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Die Erde und ihre Länder
Asien - Jordanien

Hauptstadt: Amman

Offiz. Name Haschemitisches Königreich Jordanien
KFZ-Kennz. JOR
Fläche 89 342  km²
Einwohner 5,7 Mio.
Zeitzone Mitteleuropäische Zeit +1 Std.
Amtssprache Arabisch
Staatsform konstitutionelle Monarchie
Währung 1 Jordan-Dinar = 1 000 Fils

Der Staat Jordanien in seinen heutigen Grenzen ist eine Schöpfung des 20. Jh. Zuvor war das Gebiet immer ein Teil anderer Reiche, später ein Land zwischen den Interessen der westlichen Großmächte. Die gemäßigte Haltung gegenüber Israel führte zu Konflikten mit den Palästinensern, die erst nach blutigen Kämpfen beigelegt werden konnten. Im Gegensatz zu anderen Staaten der arabischen Welt ist die politische und soziale Situation in dem Land, das zum größten Teil aus Wüste besteht, sehr stabil.

Natur und Klima:
Nach Abtretung der 1950 annektierten Gebiete westlich des Jordans besteht das Land aus der Ostflanke des großen Grabenbruchs der Jordansenke und den begleitenden Zügen des ostjordanischen Berglandes mit den biblischen Landschaften Moab und Edom. Nach Osten schließen sich die Tafelländer der Syrischen Wüste an.
Das Bergland ist bis zu 1700 m hoch, während die maximal 40 km breite Jordansenke - die tiefste Depression der Erde - bis auf 400 m unter den Meeresspiegel absinkt. Der 330 km lange Jordan mündet ins Tote Meer, einen stark schrumpfenden Salzsee an der israelisch-jordanischen Grenze. Der Grabenbruch setzt sich südlich des Toten Meeres bis zum Golf von Aqaba am Roten Meer fort. Das Bergland wird von zahlreichen Trockentälern durchzogen, die sich nur nach ergiebigen Regenfällen mit Wasser füllen.
An das Bergland, das den wirtschaftlichen Kernraum des Landes bildet, schließt sich nach Osten ein ausgedehntes, 700-1000 m hohes Wüstenplateau an, das teilweise als Weidegebiet von nomadisierenden Beduinenstämmen genutzt wird. Wüsten und Wüstensteppen nehmen mehr als drei Viertel des Landes ein; über weite Strecken breiten sich monotone Basaltlavafelder aus.:
Der Westen des Landes mit den Berghängen östlich des Jordangrabens hat Mittelmeerklima mit winterlichen Niederschlägen, die in den oberen Lagen bei etwa 800 mm im Jahr liegen und auch als Schnee fallen können. Die Ostflanken des Berglandes erhalten nur noch jährliche Niederschlagsmengen von 250 mm. Im Süden und Osten herrscht vorwiegend kontinental-trockenes Wüsten- und Steppenklima mit Niederschlägen, die weit unter 100 mm im Jahr liegen können. Die sommerlichen Tagestemperaturen steigen oft auf über 40 °C.

Bevölkerung:
Die Bevölkerungsverteilung ist sehr ungleich. Während die Wüsten und Wüstensteppen im Osten kaum besiedelt sind, konzentriert sich die Bevölkerung im Nordwesten um die Hauptstadt Amman, der einzigen Millionenstadt, und um die Städte Az Zarqa und Irbid. Bei einer Geburtenrate von 2,8% und einer guten medizinischen Versorgung wächst die Bevölkerung jährlich um 2,6%.
98% aller Jordanier sind Araber, davon mehr als die Hälfte Palästinenser, die nach dem Krieg mit Israel 1948 nach Jordanien geflohen waren, und deren Nachkommen. Eine wichtige Rolle in der Politik spielen die etwa 5% Beduinen. Die vor allem in Amman lebende kleine Minderheit muslimischer Tscherkessen bekleidet im Militärwesen führende Positionen. Etwa 95% der Jordanier bekennen sich zum Islam, davon sind über 80% Muslime sunnitischer Richtung. Die Zahl der Christen wird mit knapp 5% angegeben.
Das Bildungswesen gilt heute als das beste in der arabischen Welt. Ab dem 6. Lebensjahr besteht eine neunjährige Schulpflicht, die zu fast 100% befolgt wird. Fast 20% der Schüler besuchen Privatschulen in meist islamischer oder christlicher Trägerschaft. Das jordanische Schulsystem führt fast alle Schüler nach 12 Jahren zum Abitur
, mit dem eine der 21 Universitäten oder Colleges besucht werden kann. Der Anteil der weiblichen Studenten liegt bei fast 50%, an der größten Universität des Landes, der University of Jordan, sogar bei fast 60%. Dank der großzügigen staatlichen Investitionen in das Bildungswesen ist die Analphabetenquote die niedrigste im gesamten arabischen Raum.

Staat und Politik:
Nach der (mehrfach geänderten) Verfassung von 1952 ist Jordanien eine konstitutionelle Erbmonarchie. Staatsoberhaupt und militärischer Oberbefehlshaber ist der König aus der regierenden Haschemiten-Dynastie. Er ernennt den Ministerpräsidenten, das Kabinett und die obersten Richter. Das Zweikammerparlament, die Legislative, besteht aus Abgeordnetenhaus und Senat. Die meisten der 110 Sitze des Abgeordnetenhaus gehören königstreuen Stammesführern. Die 55 Senatoren werden vom König ernannt.

Tourismus und Verkehr:
Ein wichtiger Devisenbringer ist der Tourismus. Die Auslandsgäste kommen zum größten Teil aus den arabischen Ländern, nur etwa 3% aus Europa. Neben den vielen antiken Überresten in Amman und dem Touristenzentrum bei Aqaba sind auch andere historische Stätten wichtige Reiseziele: Petra (alte Hauptstadt der Nabatäer mit ihren Felsengräbern), das antike Gerasa, die Wüstenpaläste aus der Omajjadenzeit, die byzantinische Stadt Madaba und das mittelalterliche Karak (Kreuzritterfestung).
Neben einer Eisenbahnlinie (Teilstück der Hedjasbahn) ist die parallel laufende und zum einzigen Hafen Aqaba führende Straße der wichtigste Verkehrsweg des Landes. Das Straßennetz wird weiter ausgebaut, um die Hauptstadt ist es bereits dicht.

Geschichte:
Nabatäer und Islamisierung:
Das Gebiet des heutigen Jordanien ist altes Kulturland. Im 5. Jh. v. Chr. ließen sich die Nabatäer, ein Nomadenvolk der Arabischen Halbinsel, im Bergland nieder und gründeten ein eigenes Reich. Sie kontrollierten die Handelswege von Ägypten und Südarabien (Weihrauchstraße) nach Syrien und schufen mit ihrer Hauptstadt Petra ein eindrucksvolles, aus Fels gemeißeltes Monument. Nach der Eroberung durch die Römer 106 n. Chr. gehörte die Region um Petra zur römischen Provinz Arabia.
Im 7. Jh. eroberten muslimische Araber das Gebiet und verbreiteten den Islam. Von den einander folgenden Kalifendynastien hinterließen besonders die Omajjaden im 8. Jh. eindrucksvolle Prachtbauten in der Wüste. Um 1100 gehörte der Westteil Jordaniens für kurze Zeit zum Kreuzfahrerstaat Jerusalem. Nach der Eroberung durch die Türken 1516 war das Land bis 1918 eine unbedeutende Provinz im Osmanischen Reich.

Transjordanien:
Im 1. Weltkrieg war der Nahe Osten ein wichtiger Kriegsschauplatz. Im 1916 geschlossenen Sykes-Picot-Abkommen vereinbarten Großbritannien und Frankreich die Aufteilung des vorderasiatischen Teils des Osmanischen Reiches. Das Ostjordanland kam 1920 mit Palästina als Völkerbundmandat unter britische Verwaltung; als Emirat Trandjordanien es später von Palästina abgetrennt und sollte als britischer Militärstützpunkt und Pufferstaat gegen Saudi-Arabien dienen. 1925 erwarb Transjordanien den Hafen von Aqaba von Saudi-Arabien. 1945 wurde es Mitglied der Arabischen Liga und 1946 formell unabhängig. Der Emir nahm den Königstitel an. Nach der Unabhängigkeitserklärung Israels 1948 nahm Transjordanien am Krieg der Arabischen Liga gegen Israel teil, seine Truppen besetzten den östlichen Teil Palästinas und die Altstadt von Jerusalem.
Die Jordanier - etwa vier Millionen, man kann es nur schätzen - sehen in Jordanien nach wie vor das gelobte Land der Bibel. Viele Ansiedlungen haben dort noch heute Namen, die direkt aus einem Ortskatalog der Heiligen Schrift stammen könnten. So verläuft auch die Geschichte Jordaniens streckenweise durchaus parallel zur biblischen Geschichte. Die ersten Einwanderungswellen entsprechen dem alttestamentarischen Zug Abrahams zum westjordanischen Hebron. Und als im 13. vorchristlichen Jahrhundert die Israelis unter Moses ins Gelobte Land zogen, trafen sie auf zahlreiche Stämme, von denen in Jordanien noch heute die Rede ist. Seit 1950 ist Jordanien nun ein Haschemitisches Königreich - aber durchaus modern.

Die Entwicklung seit den 1990er Jahren:
Im  Golfkrieg 1991 nahm Jordanien eine vorsichtige proirakische Haltung ein. Inzwischen hatte Hussain eine innenpolitische Liberalisierung eingeleitet. 1993 fanden erstmals seit 37 Jahren Mehrparteienwahlen statt; die königstreuen, konservativen Kräfte konnten sich gegen radikal-islamistische Gruppen durchsetzen. 1994 kam es zum Friedensschluss und zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Jordanien und Israel. Nachfolger Hussains als König wurde nach dessen Tod am 7. 2. 1999 sein Sohn. In den mehrfach verschobenen Parlamentswahlen 2003 wurde die starke Stellung der Royalisten bestätigt.

Link zu        Wüstenschloss Qusair Amra

Seite erstellt: 2006                                                           
Seite geändert: 04.02.2010

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