

Die Erde und ihre Länder
Europa - Polen
Hauptstadt: Warschau
| Offizieller Name | Republik Polen |
| KFZ-Kennz. | PL |
| Fläche | 312 683 qkm |
| Einwohner | 38,0 Mio. |
| Hauptstadt | Warschau |
| Zeitzone | Mitteleuropäische Zeit |
| Amtssprache | Polnisch |
| Währung | 1 Zloty = 100 Groszy |
Das Land wurde während
der Eiszeit zum größten Teil zum
Tiefland geformt, sodass fast drei Viertel des gesamten Gebietes weniger als
200 m Höhe erreichen. Von der Ostseeküste steigt das Land nach Süden über die breit
ausgebildete Tieflandzone mit dem Baltischen Landrücken und dem Mittelpolnischen
Tiefland bis zu den schmalen Mittelgebirgsregionen der Sudeten und Kleinpolnischen
Hochfläche an. Im äußersten Süden greifen die Ausläufer der Karpaten auf Polen
über. Die Jungmoränenlandschaft des Baltischen Landrückens mit ihren zahlreichen
Seen wird durch die Weichselniederung in die Pommersche Seenplatte im Westen und
die Masurische Seenplatte im Osten gegliedert. Die Hauptflüsse Weichsel und Oder
fließen von Süden nach Norden; das Land gehört fast ausschließlich zum
Einzugsbereich der Ostsee.
Polen wartet mit einem der schönsten Abschnitte der Ostseeküste
auf: bis zu 60 m hohe Dünenwälle, von Strandhafer und Kiefernwäldchen am Wandern
gehindert, vereinzelt auch Steilhänge, dazu sandige Nehrungen, wie die Frische
Nehrung oder die Halbinsel Hela, mit abgeriegelten Buchten, seichten Haffen oder
abgeschlossenen Strandseen. An der weit ins Land reichenden Mündungsbucht der
Oder sowie im Mündungsdelta der Weichsel liegen Stettin, Danzig und Gdingen.
Danzig
(polnisch Gdansk) ist eine bedeutende Hafen- und Handelsstadt in Polen
und Hauptstadt der Wojewodschaft Pomorskie, die Stadt liegt am Zusammenfluss von Mottlau und Toter Weichsel.
Der Stadtkern war vor der Zerstörung (Ende März 1945) ein
Kleinod der Baukunst des Mittelalters und der Renaissance, mit prächtigen
Häuserfronten und Toren, überragt von der Marienkirche (14./15. Jh.). Die Altstadt wurde
inzwischen mit ihren wertvollsten Bauwerken historisch getreu wieder aufgebaut.
Danzig hat mehrere staatliche und private Hochschulen (u. a.
Universität, gegründet 1970) und Theater und ist katholischer Bischofssitz. Mit
Gdynia und Sopot bildet Danzig heute eine Stadtregion.
Im Hinterland der Küste schließt sich eine typische Moränenlandschaft mit Wäldern und Gewässern an: die Seenplatte Pommerns, Pommerellens und Masurens. In Masuren durchbrechen immer noch - wie im Volkslied besungen - wilde Schwäne mit ihrem rauschenden Flügelschlag die nächtliche Stille, und Störche zieren mit ihren Nestern Bauernhäuser und Kirchtürme. In dieser an urwüchsig herben Naturschönheiten reichen, an fruchtbarem Boden jedoch armen Region sind unzählige kleinere und größere Seen zwischen dunklen Wäldern und grünen Wiesen versteckt. Die Seen sind größtenteils durch Flüsse und Kanäle miteinander verbunden. Das "Masurische Meer", der Spirdingsee, ist mit einer Fläche von 122 km² Polens größter Binnensee und Heimat einer größeren Zahl der zwischenzeitlich selten gewordenen, inzwischen in ihren Beständen aber wieder stabilisierten Graureiher. Bei Lötzen befindet sich auf der Hohen Insel ein großes Naturschutzgebiet für Kormorane - Polen ist ein Land mit ausgeprägtem Natur- und Landschaftsschutz.
Das sehr niedrig gelegene Mittelpolnische Tiefland bietet ein
von den Eiszeiten geformtes Landschaftsbild: Flache Lehmplatten werden von
breiten, sanderfüllten, vielfach auch versumpften Talfurchen - den Urstromtälern
- zerschnitten. Dort, wo im Vorland von Endmoränen Geröll und Sand, so genannte
Sander abgelagert wurden, dehnen sich heute Heideflächen aus, die wie die
Tucheler und Johannisburger Heide von Kiefernwäldern bestanden sind. Wo sich
jedoch Schmelzwasser sammelte, entstanden breite Urstromtäler, denen heute
teilweise Oder und Netze, Warthe, Weichsel und Bug folgen. Mittelpolen ist
überwiegend ein ausgedehntes Ackerbaugebiet mit einigen bewaldeten Hügeln.
Östlich der Weichsel finden sich jedoch noch nahezu unberührte, riesige Wälder
mit altem Baumbestand. Ein Paradies besonderer Art ist die Puszcza Kampinoska in
Masowien, ein Wald-, Sumpf- und Dünengebiet zwischen der Weichsel und ihrem
Nebenfluss Bzura, in dem Elche, Wölfe, Füchse und Wildschweine ein beschütztes
Dasein führen. Da die Weichsel inzwischen so verschmutzt ist, dass sie bereits
als "toter Fluss" gilt, sind die Tage des Paradieses allerdings gezählt.
Über der niederschlesischen Lößebene im Südwesten erhebt sich
das bewaldete Gebirgsland der Sudeten. Das Riesengebirge mit der 1602 m hohen
Schneekoppe ist der bekannteste Teil der 300 km langen Bergkette der Sudeten.
Hier leben in einem großen Naturschutzpark unter anderem noch Mufflons. Östlich
der Oder setzt sich das Mittelgebirge in der Kleinpolnischen Hochfläche
fort.
Die südöstliche Grenze Polens bilden die Karpaten, die über
eine von Flüssen durchzogene Hügellandschaft zu den Gebirgsketten der Hohen
(West-)Beskiden, der Hohen Tatra und der Niederen (Ost-)Beskiden ansteigen. Die
sanften Kuppen der Beskiden sind dicht bewaldet, nur wenige Gipfel ragen über
die Waldgrenze hinaus - so der Babia Góra (1725 m) in den Hohen Beskiden. In den
Niederen Beskiden finden sich in einem Nationalpark noch unberührte Urwälder mit
Bären, Wölfen, Wisenten und Luchsen.
Eiszeitlich überformte Gipfel, durch Gletschererosion
verbreiterte und übertiefte Täler sowie tosende Wasserfälle verleihen der Hohen
Tatra Hochgebirgscharakter. Über dunkle Fichten- und Lärchenwälder, auf die in
höheren Lagen grüne Almen mit ihren im Herbst rot leuchtenden Vogelbeerbäumen
folgen, erheben sich kahle Felsgipfel mit schroffen Wänden, Graten und Karen, in
die malerische, kristallklare Bergseen, die so genannten Meeraugen, eingebettet
sind. Der höchste Berg ist mit 2499 m der Rysy (Meeraugspitze).
Das Klima
ist beständig wechselhaft. Der geographischen Lage entsprechend liegt Polen im
Übergangsbereich zwischen ozeanisch geprägtem mitteleuropäischen und
kontinentalem osteuropäischen Klima. Da natürliche Lufthindernisse fehlen, ist
der Verlauf der Jahreszeiten bei meist unbeständigem Wetter recht
unterschiedlich. Die Winter sind entweder trocken kalt mit langen, jedoch meist
von Tauwetter unterbrochenen Frostperioden oder warm und feucht. Die
Niederschläge fallen
vorwiegend in den verhältnismäßig warmen Sommern, in denen Temperaturen von
30 °C keine Seltenheit sind. Klimatisch liegt Polen im Übergangsbereich von ozeanisch
geprägtem mitteleuropäischem und kontinentalem osteuropäischem Klima.
99 % der Bewohner sind Polen, die stärksten ethnischen
Minderheiten stellen Deutsche, deren Zahl auf rd. 400 000 geschätzt wird, sowie
Ukrainer (300 000) und Weißrussen (200 000). 96% gehören der
römisch-katholischen Kirche an, die traditionell eine bedeutende Rolle in der
Gesellschaft spielt. Die Bevölkerung ist sehr ungleichmäßig verteilt. Am
dichtesten besiedelt sind die zentralpolnischen Ballungsräume um Warschau und
Lódz sowie der südliche Landesteil mit dem oberschlesischen Industriegebiet und
der Region Krakau.
Wichtigstes Transportmittel ist noch immer die Eisenbahn. Der
Anteil der Kraftfahrzeuge an der Gesamtverkehrsleistung nimmt aber rasch zu. Die
größten Seehäfen sind Stettin, Gdynia und Danzig; die wichtigsten Flughäfen
befinden sich in Warschau, Lódz und Breslau.
Für Polen, dessen Regierung nie kapituliert und dessen staatliche und militärische Strukturen selbst unter der deutschen Besatzung im Untergrund weiterbestanden hatten, war von Anfang an klar: Warschau musste - koste es, was es wolle - wieder aufgebaut werden. Doch die Architektengeneration, die nach 1945 in den Trümmern der Stadt ihre Chance sah, wollte das bürgerliche Warschau der Vorkriegszeit nicht nachahmen - ein neues, modernes Warschau sollte entstehen. Für dieses Ansinnen musste Raum geschaffen werden, sodass selbst die wenigen noch erhaltenen Bauten der Vorkriegszeit der Spitzhacke geopfert wurden. Es gab auch Ausnahmen, z.B. die Altstadt von Warschau. Für deren Wiederaufbau wurden der Stadtplan aus dem Mittelalter und die Architektur des 18. Jh. zugrunde gelegt.
Die Hauptstadt Warschau war, ist und bleibt die am stärksten pulsierende Metropole dieses Landes. Hier dreht sich alles um den Neubeginn, Aufbau und Wachstum. Hier spürt man allerdings auch, dass diese Impulse nicht von dieser Stadt selber gesendet werden. Sie macht eher einen überforderten Eindruck, als ob sie den Trends und den Ansprüchen der Zeit irgendwie nacheifern würde. Als ob eine „fremde“ Kraft hier die Fäden in der Hand hätte. Hier sieht man moderne Wolkenkratzer neben alten Backstein-Hausfassaden, die durch die auffallenden Einschusslöcher stark an die Vergangenheit erinnern. Hier reihen sich arme Straßenverkäufer und Handwerker an neue, schicke Einkaufszentren. Ein bunter, spannender Fleckerlteppich, der in einem Rahmen aus Hoffnung ein prächtiges Kunstwerk bildet, das man besonders bei einem Spaziergang durch die Innenstadt und am östlichen Ufer der Weichsel auf sich wirken lassen kann.
Krakau
Krakau
liegt südwestlich von Warschau, es war der Krönungsort der polnischen Könige und
vom 12.-17. Jh. polnische Hauptstadt und zudem
Universitätsstadt. Hier war das einstige jüdische Viertel Kazimierz mit Stara Synagoga aus dem
14. Jh. Polen war im ausgehenden Mittelalter die politische und militärische
Führungsmacht in Osteuropa. Der Wawel in Krakau war bis 1596 die Residenz der
polnischen Könige. Nachdem Polen zuvor schon Gebiete verloren hatte, teilten
jedoch 1795 Russland, Preußen und Österreich das Land unter sich auf. "Finis
Poloniae" hieß es damals -"Das Ende Polens ist gekommen". Doch das Volk hörte
nicht auf, gegen dieses scheinbar unabänderliche Schicksal zu rebellieren.
Aus welcher Richtung man auch immer die Altstadt von Krakau
betritt - zum Marktplatz ist es nicht weit. "In Krakau wanderte jeder Einwohner
mindestens fünfmal am Tag über den Marktplatz. Ob zur Bank oder ins Café, wohin
er auch ging - er musste den Markt überqueren. Und wo immer er sich befand,
überall erreichten ihn die vier Uhren und die Trompetenstöße des Türmers der
Marienkirche", erinnerte sich der Krakauer Autor Tadeusz Boy-Z?elénski an seine
Heimatstadt zur Jahrhundertwende. Auch wenn die Stadt am Fuße des Wawel-Berges
sich seitdem verändert hat, das Herz des alten und neuen Krakau schlägt immer
noch hier.
Der Rynek Gl/ówny, der Hauptmarkt, ist einer der schönsten
mittelalterlichen Plätze Europas - großzügig, weit und gar nicht erdrückend. Das
verdanken die Krakauer Boleslaw dem Keuschen. Mitte des 13. Jahrhunderts ließ er
der am Ufer der Weichsel liegenden Marktsiedlung, die beim Überfall der Tataren
schwer gelitten hatte, mit einem großen Marktplatz als Mittelpunkt städtischen
Lebens ein neues Gesicht geben: ein Geviert von 200 mal 200 Metern, auf das von
allen Seiten geräumige Straßen zuliefen. Sie teilten die Stadt in ein
Schachbrett von quadratischen Häuserblocks, die eine ringförmige Wallanlage
umgab. An ihrer Stelle trennt heute eine ringförmige Parkanlage die Altstadt von
den anderen Stadtvierteln.
Rings um den Platz wuchsen zweistöckige, reich verzierte
Bürgerhäuser mit schmalen Fronten und tiefen Höfen; unten befanden sich
Werkstätten, oben die Wohnräume. Bereits in der Gotik errichtet, hat man sie
später im Stil der jeweiligen Epoche umgestaltet. Herrscht auch der Eindruck
strenger Renaissance vor, sind Ausschmückungen an der Fassade oft von
verspieltem Barock geprägt. Auch für das mittelalterliche Rathaus, von dem
lediglich noch der Turm steht, und für mehrere Kirchen bot der Platz genügend
Raum. Und natürlich war an die Händler gedacht, denn Krakau lag am
Kreuzungspunkt mehrerer großer Handelsstraßen. Statt zahlreicher kleiner Buden
entstand die 100 Meter lange Tuchhalle, "Sukiennice". Sie ist heute neben der
Marienkirche d e r Blickfang der Altstadt.
Dass der Stadtkern in seiner historischen Form so vollkommen erhalten blieb -
die deutschen Besatzungstruppen hatten die Altstadt bereits vermint, als die
Rote Armee 1945 durch ein überraschendes Manöver die Sprengung verhinderte -
macht den Reiz der Stadt aus. Doch das mittelalterliche Kleinod hat auch mit
Umweltbelastungen zu kämpfen. Sie machen sich nicht zuletzt durch das am
Stadtrand gelegene Stahlwerk Nowa Huta bemerkbar. So fielen die mächtigen
Apostelfiguren an der St.-Peter-und-Paulus-Kirche, dem ersten Barockgebäude der
Stadt, der Luftverschmutzung zum Opfer. Sie wurden durch Kopien ersetzt, die nun
alljährlich chemisch gereinigt werden müssen.
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