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Die Erde und ihre Länder
Europa - Österreich / Tirol

 

Einige interessante Informationen zu Ötzi, dem Mann aus dem Eis

Ötzis Steinzeitküche
                  
Winzige Überreste und Flecke auf den Werkzeugen geben Aufschluss  über seinen Speiseplan

Ötzi, der vor 5000 Jahren in den Alpen umgekommene Mann der Steizeit, war mit allerlei nützlichen Gerätschaften ausgestattet, als er sich in die einsame Gegend um das mehr als 3000 Meter hohe Hauslabjoch aufmachte. Er war Jäger und Hausmann, musste Erlegtes fein säuberlich zerteilen, reinigen, portionieren und zu guter Letzt noch schmackhaft zubereiten. Doch wie hat er seine Jagdinstrumente eingesetzt, welche Tiere damit erlegt und was sonst gegessen?

Solche Fragen ließen Tom Loy, einen Molekular-Archäologen am Zentrum für Molekular- und Zellbiologie der University of Queensland in Australien, nicht ruhen. Über Jahre hinweg hatte der Forscher mit selbst hergestellten urgeschichtlichen Werkzeugen Tiere zerlegt oder ähnliche Alttagssituationen nachgeahmt. Dabei hatte er herausgefunden, dass spezielle Gebrauchstechniken ein stetig wiederkehrendes Muster an Rückständen hinterlassen.
Loy hoffte, dass auch der so lange im Eis eingeschlossene Fund brauchbare Gewebe- oder Blutspuren aufweisen würde. Und tatsächlich sollte sich seine Reise aus dem australischen Busch ins Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz als äußerst ergiebig erweisen.

Er betrachtete die verschiedensten Rückstände auf Ötzis Werkzeugen mit dem Mikroskop und fotografierte sie. Auf einem der beiden Pfeile, die der Gletschermann mit sich trug, ließen sich Blutproteine nachweisen. Es erwies sich, dass der Pfeilschaft rund 30 Zentimeter in das zuletzt erlegte Beutetier eingedrungen sein musste - so weit reichten die Blutspuren auf dem Holz. Daraus schließt Loy auf ein verhältnismäßig großes Opfer, zum Beispiel auf eine Gemse oder auf eine Bergziege.

Auch die Kupferaxt verriet einiges von dem Speiseplan es Steinzeitmanns. Haare, Reste von Eiweißen und einen zähen, grünlichen Rückstand ließen sich unter dem Mikroskop erkennen. Die zahlreichen kleinen, kreisrunden Objekte ähneln dem typischen Blutfilm eines Säugetiers. Der Steinzeitmann muss lt. Loy seine Axt zum Zerlegen des sperrigen Rumpfes seiner Beute benutzt haben
Ein weiterer Hinweis auf den Gebrauch dieses Werkzeugs als Küchengerät sind die über die gesamte Axt verstreuten Stärkekömchen. Viele dieser Körner befanden sich z.B. unter dem Leder an der Axt, demnach lockerte sich die Lederschnur um den Axtkopf während des Kochens. Es stand also gekochtes Getreide, womöglich eine der frühen Weizensorten, ebenfalls auf Ötzis Speiseplan.

Verschiedene Nutzungen konnte der Forscher an Ötzis Feuersteindolch nachweisen. Dessen dreikantige Klinge weist an einer Seite Reste von Kieselerde und ganz feinen Pflanzenhaaren auf; offenbar hatte der Steinzeitmann damit Gras geschnitten. Die gegenüberliegende Kante verwendete der Gletschermann zum Säubern der Knochen. Weitere Spuren deuten auf die Bearbeitung von Häuten und Geweihen hin.

Ötzis letzte Reise
                          

(nach: GEO 3/98)
Sieben Polizeiwagen, ein Hubschrauber und zwei Südtiroler Landesräte begleiteten den Gletschermann auf seiner letzten Reise von Innsbruck über den Brenner nach Bozen. Schärfste Sicherheitsvorkehrungen waren getroffen worden, da österreichische Nationalisten mit Attentaten gedroht hatten. Doch Ötzi traf unbehelligt in Bozen ein.
Streit um die Besitzrechte an dem einmaligen Fund gab es sofort, nachdem der Gletschermann im September 1991 am Hauslabjoch in den Alpen gefunden worden war. Strittig war, ob die Leiche auf österreichischer oder italienischer Seite gelegen hatte. Zwar schuf eine Grenzvermessung bald Klarheit, und so wurden den Südtirolern die Eigentumsrechte zugewiesen, doch die Mumie blieb
  zur wissenschaftlichen Untersuchung vorerst in Innsbruck.

Für rund sieben Millionen Mark bauten die Südtiroler ein ehemaliges Bankgebäude in Bozen um, sieben Millionen Mark wurden  in die Inneneinrichtung des Hauses gesteckt. Allein die für Ötzi  entwickelte Kühlkammer kostete drei Millionen Mark.
Im Südtiroler Archäologiemuseum wird auf vier Stockwerken verteilt die Geschichte Südtirols von der Steinzeit bis zum Frühmittelalter präsentiert. Besonderer Anziehungspunkt dürfte aber die Mumie des Gletschermannes sein, die der Besucher durch eine 40 mal 40 Zentimeter große Glasscheibe bei dezenter Beleuchtung bestaunen kann.
Die High-Tech-Kühlzelle konserviert Özis Überreste bei einer Temperatur von - 6°C und einer Luftfeuchtigkeit von 98 Prozent - Bedingungen, wie sie im Inneren eines Gletschers herrschen. Das schummerige Licht wird durch Glasfaserkabel geleitet und ist frei von für die Mumie gefährlicher Wärme- und UV-Strahlung. Spezielle Filter halten die Luft keimfrei, eine Waage kontrolliert das Gewicht der Mumie, und Sensoren schlagen automatisch Alarm, wenn sich Eis bildet oder sich die Hautfarbe verändert.
Zusätzlich wird die Mumie alle zwei Wochen aus ihrer Kammer in einen Vorraum geschoben und von Fachleuten optisch kontrolliert. Bei solchen Gelegenheiten können dann auch weitere Untersuchungen vorgenommen oder Proben entnommen werden. Denn der frühe Europäer und seine Rätsel faszinieren nach wie vor nicht nur die Museumsbesucher, sondern genauso die Forscher.

 

Seite erstellt: 2003
Seite geändert: 15.03.2010

 

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