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Die Erde und ihre Länder
Europa - Portugal 

Hauptstadt: Lissabon

Portugal

Portugal liegt im westlichen Teil der iberischen Halbinsel. Einziges Grenzland ist Spanien, das Portugal im Norden, Westen bis zum Süden begrenzt.. Im Westen ist der Atlantik. Die Küstenlänge beträgt immerhin rund 1800 km.
Der Norden ist ein Gebirgsland, das durch die zwei Flüsse Douro und Minho stark zertalt ist. In Mittelportugal setzt sich das Kastilische Scheidegebirge Zentralspaniens im Gebirgszug der Serra da Estrela (bis 1991 m) und in den Mittelgebirgen Estremaduras bis zum Cabo da Roca fort. Der Süden wird vom Algarvischen Gebirge begrenzt. Die Küsten werden weithin von schmalen Tieflandstreifen gesäumt, sind jedoch streckenweise auch felsig und steil. Rund 31% der Landfläche sind bewaldet.
Das Klima ist stark ozeanisch beeinflusst; nördlich des Tejo ist es kühler und feuchter als im heißeren, trockeneren Süden. Deshalb ist die Vegetation im Norden durch sommergrüne Laubbäume und Koniferen vertreten, im Süden findet man eine mediterrane Pflanzenwelt mit immergrünen Hartlaubgewächsen, Steineiche, Korkeiche, Pinie, Myrte, Lorbeer, Oleander.
Die Bevölkerung besteht fast ausschließlich aus Portugiesen, die zu 90% der römisch-katholischen Kirche angehören. Die größte Bevölkerungsdichte besteht an der Küste und in den Tälern im Norden, während das Binnenland dünn besiedelt ist. 36% der Bevölkerung leben auf dem Land, aber es ist eine starke Abwanderung in die Städte erkennbar.

Politik und Verfassung
Nach der mehrfach geänderten Verfassung von 1976 ist Portugal eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der Präsident, der vom Volk auf 5 Jahre gewählt wird; eine einmalige Wiederwahl ist zulässig.
Das Einkammerparlament mit 230 Abgeordneten, die "Versammlung der Republik", wird nach dem Verhältniswahlrecht auf 4 Jahre gewählt.
Traditionsreichste Partei Portugals ist die 1921 gegründete Kommunistische Partei. Sie hat die Führungsrolle im linken Wahlbündnis Demokratische Einheitskoalition. Die 1973 gegründete Sozialistische Partei orientiert sich stark am Programm der deutschen SPD. In der Mitte des Parteienspektrums steht die bürgerlich-liberale Sozialdemokratische Partei. Nationalkonservativ ist die Volkspartei.
1986 wurde Portugal Mitglied der Europäischen Gemeinschaft.
1992 stimmte das Parlament dem Maastrichter Vertrag über die Europäische Union zu.

Wirtschaft
Seit dem Beitritt Portugals zur Europäischen Gemeinschaft 1986 ist die wirtschaftliche Entwicklung durch einen kräftigen Aufschwung gekennzeichnet. Bis dahin war die Wirtschaftsstruktur durch eine rückständige Landwirtschaft, unzulängliche Energieversorgung und unzureichende Infrastruktur geprägt. Gleichzeitig hatte die ab 1975 erfolgte Verstaatlichung der wichtigsten Wirtschaftszweige einen starken Rückgang der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion, hohe Inflationsraten und steigende Arbeitslosigkeit zur Folge. Durch die Verfassungsänderungen 1982 und 1989 wurde die Grundlage für eine völlige Reprivatisierung geschaffen.
Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Erwerbszweig, sie beschäftigt 14% der Erwerbstätigen. Im Norden herrschen bäuerliche Klein- und Kleinstbetriebe vor, im Süden agrarische Großbetriebe. Es werden Weizen, Mais, Hafer, Roggen, Gerste und Kartoffeln angebaut; in einigen Landesteilen überwiegt der Wein-, Oliven-, Obst- und Reisanbau. Trotzdem muss ein beträchtlicher Teil der benötigten Nahrungsmittel eingeführt werden. Im Norden des Landes konzentriert sich die Viehzucht auf Rinder und Ziegen, im Süden auf Schafe, Esel und Maultiere. Die großen Bestände von Korkeichen machen Portugal zum führenden Korklieferanten der Erde (etwa 50% der Welterzeugung); außerdem werden Hölzer und Harze ausgeführt. Der Fischfang hat erhebliche Bedeutung.
Die Bodenschätze, Eisen-, Zinn-, Uran- und Wolframerze, eisen- und kupferhaltige Pyrite, werden meist ausgeführt. Die Energieerzeugung wurde durch den Bau von Stauanlagen mit Wasserkraftwerken erheblich verbessert. Die Industrie wird allmählich ausgebaut. Der wichtigste Industriezweig ist die Textilindustrie. An weiteren Industriezweigen kommen Korkverarbeitung, Eisen-, Stahl-, Metall- und petrochemische Industrie hinzu sowie die Erzeugung von Fischkonserven, Maschinen, Dünge- und Arzneimitteln, Zement, Glas, Papier, die Montage von Kraftfahrzeugen und der Schiffbau.

Der Fremdenverkehr, der sich seit etwa 1965 vor allem in der Algarve und auf der Insel Madeira entwickelte, ist ein bedeutender Devisenbringer des Landes.                            
Das Verkehrsnetz ist außer an dern Küste und in den Tälern recht weitmaschig. Die Binnenschifffahrt ist auf die Unterläufe der Flüsse beschränkt; wichtigste Häfen sind Lissabon, Porto, Setúbal und Aveiro. Durch den zunehmenden Fremdenverkehr entwickelt sich der Luftverkehr rasch. Internationale Flughäfen gibt es außer in Lissabon, Porto und Faro auch auf den Azoren (Ponta Delgada) und auf Madeira (Funchal).

Geschichte
Das von einer iberisch-keltischen Mischbevölkerung bewohnte Gebiet des heutigen Portugal, in dessen Süden karthagische Kolonien lagen, wurde 72 v. Chr. römische Provinz. Seit dem 5. Jh. im Norden von germanischen Alanen und Sueben besiedelt, wurde es 585 westgotisch, 711 arabisch. Im 9. Jh. begann die Rückeroberung.

Portucalia, eine Grenzgrafschaft im Norden, stand seit 1095 unter der Herrschaft Heinrichs von Burgund, dessen Sohn Alfons Heinrich sich 1139 König (Alfons I.) nannte und die Selbständigkeit Portugals begründete. Gemeinsam mit deutschen und englischen Kreuzfahrern eroberte er im Kampf gegen die Araber 1147 Lissabon; 1260 wurde Lissabon Residenz, 1267 wurde die bis heute gültige Grenze mit Spanien festgelegt. Alfons IV. ließ im  14.Jh. die atlantischen Entdeckungsfahrten in größerem Umfang beginnen. Der Windsorvertrag von 1386 leitete die lange prägende Anlehnung an England ein. Dem ausgestorbenen burgundischen Herrscherhaus folgte dann im 15.Jh. die Nebenlinie Aviz mit Johann I.
1415 begann die Eroberung nordafrikanischen Gebiets, später folgte die Ausbreitung an der Küste Westafrikas (Heinrich der Seefahrer). Ende des 15. Jh. erreichten die Portugiesen das Kap und ließen sich nach der Entdeckung des Seewegs nach Indien (Vasco da Gama) dort in Handelskolonien nieder. Zum asiatischen und afrikanischen Kolonialbesitz kam das 1499 entdeckte Brasilien. Gewaltiger Reichtum floss infolge des Kolonialhandels nach Portugal; doch auf die Dauer zeigte sich, dass das kleine Portugal eine zu schmale Basis für das Kolonialreich hatte.
Als die Spanier Portugal annektierten, wurde es in die spanisch-englisch-niederländische Auseinandersetzung hineingezogen. Die Molukken, Ceylon und zeitweilig der Nordosten Brasiliens gingen an die Holländer verloren. Die Lösung der Vereinigung mit Spanien kam zu spät. Im Innern kam der Klerus zur Herrschaft; die Wirtschaft wurde noch mehr von England abhängig; der größte Teil des Kolonialbesitzes war an die Niederländer und Engländer verloren gegangen. 1807 musste der portugiesische Hof vor Napoleon I. nach Brasilien fliehen. Mit englischer Hilfe wurden die Franzosen vertrieben; Johann VI. kam aber erst 1821 aus Brasilien zurück. Es begann ein langer Streit um die Staatsform der konstitutionellen Monarchie. Nach vorübergehender Stabilisierung der inneren Verhältnisse ging der Verfall weiter. Karl I. wurde 1908 ermordet und der danach auf dem Thron folgende Manuel II. 1910 abgesetzt.
Portugal wurde Republik. Die parlamentarische Demokratie konnte sich nicht durchsetzen, es kam zu Unruhen und Putschen. Seit 1928 errichtete Salazar (1932-1968 Ministerpräsident) einen autoritär-korporativen Einparteienstaat. 1939 schloss Portugal mit Spanien den Iberischen Pakt. Es trat 1949 der NATO, 1955 den UN und 1960 der EFTA bei. Salazars Nachfolger M. Caetano setzte dessen repressive Politik fort. Seit den 1960er Jahren führte Portugal gegen die Unabhängigkeitsbewegungen in seinen afrikanischen Besitzungen einen verlustreichen Kolonialkrieg, der auf zunehmende Kritik bei der Bevölkerung und bei Teilen der Armee stieß.
1974 wurde die Diktatur von einer "Bewegung der Streitkräfte" (MFA), das waren vor allem jüngere Offiziere, gestürzt. Demokratische Verhältnisse wurden wiederhergestellt, die Kolonien größtenteils 1974/75 in die Unabhängigkeit entlassen.
Im MFA bestimmten zunächst sozialrevolutionär orientierte Kräfte, die eine sozialistische Entwicklung anstrebten. Insbesondere wurde eine Landreform eingeleitet. Nach fehlgeschlagenen rechts- und linksradikalen Putschversuchen setzten sich Ende 1975 gemäßigte Gruppen durch. Die Präsidentenwahl gewann 1976 General R. Eanes, der sich die Festigung der pluralistischen Demokratie zur Aufgabe machte. Die ersten Parlamentswahlen fanden 1976 statt. Sie machten die Sozialisten zur stärksten Partei, erbrachten aber keine klaren Mehrheitsverhältnisse. Daher wurden 1979 vor dem Ablauf der Legislaturperiode Neuwahlen abgehalten. Auch in der Folgezeit waren vorgezogene Neuwahlen die Regel.
1986 wurde Portugal Mitglied der Europäischen Gemeinschaft.
Seit 1987 konnte sich die sozialdemokratische Regierung unter A.
Cavaco Silva - als erste seit dem Sturz der Diktatur - auf eine absolute Mehrheit im Parlament stützen. 1992 stimmte das Parlament dem Maastrichter Vertrag über die Europäische Union zu. Aus den Parlamentswahlen 1995 gingen die Sozialisten als stärkste Partei hervor. Ihr Führer A. Guterres bildete eine Minderheitsregierung. Die Präsidentschaftswahlen 1996 gewann der sozialistische Kandidat J. Sampaio. Nach den Parlamentswahlen 1999 setzte Guterres die sozialistische Alleinregierung fort. Im Dezember 1999 erfolgte auf der Grundlage eines 1987 abgeschlossenen Vertrages die Übergabe Macaos an China. Bei den Präsidentschaftswahlen im Januar 2001 wurde Sampaio im Amt bestätigt. Nach der schweren Niederlage der Sozialisten bei den Kommunalwahlen im Dezember 2001 erklärte Guterres seinen Rücktritt. Vorgezogene Parlamentswahlen 2002 gewann die Sozialdemokratische Partei, Durão Barroso wurde neuer Ministerpräsident an der Spitze einer Koalitionsregierung. Nach der Nominierung Durão Barrosos zum Präsidenten der EU-Kommission berief Staatspräsident Sampaio 2004 P. Santana Lopes zum neuen Regierungschef. 2006 wählten ungefähr 8,9 Millionen Portugiesen einen neuen Präsidenten, Aníbal Cavaco Silva. Der 66-jährige Wirtschaftsprofessor wurde damit der erste bürgerliche Präsident in Portugal seit 1974. Er wurde am 9. März 2006 für fünf Jahre in sein Amt eingeführt.

Seite erstellt: 2004
Seite geändert: 04.03.2010

 

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