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Die Erde und ihre Länder
Europa - Italien
Bozen,
die Hauptstadt von Südtirol
Lage
und allgemeine Informationen zur Stadt
Wenn man von Meran aus oder aus dem Süden in Richtung
Bozen fährt, zeigt sich die Stadt nicht von ihrer besten Seite, denn da bestimmen
erst
einmal Industriegelände, Gleisanlagen und unansehnliche
Wohnsiedlungen den Anblick. Wenn man jedoch vom Brenner kommt und über
Sterzing zum Penser Joch fährt und von dort durch das Sarntal Bozen ansteuert,
fährt man nicht nur die kürzere Strecke, sondern man kann unterwegs den Blick
auf die Bozener Altstadt genießen.
Bozen, die Hauptstadt von Südtirols, hat heute etwas mehr als 100 000 Einwohner.
Sehr viele von ihnen wurden in diese Stadt gelockt, indem man ihnen
Arbeitsplätze in neuen Industrien und Wohnungen in neuen Stadtvierteln gegeben
hat,
die auf den Ländereien der bis dahin existierenden Obst- und Weingärten entstanden waren.
Seit 1910 hatte das
alte Bozen bereits
mehrere kleinere Orte eingemeindet. Drei Viertel aller Einwohner sprechen heute Italienisch als
Muttersprache, wohnen hauptsächlich in den Häusern, die die
Freiheitsstraße als Magistrale haben. Viele von ihnen leben
schon in der zweiten oder dritten Generation in der „Talferstadt“, wie man
Bozen gern nach dem Fluss nennt, der hier in den Eisack mündet.
Geologisch
gesehen liegt die Stadt auf der Bozner Porphyr - Platte, dem größten Vorkommen
dieser Gesteinsart in ganz Europa.
Die klimatische Situation ist Goethe schon klar gewesen, denn er erzählte 1786 in seiner "Italienischen Reise" von der schön gelegenen Stadt und ihrer
milden, sanften Luft.
Geschichte
Dass die Umgebung von
Bozen schon in der Mittleren Steinzeit bewohnt wurde, bezeugen ca. 150 bisher
nachweisbare vorgeschichtliche Siedlungsstellen und Wallburgen. Als Kaiser
Augustus 15 v.Z . seine beiden Stiefsöhne Drusus und Tiberius mit zwei Heeren
zur Eroberung des Alpen- und nördlichen Voralpenraums zwischen Bodensee und Inn
aussandte, errichtete Drusus vermutlich beim heutigen Stadtteil Rentsch eine
Brücke, die als Pons Drusi den ersten Namen für Bozen liefert. Die
moderne Drususbrücke über die Talfer erinnert nur dem Namen nach an diesen römischen Brückenschlag. Die Römer bauten Straßen
von Pons Drusi über den Reschen und den Brenner, verbesserten dabei allerdings
nur schon bestehende Handelspfade. Die so
beliebte Edelkastanie sollen sie nach Meinung von Forschern auch mitgebracht
haben, während Weinbau in der Bozener Gegend schon vor dem Römereinmarsch
betrieben wurde.
Von 680 gibt es den ersten historichen Beleg für Bozen. Später wuchs die Stadt aus drei bereits
bestehenden Ortsteilen zusammen. Zu der
bischöflichen Altstadt kamen im 13. Jh. die Viertel der mit Bischof Friedrich
von Trient verwandten Edelfreien von Wangen und
der Grafen von Tirol dazu. Graf Meinhard II. von Görz Tirol schmiedete
das Land Tirol zusammen. Aber ihm fehlte noch der fürstbischöfliche Kem Bozens. 1277 nahm er Alt-Bozen ein,
brach Tore und Mauern. 1314 baute der Bozner Bürger Heinrich Kunter den nach ihm benannten
Weg durch die Eisackschlucht, der 1480 zur Straße wurde.
Der Weg über die Alpen gabelt sich hier in die
Brenner- und Reschenroute, die Etsch war teilweise schiffbar- günstig z.B. für
den Handel, und bald konnte man zu Kaufleuten aus Norditalien und Süddeutschland Verbindungen knüpften.
Bald entstanden feste Niederlassungen, Bozen wurde zur Messestadt, dabei unterstützt
durch Erzherzogin Claudia de Medici, die als Witwe
Leopolds V. ab 1632 Tirol regierte. Sie gründete 1635 ein autonomes Handels- und
Wechselgericht, dessen prachtvolles Gebäude noch heute Sitz der Handels- und Gewerbekammer ist. Das
war die Grundlage für die seit 1948 wiederbelebte Internationale Bozner Mustermesse.
Während des Krieges 1792-97
nahm
Napoleon den Österreichern Mailand ab. Die Stände
schlossen sich
1796 mit einem feierlichem Gelöbnis zum „Bund mit
dem göttlichen Herzen Jesu“ zusammen, auf den sich später der Freiheitskämpfer
Andreas Hofer berief. 1810 kam Bozen von Bayern an ein für Napoleons Stiefsohn Eugene de
Beauharnais gegründetes Königreich Italien, bis 1813
österreichische Truppen in die Stadt
einrückten. Nach der Annexion Südtirols im Jahr 1919 schossen italienische
Faschisten 1921 in den Trachtenzug der Bozner Messe. Unter
Mussolini wurde Bozen 1926 Hauptstadt der neugeschaffenen gleichnamigen
Provinz, die es nun auch wieder ist. Seit 1964 ist die Stadt Bischofssitz
des Bistums Bozen-Brixen.
Sehenswürdigkeiten
Ein Rundgang durch die
Altstadt, die zum Teil als Fußgängerzone ausgewiesen ist, lohnt sich.
Ausgangspunkt
könnte der weite Waltherplatz sein, der nach Walther von der Vogelweide
benannt ist. Die Marmorstatue des Minnesängers steht in
der Mitte des Platzes auf einer Brunnensäule. Übrigens kann man in all den
Gaststätten am Waltherplatz auch sehr gut rasten und Kaffee trinken.
Der
Waltherplatz, benannt nach dem Minnesänger Walther von der Vogelweide (1170
- 1230)
Sehenswert sind auf alle Fälle das Palais Campofranco (1764) und das
gegenüberliegende Palais Menz mit
einem Rokoko-Festsaal, das Palais Pock mit beeindruckendem
Treppenhaus, der Merkantilpalast, das Waaghaus, wo bis
1633 die Fronwaage stand, und das Rathaus. Von der Silbergasse aber geht man am
besten zunächst zum Kornplatz, dem ältesten Platz Bozens. Die Linien im
Straßenbelag zeichnen den Grundriss der einst hier stehenden Burg der Bischöfe
von Trient nach. Interessant
ist auch ein Bummel über den Markt, der schon lange Mittelpunkt des Geschäftslebens
ist. Noch heute wird hier ein umfangreiches Warensortiment
angeboten. Vieles vom Mauerwerk in dieser Gasse geht noch auf das 12. und 13.
Jh. zurück. Nach
Westen mündet die Laubengasse in den Obstmarkt, mit seinen Ständen
sicher der bunteste Platz Bozens.
Interessant ist auch
Bozens Besondertieit, die Promenaden. Die Bozner
Wassennauerpromenade verläuft am östlichen Ufer der Talfer zwischen
Talferbrücke und Schloss Klebenstein.. Vom Schloss Maretsch hat
man einen herrlichen Blick auf Alt-Bozen und die Rosengartengruppe der
Dolomiten...
Und eins sollte man bei einem Aufenthalt in Bozen unbedingt einplanen - einen Besuch des Museums, in dem Ötzi untergebracht ist. Ein Besuch hier lohnt sich wirklich!
Ausflüge
Ein Ausflugsziel wäre
auch
Schloss Runkelstein. Der Fußweg dorthin führt über die Bozner
Wassermauerpromenade bis zum Eingang der Sarner Schlucht. Die auf steilem Felsen
über der Talfer gelegene Burg wurde Anfang des 13. Jh. errichtet.
Vom Eisacktal führen Straße und Kabinenbahn hinauf zum aussichtsreichen
Kohlerer Berg. Von hier kann man auch in das Eggental absteigen, wo im Tal die Burg Karneid aufragt. Interessant
ist auch das Schloss Sigmundskron am Anfang der
Südtiroler Weinstraße.
Bilder:
© Familien Frunzke
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