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Die Erde und ihre Länder
Europa - Portugal
Hauptstadt:
Lissabon
Portugal
Politik und Verfassung
Nach der mehrfach geänderten Verfassung von 1976 ist Portugal
eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der Präsident, der vom Volk
auf 5 Jahre gewählt wird; eine einmalige Wiederwahl ist zulässig.
Das Einkammerparlament mit
230 Abgeordneten, die "Versammlung der
Republik", wird nach dem Verhältniswahlrecht auf 4 Jahre gewählt.
Traditionsreichste Partei Portugals ist die 1921 gegründete
Kommunistische Partei. Sie hat die
Führungsrolle im linken Wahlbündnis Demokratische Einheitskoalition. Die 1973 gegründete Sozialistische Partei orientiert sich stark am Programm der deutschen SPD. In der
Mitte des Parteienspektrums steht die bürgerlich-liberale Sozialdemokratische
Partei.
Nationalkonservativ ist die Volkspartei.
1986 wurde Portugal Mitglied der Europäischen Gemeinschaft.
1992 stimmte das Parlament dem Maastrichter Vertrag über die
Europäische Union zu.
Wirtschaft
Seit dem Beitritt Portugals zur Europäischen Gemeinschaft 1986
ist die wirtschaftliche Entwicklung durch einen kräftigen Aufschwung
gekennzeichnet. Bis dahin war die Wirtschaftsstruktur durch eine rückständige
Landwirtschaft, unzulängliche Energieversorgung und unzureichende Infrastruktur
geprägt. Gleichzeitig hatte die ab 1975 erfolgte Verstaatlichung der wichtigsten
Wirtschaftszweige einen starken Rückgang der industriellen und
landwirtschaftlichen Produktion, hohe Inflationsraten und steigende
Arbeitslosigkeit zur Folge. Durch die Verfassungsänderungen 1982 und 1989 wurde
die Grundlage für eine völlige Reprivatisierung geschaffen.
Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Erwerbszweig,
sie beschäftigt 14% der Erwerbstätigen. Im Norden herrschen bäuerliche Klein-
und Kleinstbetriebe vor, im Süden agrarische Großbetriebe. Es werden Weizen,
Mais, Hafer, Roggen, Gerste und Kartoffeln angebaut; in einigen Landesteilen
überwiegt der Wein-, Oliven-, Obst- und Reisanbau. Trotzdem muss ein
beträchtlicher Teil der benötigten Nahrungsmittel eingeführt werden. Im Norden
des Landes
konzentriert sich die Viehzucht auf Rinder und Ziegen, im Süden auf Schafe, Esel und
Maultiere. Die großen Bestände von Korkeichen machen Portugal zum führenden
Korklieferanten der Erde (etwa 50% der Welterzeugung); außerdem werden Hölzer
und Harze ausgeführt. Der Fischfang hat
erhebliche Bedeutung.
Die Bodenschätze,
Eisen-, Zinn-, Uran- und Wolframerze, eisen-
und kupferhaltige Pyrite, werden meist ausgeführt. Die Energieerzeugung wurde
durch den Bau von Stauanlagen mit Wasserkraftwerken erheblich verbessert. Die
Industrie wird allmählich ausgebaut. Der
wichtigste Industriezweig ist die Textilindustrie. An weiteren Industriezweigen kommen
Korkverarbeitung, Eisen-, Stahl-, Metall- und petrochemische Industrie hinzu
sowie die Erzeugung von Fischkonserven, Maschinen, Dünge- und Arzneimitteln,
Zement, Glas, Papier, die Montage von Kraftfahrzeugen und der Schiffbau.
Der Fremdenverkehr, der sich seit etwa 1965 vor allem in der
Algarve und auf der Insel Madeira entwickelte, ist ein bedeutender
Devisenbringer des Landes.
Das Verkehrsnetz ist außer an dern Küste und in
den Tälern
recht weitmaschig. Die Binnenschifffahrt ist auf die Unterläufe der Flüsse
beschränkt; wichtigste Häfen sind Lissabon, Porto, Setúbal und Aveiro. Durch den
zunehmenden Fremdenverkehr entwickelt sich der Luftverkehr rasch. Internationale
Flughäfen gibt es außer in Lissabon, Porto und Faro auch auf den Azoren (Ponta
Delgada) und auf Madeira (Funchal).
Geschichte
Das von einer iberisch-keltischen Mischbevölkerung
bewohnte Gebiet des heutigen Portugal, in dessen Süden karthagische Kolonien
lagen, wurde 72 v. Chr. römische Provinz. Seit dem 5. Jh. im Norden von
germanischen Alanen und Sueben besiedelt, wurde es 585 westgotisch, 711
arabisch. Im 9. Jh. begann die Rückeroberung.
Portucalia,
eine Grenzgrafschaft im Norden, stand seit 1095
unter der Herrschaft Heinrichs von Burgund, dessen Sohn Alfons Heinrich
sich 1139 König (Alfons I.) nannte und die Selbständigkeit Portugals begründete.
Gemeinsam mit deutschen und englischen Kreuzfahrern eroberte er im Kampf gegen die Araber
1147 Lissabon; 1260 wurde Lissabon Residenz, 1267 wurde die bis heute gültige
Grenze mit Spanien festgelegt. Alfons IV. ließ im
14.Jh. die atlantischen Entdeckungsfahrten in
größerem Umfang beginnen. Der Windsorvertrag von 1386 leitete die lange prägende Anlehnung an
England ein. Dem ausgestorbenen burgundischen Herrscherhaus
folgte dann im 15.Jh. die Nebenlinie Aviz mit Johann I.
1415 begann die Eroberung nordafrikanischen Gebiets,
später folgte die Ausbreitung an der Küste Westafrikas (Heinrich der Seefahrer). Ende des 15. Jh. erreichten die
Portugiesen das Kap und ließen sich nach der Entdeckung des
Seewegs nach Indien (Vasco da Gama) dort in Handelskolonien nieder. Zum asiatischen und
afrikanischen Kolonialbesitz kam das 1499 entdeckte
Brasilien. Gewaltiger Reichtum floss infolge des Kolonialhandels nach Portugal;
doch auf die Dauer zeigte sich, dass das kleine Portugal eine zu schmale Basis
für das Kolonialreich hatte.
Als die Spanier Portugal annektierten, wurde es in die
spanisch-englisch-niederländische Auseinandersetzung hineingezogen. Die
Molukken, Ceylon und zeitweilig der Nordosten Brasiliens gingen an die Holländer
verloren. Die Lösung der Vereinigung mit Spanien kam zu
spät. Im Innern kam der Klerus zur Herrschaft; die Wirtschaft wurde noch mehr von England abhängig; der größte Teil des
Kolonialbesitzes war an die Niederländer und Engländer verloren gegangen. 1807 musste der portugiesische Hof vor Napoleon I. nach Brasilien fliehen. Mit englischer Hilfe wurden
die Franzosen vertrieben; Johann VI. kam aber erst 1821 aus Brasilien zurück. Es
begann ein
langer Streit um die Staatsform der konstitutionellen Monarchie. Nach vorübergehender
Stabilisierung der inneren Verhältnisse ging
der Verfall weiter. Karl I. wurde 1908 ermordet und der danach auf dem Thron
folgende Manuel II. 1910 abgesetzt.
Portugal wurde Republik. Die parlamentarische Demokratie konnte
sich nicht durchsetzen, es kam zu Unruhen und Putschen. Seit 1928 errichtete Salazar (1932-1968 Ministerpräsident)
einen autoritär-korporativen Einparteienstaat. 1939 schloss
Portugal mit Spanien den Iberischen Pakt. Es trat 1949 der NATO, 1955 den UN und
1960 der EFTA bei. Salazars Nachfolger M. Caetano setzte dessen repressive Politik fort. Seit
den 1960er Jahren führte Portugal gegen die Unabhängigkeitsbewegungen in seinen
afrikanischen Besitzungen einen verlustreichen Kolonialkrieg, der auf zunehmende
Kritik bei der Bevölkerung und bei Teilen der Armee stieß.
1974 wurde die Diktatur von einer "Bewegung der
Streitkräfte" (MFA), das waren vor allem jüngere Offiziere, gestürzt.
Demokratische Verhältnisse wurden wiederhergestellt, die Kolonien größtenteils
1974/75 in die Unabhängigkeit entlassen.
Im MFA bestimmten
zunächst sozialrevolutionär orientierte Kräfte, die eine sozialistische Entwicklung anstrebten. Insbesondere wurde
eine Landreform eingeleitet. Nach fehlgeschlagenen rechts- und linksradikalen
Putschversuchen setzten sich Ende 1975 gemäßigte Gruppen durch. Die
Präsidentenwahl gewann 1976 General R. Eanes, der sich die Festigung der pluralistischen Demokratie zur
Aufgabe machte. Die ersten Parlamentswahlen fanden 1976 statt. Sie machten die
Sozialisten zur stärksten Partei, erbrachten aber keine klaren
Mehrheitsverhältnisse. Daher wurden 1979 vor dem Ablauf der Legislaturperiode
Neuwahlen abgehalten. Auch in der Folgezeit waren vorgezogene Neuwahlen die
Regel.
1986 wurde Portugal Mitglied der Europäischen Gemeinschaft.
Seit 1987 konnte sich die
sozialdemokratische Regierung unter A. Cavaco Silva - als erste seit dem Sturz der Diktatur - auf eine
absolute Mehrheit im Parlament stützen. 1992 stimmte das Parlament dem Maastrichter Vertrag über die
Europäische Union zu. Aus den Parlamentswahlen 1995 gingen die Sozialisten als
stärkste Partei hervor. Ihr Führer A. Guterres bildete eine Minderheitsregierung. Die
Präsidentschaftswahlen 1996 gewann der sozialistische Kandidat J.
Sampaio. Nach den Parlamentswahlen 1999 setzte Guterres die
sozialistische Alleinregierung fort. Im Dezember 1999 erfolgte auf der Grundlage
eines 1987 abgeschlossenen Vertrages die Übergabe Macaos an China. Bei den
Präsidentschaftswahlen im Januar 2001 wurde Sampaio im Amt bestätigt. Nach der
schweren Niederlage der Sozialisten bei den Kommunalwahlen im Dezember 2001
erklärte Guterres seinen Rücktritt. Vorgezogene Parlamentswahlen 2002 gewann die
Sozialdemokratische Partei, Durão Barroso wurde neuer Ministerpräsident an der Spitze einer
Koalitionsregierung. Nach der Nominierung Durão Barrosos zum
Präsidenten der EU-Kommission berief Staatspräsident Sampaio 2004 P. Santana
Lopes zum neuen Regierungschef.
2006 wählten ungefähr 8,9 Millionen Portugiesen einen neuen Präsidenten,
Aníbal
Cavaco Silva. Der 66-jährige
Wirtschaftsprofessor wurde damit der erste bürgerliche Präsident in Portugal
seit 1974. Er wurde am 9. März 2006 für fünf Jahre in
sein Amt eingeführt.
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