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Die Erde und ihre Länder
Europa - Rumänien 

Hauptstadt: Bukarest

Rumänien
              
Die Ost- und Südkarpaten durchziehenden im großen Bogen das Land und teilen Rumänien in 2 Teile.
Von den Karpaten bis zur Donau, die über weite Strecken die südliche Landesgrenze bildet, erstreckt sich das lößbedeckte Tiefland der Walachei. Das nach Nordwesten gehende Karpatengebirge umschließt das Transsilvanische Hochland mit Siebenbürgen. Nach Westen wird Siebenbürgen durch das Bihorgebirge abgeschlossen, an das sich weiter westlich das Flachland des Banats anschließt. Zwischen den Karpaten und dem Pruth liegt die Hügellandschaft der Moldau, zwischen der unteren Donau und dem Schwarzen Meer die Dobrudscha. Nördlich der Dobrudscha mündet die Donau als riesiges Deltas ins Schwarze Meer.

Rumänien liegt im Übergangsbereich vom mitteleuropäischen zum kontinentaleren osteuropäischen Klima mit nach Osten und Südosten wachsenden Temperaturschwankungen und abnehmenden Niederschlägen. Das weithin versumpfte Donaudelta mit großen Schilfrohrbeständen bildet heute ein bedeutendes Naturreservat, das 1991 zum Weltnaturerbe erklärt wurde.

Bevölkerung
Neben den Rumänen, die 89% der Bevölkerung stellen, gibt es noch starke Minderheiten, die aber größtenteils seit vielen Jahrhunderten ansässig sind. Die stärksten Anteile haben mit 7% die Einwohner ungarischer Abstammung, gefolgt von der deutschstämmigen Bevölkerung (1%), deren Anteil aber stark rückläufig ist und die wie die Ungarn überwiegend in Siebenbürgen und im Banat lebt. Vertreten sind ferner Roma, Ukrainer, Serben, Kroaten, Bulgaren, Slowaken, Türken u. a.  -  Und so unterschiedlich wie die Wurzeln der Menschen sind, so unterschiedlich sind auch die Religionen: 87% sind rumänisch-orthodox, ferner gibt es griechisch-katholische, römisch-katholische und reformierte Gläubige.
Mit der Industrialisierung verlassen viele Bewohner ihre Dörfer und siedeln in die Stadte um. Inzwischen leben hier ca. 60% aller Einwohner. Am dichtesten besiedelt sind die Hügelländer am Gebirgsrand.                 
Wirtschaft
Die rumänische Wirtschaft befindet sich seit 1989 im Umbruch. Durch umfassende Wirtschaftsreformen wurde die sozialistische Planwirtschaft allmählich durch eine privatwirtschaftlich orientierte Marktwirtschaft abgelöst.
In der Landwirtschaft, deren Kollektivierung 1962 abgeschlossen wurde, dominierte als Betriebsform die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft. Durch das 1991 verabschiedete Bodengesetz wurde das enteignete Land jedoch an die Alteigentümer und deren Nachfolger zurückgegeben. Aber die 37% der Erwerbstätigen erarbeiteten nur etwa 20% des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftete.
Rund 62% der Landfläche Rumäniens werden landwirtschaftlich genutzt; angebaut werden überwiegend Mais, Weizen und Roggen. Die Viehzucht ist ein wichtiger Zweig der Landwirtschaft.
Unter den Bodenschätzen Rumäniens ist Erdöl an erster Stelle zu nennen. Die bedeutendsten Vorkommen liegen in den Kreisen Prahova, Arges, Gorj und Bacau. Große Erdgaslager werden im Transsilvanischen Hochland und in der vorkarpatischen Zone ausgebeutet. Daneben werden Braunkohlelager sowie Vorkommen von Steinkohle, Lignit, Eisen-, Zink-, Blei-, Kupfer- und Manganerzen und Bauxit abgebaut. Hauptzweige der Industrie sind Eisen, Stahl, Metall verarbeitende, chemische und Konsumgüterindustrie sowie Maschinenbau. Im  Außenhandel haben die EU-Staaten (insbesondere Italien, Deutschland und Frankreich) Russland als ehemals wichtigsten Handelspartner abgelöst.
Ein Großteil des Güterverkehrs zwischen Ost- und Zentraleuropa wird über die Donau abgewickelt. Bedeutendster Seehafen ist Constanta, der seit 1984 durch den Donau-Schwarzmeer-Kanal an die Donauschifffahrt angeschlossen ist. Hauptflughäfen sind Bukarest und Constanta.
Dem Fremdenverkehr kommt erst allmählich eine gewisse Bedeutung zu. Die wichtigsten Touristenziele sind die Badeorte am Schwarzen Meer sowie die Wintersportgebiete und Thermalbäder in den Karpaten.
Die Eisenbahn verfügt über ein Netz von 11 380 km, davon sind 3943 km elektrifiziert. Das Straßennetz hat eine Länge von 153 000 km, genügt jedoch nicht allen Anforderungen, wird aber durch den Bau von Autobahnen zunehmend verbessert.

                 
                                                
(beide Bilder stammen aus dem Jahr 1990, ©  M. Frunzke)

Dazu ergänzt Linda Ludewig:


Die Farben der rumänischen Flagge stellen die Vereinigung von Moldau (rot), Walachei (blau) und Siebenbürgen (gelb) dar.

Kurzinformation:
Im Jahr 60 v.Z. wird das Großreich der Dater gegründet. Nach den Römern beherrschten Wandervölker (u.a. Goten und Hunnen) bis ins 10. Jh. das he
utige Gebiet Rumäniens. Die ersten Donaufürstentümer - Walachei und Moldau - entstanden 400 Jahre später; erst im 16. Jahrhundert gründete sich das Siebenbürger Fürstentum.
In den russisch-türkischen Kriegen seit 1768 gerieten die Kleinstaaten
unter russische Schutzherrschaft. Fürst Aleandru Joan Cuza vereinte 1862 die Walachei und Moldau zum Staat Rumänien, dessen erster König 1881 Karl von Hohenzollern-Sigmaringen wurde.
Nach anfäng
licher Neutralität erklärte Rumänien 1916 Österreich-Ungarn den Krieg, nach dessen Ende Rumäniens Staatsgebiet sich mehr als verdoppelt hatte. Zwischen den Weltkriegen konnte sich Rumänien weder innen- noch außenpolitisch stabilisieren. Die Willkürherrschaft König Karls II. artete 1938 in einer Diktatur aus. Der zum "Führer" avancierte General Antonescu trat 1941 an der Seite Deutschlands in den Krieg gegen die Sowjetunion ein. Nach dem Sturz Antonescus 1944 wurde Rumänien von sowjetischen Truppen besetzt, kämpfte gegen Deutschland und fand sich 1947 als Volksrepublik im Ostblock wieder, die 1965 mit neuer Verfassung in Sozialistische Republik Rumänjen umbenannt wurde. Staats- und Parteichef Nicolae Ceausescu (l 965 bis 1989 an der Macht) zeigte sich anfangs unabhängig von Moskau, sodass der Westen erst in den späten 70er Jahren auf die wachsende Unterdrückung der Bevölkerung reagierte.
Eine blutige Revolution (ca. 1500 Tote) besiegelte im Dezember 1989 das Ende des letzten kommun
istischen Regimes in Europa. Privatisierung und marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung: die Reformprogrammne, zu denen auch die Aufhebung staatlicher Preiskontrollen zählt, werden fraglos zu sozialen Verwerfungen führen. Staatspräsident Emil Constantinescu setzte am 13.12.1999 Ministerpräsident Radu Vasile wegen Regierungsunfähigkeit ab und ernannte Sozialminister Athanasiu übergangsweise zum Regierungschef. Der seit April 1998 regierende Vasile sieht die Absetzung als nicht verfassungsgemäß an. Am 13.12.1999 waren zwölf von 17 Ministern zurückgetreten; sie blieben aber bis auf weiteres im Amt, hieß es damals aus Regierungskreisen. Hintergrund der politischen Krise ist der wirtschaftliche Niedergang Rumäniens. 1998 betrug die Arbeitslosenrate ca. 10%, die Inflation lag bei 40%. Das Bruttoinlandsprodukt ging 1998 gegenüber dem Vorjahr um ca.8% zurück.

Nachbarländer:
Ukraine      - Hauptstadt: Kiew
Ungarn      - Hauptstadt: Budapest 
Serbien     - Hauptstadt: Belgrad
Bulgarien   - Hauptstadt: Sofia
Moldawien - Hauptstadt Chisinau     

Ausfuhrgüter:
Maschinen und Transportausrüstung, Kraftfahrzeugteile, Treibstoff, Mineralien und Metalle, chemische Erzeugnisse, Konsumgüter, Holz- und landwirtschaftliche Produkte

Einfuhrgüter:
Kraftstoffe, Mineral- und Metallerzeugnisse, Maschinen und Verkehrsmittel,
land- und forstwirtschaftliche Produkte, Konsumgüter, Rohstoffe

Industrie:
Bergbau, Förderindustrie, Metallurgie, Holzbearbeitung, Baumaterialien, Leichtindustrie (Leder- und
Textilerzeugnisse), Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, Chemie, Erdölraffination, Maschinenbau

Weltkulturerbe:
Biosphärenreservat Donaudelta; Dörfer und Wehrkirchen in Transilvanien; Kloster Horezu; Bemalte Kirchen in der nördlichen Moldau; Festungsanlage der Daker in den Bergen von Orastie; Holzkirchen von Maramures; Historisches Zentrum von Sighisoara

Sehenswürdigkeiten:
Kirchen, Paläste, Museen und Parks in Bukarest; Seebäder an der Schwarzmeerküste; Kloster
Cozia;
Eisernes Tor; Altstadt von Sibiu; Moldau-Klöster; Karpaten; Donaudelta

Bildung:
Schulpflicht von 6 bis 16 Jahre. Einschulungsquote im
Primarbereich 92%. 63 Hochschulen.
1995 zahlte die Europäische
Union 33 Millionen US$ für die Modernisierung des Bildungssystems.
Seit 1999 sind in Rumänien 9 Pflichtschuljahre vorgesehen. 12 bzw. 13 Schuljahre sind bis zum Erwerb des Abiturs, der Ho
chschulzugangsqualifikation, notwendig. Das staatliche Bildungswesen ist kostenfrei.
Schulabgänger gehen in der Regel nach Ableistung der Pflichtschuljahre direkt in den Beruf. Diejenigen, die das
Baccalaureat (engl.: Bachelor)  erworben haben, können anschließend an verschiedenen Fachhochschulen oder an 59 privaten und 49 staatlichen Universitäten studieren.
Im Fremdsprachenbereich wird an erster Stelle Englisch gelernt, dicht gefolgt von Französisch. Danach folgen mit einigem Abstand Deutsch, an vierter Stelle Russisch.
Das deutschsprachige Schulwesen (sowohl Deutsch als Muttersprache als auch Deutsch als Fremdsprache) ist in Rumänien weit verbreitet. Deutsch wird an ca. 130 Schulen und 160 Kindergärten umfassend vermittelt. Darüber hinaus bieten 7 rumänische Universitäten deutschspra
chige Fachstudiengänge an.

Kultur, Traditionen u.a.:
Die kulturelle Entwicklung vollzog sich im Spannungsfeld zwischen dem byzantinischen und später
osmanischen Osten und dem lateinischen Westen.

Familienstruktur:
Rumänen auf dem Land heiraten relativ zeitig. Früher warteten junge Leute in der Stadt mit der Hochzeit, bis sie ihr Studium oder eine andere Ausbildung beendet hatten. In jüngerer Vergangenheit heiraten sie jedoch oft schon im letzten Schuljahr, da Verheiratete leichter eine Wohnung und Arbeit in der Stadt bekamen

Essen und Trinken:
Nach jahre
langer Nahrungsmittelknappheit gibt es nun ein großes Lebensmittelangebot in Rumänien, doch sind die Preise für viele Menschen zu hoch. Zum Frühstück nehmen Rumänen meistens Eier, Käse, Brötchen oder Brot und Kaffee zu sich. Das Mittagessen besteht im Allgemeinen aus Suppe, Fleisch, Kartoffeln, Brot und Gemüse. Dazu trinkt man Wein oder Bier. Beliebt ist auch ein Pflaumenbranntwein (Tuica). Das Abendessen ist ähnlich wie das Mittagessen zusammengesetzt, nur etwas leichter. Es ist die wichtigste Mahlzeit, da sich die ganze Familie versammelt, um die Neuigkeiten des Tages auszutauschen. Rumänische Spezialitäten sind Mititei (gegrillte Fleischbällchen), Patricieni (gegrillte Wurst) und Mamaliga (Maisbrei). Gebäckstücke werden gerne zum Nachtisch gegessen. Trinksprüche sind zu allen Gelegenheiten üblich.

Umgangsformen:
Erwachsene begrüßen einander oft mit einem Händeschütteln. Dabei wartet ein Mann, bis eine Frau
ihm ihre Hand entgegenstreckt. In Städten kommt es vor, dass Männer einer Frau die Hand küssen. Auf dem Land ist es üblich, jeden persönlich und sogar Fremde zu grüßen. Traditionell werden Vornamen nur von Freunden und Verwandten sowie von Erwachsenen bei der Anrede von Kindern benutzt. Es ist üblich, einen Titel (Doktor, Professor) vor dem Nachnamen zu verwenden. Gästen wird in der Regel Kaffee, Tee, Schnaps oder ein Wein aus der Umgebung oder eine andere Erfrischung angeboten. Wenn man zum Abendessen eingeladen wird, freuen sich die Gastgeber über einen Strauß Blumen oder ein anderes Geschenk. An Wochentagen dauern Besuche meistens nicht länger als bis 23.00 Uhr, da die Arbeit früh morgens beginnt.          

Seite erstellt: 2003
Seite geändert: 05.03.2010

 

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