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Die Erde und ihre Länder
Europa - Österreich

Hauptstadt: Wien

 Das Land
 
Lage                           Österreich liegt in Mitteleuropa.

 Grenzen                      Im Norden Deutschland und Tschechische Republik, im Osten Slowakei und                                      Ungarn, im Süden Slowenien und Italien, im Westen Liechtenstein und Schweiz
Fläche 83 859 qkm (39% Wald, 18% Ackerland, 24% Weideland)
Landesnatur Im Süden Ostalpen (zwei Drittel der Fläche), im Nordosten Alpenvorland, weiter östlich Fortsetzung im Karpatenvorland, im Osten Wiener Becken, im Norden Österreichisches Granit- und Gneisplateau
Höchster Punkt Großglockner (3797 m)
Gewässer Anteil an Donau, Drau, Inn, Enns, Salzach; Neusiedler See, Attersee, Traunsee, Wörther See, Millstätter See, Mondsee
Klima Mitteleuropäisches Übergangsklima, in höheren Lagen alpines Klima;
Sehenswürdigkeiten Wien (Hofburg, Stephansdom, Schloss Belvedere, Schloss Schönbrunn); Baden bei Wien; Salzburg (Festung Hohensalzburg, Dom, Residenz, Mozarthaus, Schloss Hellbrunn); Innsbruck (u.a. Hofburg, Goldenes Dachl); Benediktinerabtei Stift Melk; Burg Hochosterwitz; Rieseneishöhle am Dachstein, Großglockner, Bad Ischl; u.v.a.
Die Menschen
Bevölkerung 8,065 Mio. Ew. (91% Österreicher), davon 64% Stadtbevölkerung
Religion Römisch-katholische Kirche
Sprache Deutsch

Wirtschaft
Anteil der Wirtschafts- sektoren am BIP Landwirtschaft 2%, Industrie 34%, Dienstleistungen 64%
Erwerbstätige Landwirtschaft 1%, Industrie 31%, Dienstleistungen 68%
Importgüter Maschinen, Fahrzeuge, chemische Erzeugnisse, Textilien, Nahrungsmittel, Brennstoffe
Exportgüter Maschinen, Fahrzeuge, chemische Erzeugnisse, Textilien
Handelspartner Deutschland, Italien, Schweiz, Frankreich
Eisenbahn 5672 km (3418 km elektrifiziert)
Straßen 106 268 km (1589 km Autobahn)

Staat
Ein Relikt des Reiches Österreich-Ungarn ist auch die unverhältnismäßige Größe der Hauptstadt, in der ein Fünftel der Bevölkerung lebt. Wien war und ist aber nicht nur eine politische Hauptstadt, sondern auch ein kulturelles Zentrum, von dem auch nach dem Ersten Weltkrieg noch bedeutende Impulse für die moderne Welt ausgegangen sind. Berühmte Künstler, Philosophen und Wissenschaftler (z. B. Arnold Schönberg, Sigmund Freud) begründeten die Bedeutung Wiens für unsere Zeit. Einen Eindruck der Atmosphäre dieser Zeit geben die letzten alten Wiener Kaffeehäuser, die Treffpunkte der Intellektuellen und anderer Bürger. Politisch ist die Stadt nach wie vor das Tor Mitteleuropas zum Balkan, und durch die Neutralität der Republik war Wien auch oft der Ort von Verhandlungen zwischen Ost und West.
1955 trat Österreich den Vereinten Nationen, 1956 dem Europarat bei. Im Juni 1994 stimmte eine Mehrheit der Bevölkerung für den Beitritt zur Europäischen Union. Durch den Bau des Internationalen Zentrums Wien, inoffiziell UNO-City genannt, wurde die österreichische Hauptstadt nach New York und Genf die dritte Stadt der Vereinten Nationen.
Das heutige politische System des Landes entstand nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Österreicher knüpften dabei an die Tradition der Verfassung von 1920 an, die nach dem Zusammenbruch der k.u.k. Monarchie erarbeitet worden war. Es ist ein demokratischer Bundesstaat mit einem parlamentarischen Zweikammersystem. Dieses besteht aus dem Nationalrat und dem Bundesrat.
Die Abgeordneten des Nationalrates werden nach dem Verhältniswahlrecht für vier Jahre gewählt. Der Bundesrat nimmt die Interessen der neun Länder wahr. Seine Mitglieder werden von den Landtagen entsandt. Der Bundesrat kann gegen die Beschlüsse des Nationalrats ein aufschiebendes Veto einlegen, das dieser durch erneuten Beschluss aufzuheben vermag.
National- und Bundesrat bilden zusammen die Bundesversammlung. Ihr obliegt die Amtseinführung des Bundespräsidenten. Der Bundespräsident ist das auf sechs Jahre vom Volk direkt gewählte Staatsoberhaupt. Er ernennt und entlässt den Bundeskanzler, außerdem auf dessen Vorschlag die Minister. Der Bundespräsident hat auch das Recht zur Auflösung des Nationalrats und ist oberster Befehlshaber des Bundesheeres.

   

Die größeren Städte bilden sowohl kulturell als auch wirtschaftlich ein deutliches Gegengewicht zu Wien, z. B. Salzburg - die Mozartstadt, Graz - das Zentrum der neueren Literatur und Bregenz mit den Festspielen auf der Seebühne. Volksmusik mit Geigen, Zithern und Ziehharmonika begleitet stimmungsvolle Stunden. Zur österreichischen Kochkunst und Küchenkultur haben die Nachbarländer aller Himmelsrichtungen beigetragen; berühmt sind vor allem die Mehl- und Süßspeisen, von den leichten Salzburger Nockerln bis zu den variationsreichen Knödeln.
Auch wenn Österreich ein kulturell sehr vielseitiges und reiches Land ist, kommen doch die meisten Fremden wegen der Landschaft, der Berge und Seen. Im Gegensatz zu den höheren Westalpen laden die Österreichischen Alpen eher auch weniger ambitionierte Bergwanderer ein. Die großen, wildreichen Waldzonen der Ostalpen bieten im Sommer schattige Wege. Auch für die Auto-Touristen wurden hier die Berge schon frühzeitig erschlossen. Auf der Großglockner-Hochalpenstraße kann man bis an den Gletscher des Großglockners heranfahren und diesen höchsten Berg des Landes vom Parkplatz oder des Berggasthauses aus bewundern.

Parteienlandschaft
Bis in die 1980er Jahre wurde von Vertretern der beiden großen Parteien im Nationalrat, der "Sozialistischen Partei Österreichs" und der "Österreichischen Volkspartei", gebildet, die über Jahre hinweg eine Große Koalition eingegangen waren. Erst der zunehmende Wahlerfolg der "Freiheitlichen Partei Österreichs", die 1983 zusammen mit der SPÖ die Regierungsverantwortung übernahm, beendete das Zweiparteiensystem. Die zu Tage tretenden rechtskonservativen Tendenzen innerhalb der FPÖ ließen aber nach vorgezogenen Neuwahlen 1986 die Tradition der Großen Koalition neu aufleben. Bei der Wahl Ende 1999 erlitt insbesondere die SPÖ starke Verluste. Die FPÖ wurde erstmalig zur zweitstärksten politischen Kraft in Österreich. Nach langwierigen Verhandlungen bildeten ÖVP und FPÖ eine Mitte-rechts-Koalition. Sie hob nicht das Ansehen Österreichs. Im Inland kam es zu Protestdemonstrationen gegen die Regierung. So kam es zu vorzeitigen Neuwahlen, die der ÖVP einen großen Sieg brachten. Im Februar 2003 kam es zu einer Neuauflage der ÖVP/FPÖ-Koalition. In Österreich wird die Verflechtung von Politik und Wirtschaft deutlich.

Landschaft und Klima
Beherrschender Landschaftstyp In Österreich ist das Gebirge, das zwei Drittel der Fläche einnimmt.
An die Ostalpen, die sich in die Nördlichen Kalkalpen, die kristallinen Zentralalpen und die Südlichen Kalkalpen gliedern, schließt nach Norden und Nordosten das Alpen- und Karpatenvorland an. Das Alpenvorland wird nach Norden durch die Donau begrenzt, die 345km durch Österreich fließt. Enge Durchbruchstäler wechseln mit weiten Senken und Stromebenen, zu denen auch das Wiener Becken gehört. Nördlich der Donau erstreckt sich die wellig-hügelige Hochfläche des "Waldviertels" und "Mühlviertels". Im Osten reicht Österreich mit dem "Burgenland" in die Randgebiete der Kleinen Ungarischen Tiefebene.
Österreich hat ein mitteleuropäisches Übergangsklima mit zunehmend kontinentalen Zügen gegen Osten.

           

Geschichte
In der frühen Geschichte Österreichs bildet das Jahr 976 einen Kernpunkt, denn obwohl die Ostmark damals noch zum Herzogtum Bayern gehörte, erhielt sie in diesem Jahr mit dem aus dem fränkischen Raum stammenden Geschlecht der Babenberger neue Markgrafen, die eine eigenständige Entwicklung ihres Besitzes tatkräftig vorantrieben. 1156 erlangten sie schließlich auch ihre Unabhängigkeit von Bayern und erhielten den Titel "Herzöge von Österreich". Nur neunzig Jahre lang konnten sich die Babenberger ihren Besitz erhalten, dann starb 1246 das Geschlecht aus, und für kurze Zeit gliederte König Ottokar II. Premysl das Herzogtum seinem Königreich Böhmen an. In der Schlacht auf dem Marchfeld verlor er gegen den deutschen König Rudolf von Habsburg Leben und Besitz, und Rudolf übertrug Österreich und die Steiermark seinen Söhnen.

Österreich unter den Habsburgern
Damit setzte sich das aus dem Aargau in der Schweiz stammende Geschlecht in den Donau- und Alpenländern fest und behielt hier für mehr als sechshundert Jahre die Herrschaft. Es gelang ihm,  außer Bayern den gesamten südöstlichen Alpenraum in seine Macht zu bringen. Selbstverständlich bildeten diese habsburgischen Besitzungen einen Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. 1438 wurde Albrecht II. von Habsburg zum deutschen Kaiser gewählt, und so blieb die Kaiserkrone mit nur einer dreijährigen Unterbrechung im Besitz des Hauses Habsburg.
Durch die Heirat Maximilians I. mit Maria von Burgund fielen ihnen Burgund und die Niederlande und durch die Heirat ihres Sohnes Philipp mit Johanna der Wahnsinnigen ( mit Kastilien und Aragón auch der größte Teil Spaniens zu. Nach dem Tode des letzten ungarischen Königs 1526 erhielten die Habsburger durch Erbvertrag auch Böhmen, Mähren, Schlesien und den von den Türken nicht besetzten Teil Ungarns. Dieser gewaltige Besitz, den Kaiser Karl V. (16. Jh.) vereinigte, wurde nach dessen Abdankung in eine spanische und eine österreichische Linie aufgeteilt.
Während weite Teile des Deutschen Reiches von der Reformation erfasst wurden, gelang es in Österreich, die Gegenreformation durchzuführen und durch Ausschaltung der protestantischen Stände noch während des Dreißigjährigen Krieges eine absolutistische Herrschaft aufzubauen. Mit der Übernahme des ungarischen Erbes übernahm das Land auch die Last des Kampfes gegen die Türken, die1529 und 1683 vor Wien standen, erst danach gelang es, dank des Prinzen Eugen von Savoyen, diese Gefahr zu bannen.
Da Kaiser Karl VI. ohne männliche Erben blieb, konnte er durchseten, dass seine Tochter Maria Theresia seine Nachfolge übernehmen konnte. Als sies 1740 das österreichische Erbe übernahm, musste sie es im so genannten Österreichischen Erbfolgekrieg und in den Schlesischen Kriegen gegen Preußen, Bayern, Sachsen, Frankreich und Spanien verteidigen, verlor aber dabei Schlesien an Preußen. Sie heiratete Franz von Lothringen und begründete mit ihm die Dynastie Habsburg-Lothringen, die nun bis 1918 in Österreich herrschte. Während der napoleonischen Kriege suchte Österreich den französischen Truppen entgegenzutreten. 1804 nahm Franz II. die erbliche Würde eines "Kaisers von Österreich" an und legte zwei Jahre danach die römisch-deutsche Kaiserkrone nieder. Nach dem Wiener Kongress von 1814/15 wurde Österreich unter der Lenkung des Staatskanzlers Fürst von Metternich zum führenden Verteidiger der neuen europäischen Ordnung.
Die Revolution von 1848 brachte kaum Ergebnisse für das Land. Kaisers Franz Joseph I. bestieg den Thron bis 1916. Die Monarchie wurde nun von mehreren schweren Krisen erschüttert. Nach dem Verlust der italienischen Provinzen und dem von Preußen im Krieg von 1866 erzwungenen Ausscheiden aus dem Deutschen Bund erfolgte 1867 durch Umwandlung in eine Doppelmonarchie Österreich-Ungarn die Teilung der Macht zwischen Deutschen und Magyaren. Die Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand löste 1914 den Ersten Weltkrieg aus, der 1918 mit dem Zusammenbruch und der Auflösung der Habsburger Monarchie endete. Der letzte Kaiser war Karl I.

Die Republik Österreich
Österreich wurde eine auf ihre deutschen Landesteile reduzierte Republik, die mit erheblichen wirtschaftlichen und innenpolitischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Nach einem ersten vergeblichen Versuch der Machtübernahme durch Nationalsozialisten während des Putsches 1934 gelang Adolf Hitler 1938 die Eingliederung des Landes als "Ostmark" in das "Großdeutsche Reich". Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Republik wiederhergestellt und erhielt 1955 von den Besatzungsmächten ihre Unabhängigkeit zurück.

Wirtschaft
Landwirtschaft und Fremdenverkehr
Wegen der gebirgigen Landschaft ist in Österreich nur weniger als die Hälfte der Fläche landwirtschaftlich nutzbar. Etwa 40% davon entfallen auf Ackerland, ca. 3% auf Garten-, Obst- und Rebkulturen, der Rest sind Wiesen und Weiden. Besonders im Wiener Becken, dem Burgenland, der Grazer Bucht und im Klagenfurter Becken wird Acker- und Gartenbau betrieben. Hauptanbauprodukte sind Weizen, Gerste, Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben. In Niederösterreich, Burgenland und Steiermark ist der Weinbau verbreitet. In den alpinen Gebieten überwiegt die Vieh- und Forstwirtschaft. Österreich gehört zu den waldreichsten Gebieten Westeuropas. Fast 40% der Staatsfläche werden von Forsten eingenommen, und forstwirtschaftliche Erzeugnisse leisten einen wichtigen Beitrag für die österreichische Wirtschaft, bes. auch für den Export.
Durch die Entwicklung anderer Wirtschaftsbereiche kam es in den letzten Jahrzehnten zur starken Abwanderung von landwirtschaftlichen Arbeitskräften, besonders aus den Berg- und Grenzgebieten. Dennoch konnte Österreich seine Agrarproduktion steigern. Den überwiegenden Teil seines Nahrungsmittelbedarfs deckt das Land aus eigener Herstellung. Voraussetzung dafür war eine staatliche Förderungspolitik, zu deren Maßnahmen unter anderem die Modernisierung der zumeist klein- und mittelständischen Betriebe gehört. Trotz dem können die Bergbauern nicht allein von der Landwirtschaft leben. Deshalb ist der Fremdenverkehr zu einem wichtigen bäuerlichen Nebenerwerb geworden. Er ist für Österreich zu einem unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor geworden.

Natürliche Ressourcen und Industrie
Im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern ist Österreich reich an Bodenschätzen. Aber der Bergbau spielt innerhalb der Wirtschaft nur eine untergeordnete Rolle. Knapp zwei Drittel des Bedarfs an mineralischen Roh- und Grundstoffen müssen importiert werden. Zu den wichtigsten Bodenschätzen gehört Eisenerz, das seit über 1000 Jahren hauptsächlich am Steierischen Erzberg bei Kapfenberg abgebaut wird und seit Mitte des 19. Jh. vielfältige Verarbeitungsindustrien geschaffen hat. Der Schwerpunkt des Bergbaus liegt aber in der Braunkohleförderung. Von den vermuteten Braunkohlereserven ist auf Grund der ungünstigen Abbaubedingungen jedoch nur ein Teil wirtschaftlich nutzbar. Mit einer Jahresförderungsmenge von etwa 1 Million Tonnen Rohmagnesium nimmt Österreich eine führende Stellung unter den magnesitproduzierenden Ländern ein. Den Erdöl- und Erdgasbedarf kann Österreich zu einem geringen Teil aus eigener Produktion decken. Aufgrund seiner Gebirgslage ist die Stromversorgung überwiegend durch Wasserkraftwerke gesichert.
Österreichs exportorientierte Industrie ist sehr vielseitig. Anders als in anderen Staaten, dazu gehört auch Deutschland, wurde hier nach dem Zweiten Weltkrieg drei Großbanken und nahezu alle großen Industriebetriebe des Landes, vor allem aus den Bereichen der Eisen- und Stahlindustrie, des Maschinenbaus und der petrochemischen Industrie sowie der Energiewirtschaft, und der Bergbau verstaatlicht. Lange Zeit galt das österreichische Modell als Musterbeispiel für das funktionierende Nebeneinander von Staats- und Privatindustrie, doch mit Beginn der 1980er Jahre traten einige Schwächen zu Tage. Zum einen erwies es sich als nachteilig, dass der größte Teil der staatlichen Aktivitäten sich auf Branchen konzentrierte, die von der weltweiten Rezession besonders stark betroffen waren. Andererseits ließen sich Entscheidungen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern sollten, nicht durchsetzen, da sich betriebliche Entscheidungen an dem politischen Ziel der Erhaltung von Arbeitsplätzen zu orientieren hatten. Angesichts der immer stärker anwachsenden Staatsverschuldung entschied sich die Regierung daher notgedrungen für eine Teilprivatisierung bestimmter öffentlicher Betriebe.
                                                                                                                                                                                     Bilder: © M. Frunzke

Seite erstellt: 2003
Seite geändert: 04.03.2010

 

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