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Die Erde und ihre Länder
Europa - Estland

Hauptstadt: Tallinn

Das nördlichste der baltischen Länder

Offizieller Name Republik Estland; Eesti Vabariik
Lage Osteuropa
Fläche 43 432  qkm (45 % Wald)
Einwohner 1,3 Mio.
KFZ-Kennz. EST
Zeitzone Mitteleuropäische Zeit +1 Std.
Amtssprache Estnisch
Staatsform parlamentarische Republik
Verwaltungsgliederung 15 Regionen, 6 Stadtbezirke
Grenzen Im N Ostsee (Finn. Meerbusen), im O Russland, im S Lettland, im W Ostsee
Landesnatur Eiszeitlich geformtes, flachwelliges Land mit Seen, Mooren und Sümpfen; im Norden Steilabbruch zum Finnischen Meerbusen; zahlreiche Inseln
Höchster Punkt Munamägi 318 m
Gewässer Peipussee, Vortsjärv (Wirzsee), Narva, Emaj
Sehenswürdigkeiten Peipussee, Narva; Baltische Inseln

Estland, ein waldreiches Hügelland, liegt im Nordwesten des Osteuropäischen Tieflands. Die gewaltigen Gletscher der letzten Eiszeit haben eine typische Moränenlandschaft mit niedrigen Höhenzügen, zahlreichen Findlingen und Senken hinterlassen. 90% des Landes liegen unter 100 m, mehr als ein Fünftel sind Sumpfland, Moore und Gewässer. Durch den größten See, den Peipussee, verläuft die Grenze zu Russland. Im Südosten bildet im Bereich des Baltischen Höhenrückens der Suur Munamägi mit 318 m nicht nur die höchste Erhebung Estlands, sondern des ganzen Baltikums. Der stark gegliederten Ostseeküste sind mehr als 1500 Inseln vorgelagert; die größten sind Ösel (Saaremaa) vor dem Rigaer Meerbusen und Dagö (Hiiumaa) am Eingang des Finnischen Meerbusens.
Durch den Einfluss des Atlantischen Ozeans (Golfstrom) ist das Klima in Estland überwiegend mild. Nur im Landesinneren ist es stärker kontinental geprägt mit größeren Temperaturschwankungen im Jahresverlauf.

Die Ostseeküste
Estland hat eine 3450 Kilometer lange Küste und eine bedeutende Fischerei. Im Norden säumen 100 Meter hohe Klippen das Küstengebiet. Im Nordwesten hat die Gletschererosion eine geschwungene Küste mit Karsthöhlen entstehen lassen, im Süden ist die Küste geradliniger. Dort befinden sich auch einige Badeorte wie Pärnu oder Haapsalu, das „baltische Venedig". Vor der estnischen Ostseeküste liegen rund 1500 Inseln, welche die UNESCO als Biosphärenreservate anerkannt hat.

Seen, Sumpfe und Wälder - Wirtschaft
Unzählige Wälder und Feuchtgebiete sowie über 1400 Seen prägen die estnische Landschaft. Der größte, der Peipussee (3 500 qkm), bildet eine natürliche Grenze zu Russland. Die Wälder, die auch ergiebige Jagdgebiete sind, bedecken mehr als ein Drittel des Territoriums und bieten eine gute Grundlage für die holzverarbeitende Industrie.
Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Estlands gehört die Landwirtschaft, besonders die Viehzucht. Es gibt aber auch den Anbau von Flachs, Roggen und Kartoffeln. Aufgrund der Industriezentren bei Tallinn und Narwa ist das Land als kleinster der drei baltischen Staaten auch der reichste.

Naturschutzmaßnahmen
Estland schützt seine Fauna und Flora wirkungsvoll durch zahlreiche Naturparks und Naturschutzgebiete.
Erwähnenswert sind u.a. das Naturreservat Endla, hier findet man Torfmoorflächen, und der Lehamaa-Nationalpark, ganz im Norden Estlands gelegen, er erstreckt sich über ca. 700 qkm.
Auch Tierarten, die woanders vom Aussterben bedroht sind, wie der Storch, das Flughörnchen oder der Braunbär, finden dort ein Zuhause.

Bevölkerung
Etwa zwei Drittel der Bevölkerung sind Esten, die ethnisch und sprachlich eng mit den Finnen verwandt sind. Die Russen, die größte Minderheit, haben sich vor allem nach dem 2. Weltkrieg angesiedelt. Insgesamt nimmt die Einwohnerzahl Estlands ab, weil zum einen die Geburtenrate niedrig ist und zum anderen viele Russen das Land nach der Unabhängigkeit Estlands verlassen haben

Bevölkerung 1,377 Mio. Ew. (65 % Esten, 28 % Russen)
Stadtbevölkerung 74 %
Religion Evangelisch-lutherische Kirche
Sprache Estnisch; Russisch

Bildung
Es besteht eine neunjährige Grundschulpflicht. Nach der Primarstufe erfolgt die Aufteilung in eine 3-jährige allgemein bildende oder eine berufsbildende Sekundarstufe; Unterrichtssprache ist Estnisch oder Russisch. Neben den Universitäten gibt es vierjährige, collegeähnliche Hochschuleinrichtungen. Großes Ansehen genießt die 1632 gegründete Universität in Tartu.

Ein junger Staat am Rand von Russland
Schon in der Vorzeit besiedelten die Esten, ein mit den Finnen verwandter Volksstamm, die baltische Küste, um dort vom Fischfang und der Seeräuberei zu leben. 1219 eroberten die Dänen ihr Land. 1346 fiel es an den Deutschen Orden, 1561 an Schweden und 1721 an Russland.
1918, nach dem Ersten Weltkrieg, wurde Estland unabhängig. Dieser Zustand dauerte jedoch nicht lange. Im Zweiten Weltkrieg besetzten die Deutschen von 1941 bis 1944 das Land, danach wurde es an die UdSSR angeschlossen.
Erst 1991, nach dem Zerfall des Ostblocks, erhielt Estland seine Unabhängigkeit zurück.

1227 Eroberung durch den Schwertbrüderorden
1721 Estland fällt im Großen Nordischen Krieg an Russland
1918 Unabhängigkeitserklärung (24.02.)
1940 Estland wird Teil der UdSSR; über 100000 Esten werden deportiert
1988 Eine Nationalbewegung bildet sich
1990 Ein Mehrparteiensystem wird eingeführt; Estland erklärt seine Unabhängigkeit
1991 Estland erlangt die Unabhängigkeit; die Kommunistische Partei wird verboten
1992 Neue Verfassung verabschiedet
1997 Die verbesserte rechtliche Stellung der russischen Minderheit sorgt für den Rückgang der ethnischen Spannungen
1998 Beginn von Aufnahmeverhandlungen mit der EU
2001 Arnold Rüütel wird neuer Staatspräsident
2004 Estland wird Mitglied von NATO und EU

Ein moderner Staat
In den folgenden Jahren reformierte und privatisierte das Land seine Wirtschaft konsequent. Durch finanzielle Anreize wie Steuererleichterungen lockte der Staat ausländische Investoren ins Land. Erfolgreich fördert er zudem moderne Kommunikationstechnologien. Die Zahl der Internetanschlüsse etwa stellt einen Rekord innerhalb der Europäischen Union dar. Die gelungene Modernisierung seiner Wirtschaft und seines Gemeinwesens trug dazu bei, dass Estland 2004 EU-Mitglied wurde - nachdem die Esten den Beitritt in einer Volksabstimmung mit großer Mehrheit befürwortet hatten. Obwohl das sowjetische Erbe überwunden werden soll, sind einige Probleme in diesem Zusammenhang bislang ungelöst. So gestaltet sich etwa die Integration der sehr starken russischsprachigen Minderheit schwierig. Sie stellt ein Drittel der Bevölkerung, besitzt zum Teil weder einen russischen noch einen estnischen Reisepass und ist dadurch staatenlos.

Die Wirtschaft
Die Wirtschaft Estlands basiert auf der vielseitigen Industrie und der Nutzung der hochwertigen Ölschiefervorkommen. Maschinenbau, Chemie-, Baustoff-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie gehören neben der Ölschiefergewinnung und -verarbeitung zu den führenden Industriezweigen. Von Bedeutung sind auch die intensive Landwirtschaft und der Fischfang in der Ostsee. Der Hauptfang ist der Hering. In der Landwirtschaft steht die Viehwirtschaft an erster Stelle. Rinder- und Schweinezucht sind am wichtigsten, es gibt aber auch Schaf-, Ziegen- und Geflügelzucht. Hochentwickelt sind ebenfalls Silberfuchs-, Nerz- und Pferdezucht sowie die Imkerei.
Der Ausrichtung von Industrie und Handel auf die sowjetische Wirtschaft begegnete Estland nach Wiederherstellung der Unabhängigkeit 1991 durch eine konsequent marktwirtschaftliche Orientierung, die auch die Wirtschaft nach 1994 auf Wachstumskurs brachte.

Klima
• gemäßigt (Küste), kontinental (Landesinnere)
• Durchschnittstemperatur:  7 °C bis -2°C im Januar, 17 °C im Juli
• jährliche Niederschlagsmenge: 600 mm

Sehenswertes
• Tallinn (Rathaus, Kunstmuseum, Marinemuseum, Geschichtsmuseum)
• Nationalparks und Reservate (Lahemaa, Soomaa, Matsalu, Endlal)
• der Bade- und Thermalkurort Pärnu
• Inseln (Saaremaa, Hiiumaa, Abruka)
• der Peipus-See
• Kuremäe (Puhtitsa-Kloster, Friedhof)
• Pöltsamaa (Schloss)
• Otepää • Viljandi

Internetlinks:

Naturschutzgebiete

Seite erstellt: 2006
Seite geändert: 21.02.2010

 

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