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Die Erde und ihre Länder
Europa - Niederlande

Hauptstadt: Amsterdam


 

 Lage                            Westeuropa
 Grenzen                      Im Westen und Norden                                      Nordsee,
                                     im Osten Deutschland,
                                     im Süden Belgien
 Fläche                         41 526 qkm
                                    (nur Landfläche:
                                    33 882 qkm; 9 % Wald,
                                    24 % Ackerland,
                                    30 % Wiesen und Weiden)
Ausdehnung N-S 300 km, W-O 180 km
Landesnatur Der Hauptteil des Landes liegt unterhalb des Meeresspiegels, im N und W  ist ein schützender Dünengürtel, im Südosten sind die Vorderardennen und Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges; Höchster Punkt: Vaalser Berg (322 m)
Gewässer Anteil am Rhein, Waal, IJssel, Maas; IJsselmeer
Klima Ozeanisch geprägtes, mildfeuchtes Klima; Utrecht 9 °C/760 mm
Sehenswürdigkeiten Westfriesische Inseln; Kanäle und Grachten; Amsterdam (Reichsmuseum, Van-Gogh-Museum, Anne-Frank-Haus), Delft, Den Haag
Bevölkerung 15,9 Mio. Ew. (Niederländer), davon 1 % Analphabeten
Stadtbevölkerung 89 %
Religion Protestantische Kirchen, römisch-katholische Kirche
Sprache Niederländisch, Friesisch (regional)
Staat
Amtlicher Name Königreich der Niederlande; Koninkrijk der Nederlanden
Regierungsform Parlamentarische Monarchie
Staatsoberhaupt Königin Beatrix
Regierungschef Ministerpräsident
Legislative Erste Kammer mit 75 und Zweite Kammer mit 150 auf 4 Jahre gewählten Mitgliedern
Verwaltgs.gliederung 12 Provinzen; Überseegebiete Aruba und Niederländische Antillen

Das Land ist zu seinem größten Teil die westliche Fortsetzung des Norddeutschen Tieflands (europäische Tiefebene). Ein Drittel der Fläche liegt unter dem Meeresspiegel, hinter schützenden Deichen und den Dünen Hollands, von Entwässerungskanälen durchzogen, fruchtbar und dicht besiedelt. Hinter den Fluss- und Seemarschen steigt das Land in den Hügelzonen der Geest etwas an, aber nur selten über 100 m Höhe. Im Südosten greifen die Grenzen auf die Randgebiete des Rheinischen Schiefergebirges über (Vaalser Berg, 322 m). Die wichtigsten Flüsse sind Rhein und Maas, deren Delta durch Dämme und Abschlussdeiche geschützt ist. Im Norden grenzen die Westfriesischen Inseln das Wattenmeer von der offenen See ab. Das stark ozeanische, mildfeuchte Klima bietet in dem waldarmen Land (10% Wald) besonders der Viehzucht gute Möglichkeiten.
Die Niederlande verfügen über ein sehr dichtes Verkehrsnetz. Wichtig ist die Schifffahrt auf dem Rhein und auf Kanälen (5046 km Binnenwasserstraßen).
Rotterdam ist mit Europoort der zweitgrößte Hafen der Welt. Wichtigster Flughafen ist Amsterdam-Schiphol.

Wirtschaft
Die sehr intensiv betriebene Landwirtschaft exportiert Erzeugnisse der Viehzucht und des Blumen-, Gemüse- und Obstbaus (z. T. Sonderkulturen in Gewächshäusern). Im Ackerbau werden hauptsächlich Kartoffeln, Zuckerrüben und Weizen angebaut. Nach der Zahl der Erwerbstätigen beschäftigen Landwirtschaft und Fischerei nur noch 3% der Bevölkerung, sie treten an Bedeutung hinter der Industrie (22%) und dem Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und andere Dienstleistungen (75%) zurück. Die wichtigsten Industriezweige sind Metall-, Maschinen-, Fahrzeug-, Werft- und elektrotechnische, Nahrungs- und Genussmittel-, Textil-, Glas-, keramische, Holz- und chemische Industrie. Der Bergbau fördert Erdöl, Erdgas und Steinsalz. Von großer Bedeutung ist der Fremdenverkehr.

Der Kampf mit dem Meer
Ein altes Sprichwort besagt, dass Gott zwar die Welt, die Niederländer aber die Niederlande erschaffen haben.
Den gewaltigen Anstrengungen, die Generationen von Landwirten, Ingenieuren, einfachen Grabenbauern und einfallsreichen Erfindern unternommen haben, ist es zu verdanken, dass etwa die Hälfte dieses kleinen und dicht besiedelten Landes trockengelegt werden konnte. An die Stelle der einstigen ausgedehnten Sümpfe, Moore und seichten Flussmündungen - Paradiese für Stelzvögel, aber von geringem Nutzen für den Menschen - sind Tausende von Morgen fruchtbaren Ackerlandes getreten, und die Maßnahmen zur Landgewinnung werden ständig weitergeführt.
Die welligen Sanddünen, die das Festland vom Meer trennen, bieten keinen ausreichenden Schutz vor der Erosion durch Stürme, Gezeiten und wechselnde Strömungen. So wurden die natürlichen Schutzwälle sorgsam verstärkt. Dies geschah teilweise durch Errichtung kompakter Dämme und Wellenbrecher, teilweise einfach durch die Erhaltung oder Anpflanzung von Gräsern und Büschen, deren Wurzeln den Boden verfestigen und so die Bodenabtragung verhindern.
Die landeinwärts gelegenen Polder werden von einem Netzwerk aus Kanälen, Gräben und Dämmen durchzogen. Da dieses Marschland zumeist unterhalb des Meeresspiegelniveaus liegt, hat es keinen natürlichen Abfluss, und der Wasserstand muss das ganze Jahr über geregelt werden. Ursprünglich wurde dies mit Hilfe der Windmühlen bewerkstelligt, heute haben elektrische Pumpstationen diese Aufgabe übernommen.
Der Kampf der Niederländer mit dem Meer dauert bereits viele Jahrhunderte an. Als im Mittelalter der Meeresspiegel dramatisch anstieg, dehnte sich die Zuidersee, bis dahin ein Flussmündungsgebiet, aus, und es entstand eine riesige Bucht. Auf die Meereseinbrüche an der Küstenlinie reagierten die Niederländer mit dem Bau von Deichen und Schleusen, die den Lauf der Flüsse regulieren und das Land vor den heftigen winterlichen Gezeitenströmungen schützen sollten. Die Errichtung des Dammes an der Amstel, der die Geburtsstunde der Stadt Amsterdam bedeutete, erfolgte im Jahre 1257. Zahlreiche weitere Deiche folgten.

Geschichte
Im Raum der Niederlande siedelten vor der Völkerwanderung die germanischen Bataver,
Friesen und Sachsen. Das Gebiet wurde im 8. Jh. von den Franken erobert; bei den fränkischen Reichsteilungen im
9. Jh.kam es an Lothringien bzw. an das Ostfränkische Reich, im 10. Jh. an Deutschland. Eine Reihe seiner z. T. selbständigen Territorien waren im Mittelalter Kultur- und Wirtschaftszentren: Flandern, Brabant, Hennegau, Namur, Artois, Limburg, Geldern, Seeland und die Bistümer Lüttich und Utrecht. Im 14. /15.Jh. gehörte fast der ganze niederländische Raum zu
Burgund. Durch Heirat erwarben 1477 die Habsburger die Niederlande, und bei der Teilung der habsburgischen Länder kamen sie an die spanische Linie. Bereits unter Maximilians Regierung erhoben sie sich gegen die habsburgische Herrschaft (Margarete von Österreich), der Gegensatz verstärkte sich noch unter Karl V. Wegen der Ketzeredikte, politischer und finanzieller Pressionen, Inquisition und Verlusts von Privilegien kam es gegen die Generalstatthalterin Philipps II., Margarete von Parma, und ihren Minister zu Aufständen. Philipp II. von Spanien sandte Truppen unter Herzog Alba, der die Anführer der Unabhängigkeitsbewegung, die Grafen Egmont und Hoorn, hinrichten ließ. Darauf brach der fast 100 Jahre dauernde Freiheitskampf der Niederländer aus, der zunächst von Wilhelm von Oranien geleitet wurde.

1581 Das Land erlangt Unabhängigkeit von Spanien
1795-1813 Napoleonische Kriege: Frankreich gewinnt die Kontrolle über die Niederlande
1815 Das Land schließt sich mit Belgien und Luxemburg zum Königreich der Vereinten Niederlande zusammen
1830 Belgien löst sich aus dem Staatenverband
1848 Eine liberale Verfassung schränkt die Macht des Königshauses ein
1914-1918 Die Niederlande bleiben im Ersten Weltkrieg neutral
1940-1945 Die Niederlande sind von deutschen Truppen besetzt
1945 Die Niederlande werden UN-Mitglied
1948 Die Wirtschaftsunion Benelux mit Belgien und Luxemburg wird gegründet
1949 Gründungsmitglied der NATO
1980 Königin Juliana dankt zugunsten ihrer Tochter Beatrix ab
1982 Der Christdemokrat R. Lubbers wird Ministerpräsident
1994 Ministerpräsident wird W. Kok an der Spitze einer Koalitionsregierung
1998 Nach den Parlamentswahlen führt W. Kok die Koalition weiter
2002 Rücktritt der Regierung Kok; Ermordung des rechtspopulistischen Politikers P. Fortuyn, Wahlniederlage der bisherigen Regierungskoalition; Jan Peter Balkenende wird neuer Ministerpräsident; erklärt im Oktober 2002 Regierungsrücktritt
2010 Ministerpräsident ist zz. Dr. Jan Peter Balkenende


Politik und Verfassung
Die Niederlande sind eine konstitutionelle Monarchie, die parlamentarisch regiert wird.
Staatsoberhaupt ist der König (Thronfolge in männlicher und weiblicher Linie möglich). Er ist Vorsitzender des Staatsrates. Dieses Verfassungsorgan hat beratende Funktionen und ist oberstes Verwaltungsgericht.
Das Parlament, die "Generalstaaten", besteht aus zwei Kammern: "Eerste Kamer" (75 Mitglieder, Wahlperiode 4 Jahre, indirekt von den Provinzialstaaten gewählt) und "Tweede Kamer" (150 Mitglieder, Wahlperiode 4 Jahre).
Die wichtigsten politischen Parteien: Der Christlich Demokratische Appell (CDA) dominiert das bürgerliche Lager. Die Partei der Arbeit (PvdA) kann mit der deutschen SPD verglichen werden. Liberale Positionen vertreten die Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD) und die Partei Demokraten' 66. Das Bündnis Grünlinks (Groenlinks) ist ein Sammelbecken verschiedener Linksparteien. Dem rechtspopulistischen Spektrum ist die erst 2002 gegründete LPF zuzuordnen.

Seite erstellt: 2006
Seite geändert: 24.02.2011

                        

 

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