnahmen führten zu einem Putschversuch nationalistischer und kommunistischer Kräfte, den die Armee mit Waffengewalt niederschlug. 1993 fanden die ersten freien Parlamentswahlen in Russland seit der Oktoberrevolution sowie ein Verfassungsreferendum statt. Während die neue Verfassung mit knapper Mehrheit angenommen wurde, konnten sich die Reformparteien bei den Wahlen zur Staatsduma nicht wie erhofft durchsetzen, da Rechtsnationalisten und Kommunisten große Stimmenanteile gewannen. Tschernomyrdin wurde als Ministerpräsident bestätigt. Im Dezember 1994 ließ Jelzin die Armee in Tschetschenien einmarschieren, das 1991 einseitig seine Unabhängigkeit erklärt hatte und wo sich ein militärischer Konflikt zwischen der Regierung von Präsident Dschochar Dudajew und der von Moskau unterstützten Opposition entwickelt hatte. Daraus entwickelte sich ein verlustreicher Krieg mit den tschetschenischen Separatisten. Aus den Dumawahlen 1995 gingen die Kommunisten als stärkste Partei hervor. Tschernomyrdin blieb weiterhin Regierungschef. Bei den Präsidentschaftswahlen 1996 konnte sich Jelzin gegen den kommunistischen Kandidaten Sjuganow durchsetzen. Nach schwierigen Verhandlungen unterzeichneten die Konfliktparteien in Tschetschenien im August 1996 ein Waffenstillstandsabkommen sowie im Mai 1997 einen Friedensvertrag. 1998 entließ Jelzin die Regierung Tschernomyrdin. Neuer Ministerpräsident wurde Kirijenko. Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich dramatisch und es kam zu innenpolitischen Turbulenzen, sodass sich Kirijenko nicht lange im Amt halten konnte. Die Duma wählte im J. Primakow zum neuen Regierungschef. Er wurde bereits im Mai 1999 von Präsident Jelzin wieder entlassen. Nachfolger wurde der bisherige Innenminister Stepaschin. Im August 1999 ernannte Jelzin W. Putin, den Leiter des Geheimdienstes, zum Ministerpräsidenten. Im selben Monat eskalierten die Auseinandersetzungen mit aus Tschetschenien nach Dagestan eingedrungenen muslimischen Rebellen. Erneut marschierte die russische Armee in Tschetschenien ein, wo es in der Folgezeit zu schweren Kämpfen kam, unter denen besonders die Zivilbevölkerung zu leiden hatte. Bei den Dumawahlen im Dezember 1999 gewannen die Kommunisten die meisten Stimmen vor der neu gegründeten Gruppierung Jedinstwo (Einheit). Am 31.12.1999 erklärte Präsident Jelzin vorzeitig seinen Rücktritt.
Die Führung der Amtsgeschäfte ging auf Putin über. Dieser gewann die Präsidentschaftswahlen im März 2000 im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit. Im Mai 2000 wurde der von Putin dem Parlament vorgeschlagene Kasjanow neuer Ministerpräsident. Eine Lösung des Tschetschenienkonflikts gelang nicht. 2003 bestätigten die Wähler den politischen Kurs Putins und machten die von ihm protegierte Partei Einiges Russland zur stärksten parlamentarischen Kraft. Im Februar 2004 entließ Putin die Regierung Kasjanow. Nachfolger wurde Michail Fradkow. Bei der Präsidentenwahl im gleichen Jahr gewann Putin erwartungsgemäß mit überwältigender Mehrheit das Mandat für eine zweite Amtszeit. Auf die mit dem Tschetschenienkonflikt verbundene Eskalation des Terrorismus reagierte Putin mit einer Verschärfung seiner autoritär-zentralistischen Politik, die eine wirkliche Gewaltenteilung nicht zuließ.
Die russische Außenpolitik betonte auch nach dem Ende der UdSSR den Großmachtstatus des Landes, zeigte sich jedoch um eine Öffnung zum Westen bemüht (Abzug der letzten Truppen aus Deutschland 1994, Beitritt zum Europarat 1996). Ein militärisches Eingreifen im Kosovo lehnte die russische Führung ab. Auch die NATO- u. EU-Osterweiterung betrachtete sie mit Skepsis, obwohl sie die Zusammenarbeit mit beiden Organisationen intensivierte. Nach den Anschlägen vom 11. 9. 2001 erklärte die russische Regierung ihre Solidarität mit den USA im Kampf gegen den internationalen Terrorismus, sprach sich aber gegen eine gewaltsame Lösung des Irak-Konflikts aus. Die Vollmitgliedschaft bei den G8-Staaten bedeutete einen erheblichen außenpolitischen Prestigegewinn. Während sich die Beziehungen zu China verbesserten, verhinderte die ungelöste Kurilen-Frage weiterhin die endgültige Normalisierung des Verhältnisses mit Japan.

Politik und Verfassung
Nach der am12.12.1993 angenommenen Verfassung ist Russland eine präsidiale Republik. Der Präsident wird für vier Jahre direkt vom Volk gewählt. Eine einmalige Wiederwahl ist zulässig. Zu seinen Vollmachten gehört die Ernennung des Ministerpräsidenten und der Minister. Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und bestimmt die Außen- und Sicherheitspolitik. Dem Staatsoberhaupt stehen weit gehende Rechte zu, die ihm das Regieren durch Erlasse und Verordnungen erlauben. Außerdem hat er gegen Gesetzesbeschlüsse des Parlaments ein Vetorecht, das nur mit Zweidrittelmehrheit aufgehoben werden kann.
Das Zweikammerparlament besteht aus der Staatsduma und dem Föderationsrat, die zusammen die Föderationsversammlung bilden. Die 450 Abgeordneten der Duma werden teils nach Verhältnis-, teils nach Mehrheitswahlrecht gewählt. Die 89 territorialen Einheiten Russlands entsenden je 2 Vertreter in den Föderationsrat.
Wichtige Parteien sind das dem Kreml nahestehende Bündnis Einiges Russland, die linksnationalistische Partei Heimat, die rechtsextremistische Liberaldemokratische Partei Russlands sowie die Kommunistische Partei der Russischen Föderation. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Parteien mit unterschiedlichem politischem Profil. 
                                                                                                                                         Bilder. © M. Frunzke

Seite erstellt: 2005
Seite geändert: 11.03.2010

 

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