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Die Erde und ihre Länder
Europa - Niederlande
Hauptstadt: Amsterdam
| Ausdehnung | N-S 300 km, W-O 180 km |
| Landesnatur | Der Hauptteil des Landes liegt unterhalb des Meeresspiegels, im N und W ist ein schützender Dünengürtel, im Südosten sind die Vorderardennen und Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges; Höchster Punkt: Vaalser Berg (322 m) |
| Gewässer | Anteil am Rhein, Waal, IJssel, Maas; IJsselmeer |
| Klima | Ozeanisch geprägtes, mildfeuchtes Klima; Utrecht 9 °C/760 mm |
| Sehenswürdigkeiten | Westfriesische Inseln; Kanäle und Grachten; Amsterdam (Reichsmuseum, Van-Gogh-Museum, Anne-Frank-Haus), Delft, Den Haag |
| Bevölkerung | 15,9 Mio. Ew. (Niederländer), davon 1 % Analphabeten |
| Stadtbevölkerung | 89 % |
| Religion | Protestantische Kirchen, römisch-katholische Kirche |
| Sprache | Niederländisch, Friesisch (regional) |
| Staat | |
| Amtlicher Name | Königreich der Niederlande; Koninkrijk der Nederlanden |
| Regierungsform | Parlamentarische Monarchie |
| Staatsoberhaupt | Königin Beatrix |
| Regierungschef | Ministerpräsident |
| Legislative | Erste Kammer mit 75 und Zweite Kammer mit 150 auf 4 Jahre gewählten Mitgliedern |
| Verwaltgs.gliederung | 12 Provinzen; Überseegebiete Aruba und Niederländische Antillen |
Das Land ist zu seinem größten Teil die westliche Fortsetzung
des Norddeutschen Tieflands (europäische Tiefebene). Ein Drittel der Fläche
liegt unter dem Meeresspiegel, hinter schützenden Deichen und den Dünen Hollands, von Entwässerungskanälen durchzogen, fruchtbar und
dicht besiedelt. Hinter den Fluss- und Seemarschen steigt das Land in den
Hügelzonen der Geest etwas an, aber nur selten über 100 m Höhe. Im Südosten
greifen die Grenzen auf die Randgebiete des Rheinischen Schiefergebirges über
(Vaalser Berg, 322 m). Die wichtigsten Flüsse sind Rhein und Maas, deren Delta
durch Dämme und Abschlussdeiche geschützt ist. Im Norden grenzen die
Westfriesischen Inseln das Wattenmeer von der offenen See ab. Das stark
ozeanische, mildfeuchte Klima bietet in dem waldarmen Land (10% Wald) besonders
der Viehzucht gute Möglichkeiten.
Die Niederlande verfügen über ein sehr dichtes Verkehrsnetz.
Wichtig ist die Schifffahrt auf dem Rhein und auf Kanälen (5046 km
Binnenwasserstraßen). Rotterdam ist mit Europoort der zweitgrößte Hafen der Welt. Wichtigster Flughafen
ist Amsterdam-Schiphol.
Wirtschaft
Die sehr intensiv betriebene Landwirtschaft exportiert
Erzeugnisse der Viehzucht und des
Blumen-, Gemüse- und Obstbaus (z. T. Sonderkulturen in Gewächshäusern). Im
Ackerbau werden hauptsächlich Kartoffeln, Zuckerrüben und Weizen angebaut. Nach
der Zahl der Erwerbstätigen beschäftigen Landwirtschaft und Fischerei nur noch
3% der Bevölkerung, sie treten an Bedeutung hinter der Industrie
(22%) und dem Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und andere Dienstleistungen
(75%) zurück. Die wichtigsten Industriezweige sind Metall-, Maschinen-,
Fahrzeug-, Werft- und elektrotechnische, Nahrungs- und Genussmittel-, Textil-,
Glas-, keramische, Holz- und chemische Industrie. Der Bergbau fördert Erdöl,
Erdgas und Steinsalz. Von großer Bedeutung ist der Fremdenverkehr.
Der Kampf mit dem Meer
Ein altes Sprichwort besagt, dass Gott zwar die Welt, die
Niederländer aber die Niederlande erschaffen haben.
Den gewaltigen Anstrengungen, die Generationen von Landwirten,
Ingenieuren, einfachen Grabenbauern und einfallsreichen Erfindern unternommen
haben, ist es zu verdanken, dass etwa die Hälfte dieses kleinen und dicht
besiedelten Landes trockengelegt werden konnte. An die Stelle der einstigen
ausgedehnten Sümpfe, Moore und seichten Flussmündungen - Paradiese für
Stelzvögel, aber von geringem Nutzen für den Menschen - sind Tausende von Morgen
fruchtbaren Ackerlandes getreten, und die Maßnahmen zur Landgewinnung werden ständig
weitergeführt.
Die welligen Sanddünen, die das Festland vom Meer trennen,
bieten keinen ausreichenden Schutz vor der Erosion durch
Stürme, Gezeiten und wechselnde Strömungen. So wurden die
natürlichen Schutzwälle sorgsam verstärkt. Dies geschah teilweise durch
Errichtung kompakter Dämme und Wellenbrecher, teilweise einfach
durch die Erhaltung oder Anpflanzung von Gräsern und Büschen, deren Wurzeln den
Boden verfestigen und so die Bodenabtragung verhindern.
Die landeinwärts gelegenen Polder werden von einem Netzwerk aus
Kanälen, Gräben und Dämmen durchzogen. Da dieses Marschland zumeist unterhalb
des Meeresspiegelniveaus liegt, hat es keinen natürlichen Abfluss, und der
Wasserstand muss das ganze Jahr über geregelt werden. Ursprünglich wurde dies
mit Hilfe der Windmühlen bewerkstelligt, heute haben elektrische Pumpstationen
diese Aufgabe übernommen.
Der Kampf der Niederländer mit dem Meer dauert bereits viele
Jahrhunderte an. Als im Mittelalter der Meeresspiegel dramatisch anstieg, dehnte
sich die Zuidersee, bis dahin ein Flussmündungsgebiet, aus, und es entstand eine
riesige Bucht. Auf die Meereseinbrüche an der Küstenlinie reagierten die
Niederländer mit dem Bau von Deichen und Schleusen, die den Lauf der Flüsse
regulieren und das Land vor den heftigen winterlichen Gezeitenströmungen
schützen sollten. Die Errichtung des Dammes an der Amstel, der die Geburtsstunde
der Stadt Amsterdam bedeutete, erfolgte im Jahre 1257. Zahlreiche weitere Deiche
folgten.
Geschichte
Im Raum der Niederlande siedelten vor der Völkerwanderung die
germanischen Bataver, Friesen und Sachsen. Das Gebiet wurde im 8. Jh. von den Franken erobert; bei den fränkischen Reichsteilungen im
9.
Jh.kam es an Lothringien bzw. an das Ostfränkische Reich, im 10.
Jh. an Deutschland. Eine Reihe seiner z. T. selbständigen Territorien
waren im Mittelalter Kultur- und Wirtschaftszentren: Flandern, Brabant,
Hennegau, Namur, Artois, Limburg, Geldern, Seeland und die Bistümer Lüttich und
Utrecht. Im 14. /15.Jh. gehörte fast der ganze niederländische
Raum zu Burgund. Durch Heirat erwarben 1477 die Habsburger die Niederlande, und bei der Teilung der habsburgischen
Länder kamen sie an die spanische Linie. Bereits unter Maximilians Regierung
erhoben sie sich gegen die habsburgische Herrschaft (Margarete von Österreich), der Gegensatz verstärkte sich noch
unter Karl V. Wegen der Ketzeredikte, politischer und finanzieller Pressionen,
Inquisition und Verlusts von Privilegien kam es gegen die Generalstatthalterin
Philipps II., Margarete von Parma, und ihren Minister zu Aufständen. Philipp II. von Spanien sandte Truppen
unter Herzog Alba, der die Anführer der Unabhängigkeitsbewegung, die Grafen Egmont und Hoorn, hinrichten ließ. Darauf brach der fast 100 Jahre dauernde
Freiheitskampf der Niederländer aus, der zunächst von Wilhelm von Oranien geleitet wurde.
| 1581 | Das Land erlangt Unabhängigkeit von Spanien |
| 1795-1813 | Napoleonische Kriege: Frankreich gewinnt die Kontrolle über die Niederlande |
| 1815 | Das Land schließt sich mit Belgien und Luxemburg zum Königreich der Vereinten Niederlande zusammen |
| 1830 | Belgien löst sich aus dem Staatenverband |
| 1848 | Eine liberale Verfassung schränkt die Macht des Königshauses ein |
| 1914-1918 | Die Niederlande bleiben im Ersten Weltkrieg neutral |
| 1940-1945 | Die Niederlande sind von deutschen Truppen besetzt |
| 1945 | Die Niederlande werden UN-Mitglied |
| 1948 | Die Wirtschaftsunion Benelux mit Belgien und Luxemburg wird gegründet |
| 1949 | Gründungsmitglied der NATO |
| 1980 | Königin Juliana dankt zugunsten ihrer Tochter Beatrix ab |
| 1982 | Der Christdemokrat R. Lubbers wird Ministerpräsident |
| 1994 | Ministerpräsident wird W. Kok an der Spitze einer Koalitionsregierung |
| 1998 | Nach den Parlamentswahlen führt W. Kok die Koalition weiter |
| 2002 | Rücktritt der Regierung Kok; Ermordung des rechtspopulistischen Politikers P. Fortuyn, Wahlniederlage der bisherigen Regierungskoalition; Jan Peter Balkenende wird neuer Ministerpräsident; erklärt im Oktober 2002 Regierungsrücktritt |
| 2010 | Ministerpräsident ist zz. Dr. Jan Peter Balkenende |
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