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Die Erde und ihre Länder
Europa - Bulgarien
Bulgarien
- Hauptstadt: Sofia
Südlich von
der Donau erstreckt sich hier eine lößbedeckte, von Flüssen
zerschnittene Kreidetafel mit Gras- und Getreidefluren.
Jenseits der Klimascheide des steil nach Süden abfallenden plateauförmigen
Balkan (bis 2376 m hoch) liegt das warme und fruchtbare Ostrumelische Becken;
westlich davon das rund 550 m ü. M. gelegene Becken von Sofia. Die Südgrenze
umfasst den größten Teil der hochgebirgsartigen und dicht bewaldeten Rhodopen, die
Bulgarien vom Ägäischen Meer trennen. Steilküsten und Sandstrände bilden den
Abschluss zum Schwarzen Meer. Im Norden findet man die Donau und Rumänien, im Osten das
Schwarze Meer, im Süden dieTürkei und Griechenland, im Westen Jugoslawien und
Mazedonien. Dichte Wälder und
zahlreiche Flüsse bestimmen die Topographie.
In Bulgarien findet man unterschiedliche
klimatische Bedingungen: Im Westen des Landes herrscht
mitteleuropäisches Klima, im Süden und an der Schwarzmeerküste gibt es nahezu
mediterrane Bedingungen. Nördlich des Balkan herrschen warme Sommer und
kalte Winter, die im Süden ihre Wirkung verlieren, da das Gebirge die kalten
Nordostwinde abhält.
Der überwiegende Teil der Bevölkerung besteht aus
südslawischen Bulgaren, daneben leben Türken (etwa 10%), Roma (5%) u. a.
Minderheiten. Über 80% der Bevölkerung gehören der bulgarisch-orthodoxen
Kirche an, etwa 13% sind Muslime. Die Bevölkerungszahl Bulgariens ist leicht
rückläufig. Etwa 3/4 der Bevölkerung lebt in Städten.
Im Norden die
Donau und Rumänien, im Osten das
Schwarze Meer, im Süden die Türkei und Griechenland, im Westen Jugoslawien und
Mazedonien.
Geschichte
Nach der römischen Eroberung bis Mitte des 1.
Jh.n. Chr. begann die Romanisierung der Bewohner, der Thraker.
Seit dem 6. Jh. drangen Slawen ein, 680 das Turkvolk der Bulgaren,
die das erste bulgarische Reich von Pliska, später Preslaw
(681-1018), gründeten. Es umfasste fast die ganze Balkanhalbinsel. Boris I. trat 864/65 zum byzantinischen Christentum über. Simeon I. (893-927), der bedeutendste Herrscher Bulgariens im
Mittelalter, besiegte die Serben und Byzantiner und errichtete das bulgarische
Patriarchat.
972 kam der Osten, 1018 auch der Westen unter byzantinische
Herrschaft. Die Brüder Peter und Asen errichteten das Zweite Bulgarische
Reich von Tirnowo (1186-1393), das 1393 bzw. 1396 unter türkische Herrschaft
kam. In der Folgezeit brachen wiederholt Aufstände gegen die Türken aus. Seit
der 2. Hälfte des 18. Jh. wurde die geistig-nationale Wiedergeburt
vorbereitet, die zur Loslösung von der griechischen Kirche und
zur Befreiung von der Türkenherrschaft führte. Der Berliner Kongress errichtete
ein Fürstentum Bulgarien, das aber dem Sultan tributpflichtig blieb. Ferdinand I. von Sachsen-Coburg-Gotha-Koháry erklärte 1908 die
völlige Loslösung von der Türkei und nahm den Zarentitel an. Die Erfolge der
bulgarischen Truppen im 1. Balkankrieg wiederholten sich im 2. Balkankrieg nicht:
Die Süddobrudscha und Makedonien gingen verloren.
So wie sich das Land
von Russland abwendete,
näherte sich Bulgarien Deutschland
und nahm an dessen Seite am 1. Weltkrieg teil. Wegen des Ausgangs des
Krieges trat der bulgarische Zar zugunsten seines Sohnes Boris III. zurück. 1933 wurde
eine Annäherung
an Jugoslawien und damit an die Balkanentente erreicht. Gute Beziehungen zu
Deutschland wurden auch im 2. Weltkrieg beibehalten. 1944 erklärte die Sowjetunion Bulgarien den
Krieg und besetzte das Land. Bulgarien wurde eine Volksrepublik (1949 COMECON-Mitglied, 1955
Mitglied des Warschauer Pakts). 1971 wurde T. Schiwkow zum Staatsoberhaupt gewählt. Schiwkow
stand aber den Reformbestrebungen Gorbatschows ablehnend gegenüber. 1989 erzwang das bulgarische
Politbüro deshalb seinen Rücktritt. 1990 verzichtete die KP auf ihren
Führungsanspruch und änderte ihren Namen in "Bulgarische Sozialistische Partei",
sie errang bei den ersten freien Parlamentswahlen im Juni 1990 die
absolute Mehrheit. Stärkste Oppositionspartei wurde das Wahlbündnis "Union der
demokratischen Kräfte" (SDS). 1991 verabschiedete das Parlament eine neue
Verfassung. Bei Parlamentswahlen im Oktober 1991 bildete Dimitrow eine
Alleinregierung der SDS, die von der Partei der türkischen Minderheit
toleriert wurde. Schelew gewann die Präsidentschaftswahlen 1992. Im selben Jahr
verlor die Regierung Dimitrow das Vertrauen des Parlaments und trat zurück. Der
Parteilose L. Berow wurde neuer Ministerpräsident. Vorgezogene
Parlamentswahlen im Dezember 1994 gewann die BSP mit absoluter Mehrheit. S. Widenow wurde
Ministerpräsident. Zum Staatspräsidenten wurde 1996 P.
Stojanow gewählt. Aufgrund der
katastrophalen Wirtschaftslage erklärte Ministerpräsident Widenow
1996 seinen Rücktritt. So fanden im April
1997 vorgezogene Neuwahlen statt, bei denen das Parteienbündnis Vereinigte
Demokratische Kräfte die absolute Mehrheit
gewann. I. Kostow wurde neuer Regierungschef. Die EU nahm 2000
Beitrittsverhandlungen mit Bulgarien auf. Die Parlamentswahlen 2001 wurde S. Sakskoburggotski
Ministerpräsident an der Spitze einer Koalitionsregierung. a Die
Präsidentschaftswahlen im November 2001 gewann G. Parwanow. 2004 wurde Bulgarien Mitglied der NATO.
Politik und Verfassung
Nach der Verfassung von 1991 ist Bulgarien eine
parlamentarische Republik mit relativ starker Stellung des Präsidenten. Dieser
wird für eine Amtszeit von 5 Jahren direkt vom Volk gewählt. Eine einmalige
Wiederwahl ist möglich. Der Präsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und
hat gegenüber der Legislative ein aufschiebendes Vetorecht. Auf seinen Vorschlag
hin wählt das Parlament den Ministerpräsidenten. Die Legislative
(Volksversammlung) hat 240 Abgeordnete, die für eine Amtszeit von 4 Jahren
gewählt werden. t. Seit 1991 gibt es ein
Verfassungsgericht.
Bulgarien
ist ein beliebtes Urlaubsland für Sommer-Urlaube.
Die Wärme, der breite
Strand am Schwarzen Meer mit seinem fast überall feinem hellen Sand und
die Wassertemperatur um 24° lädt geradezu zum Baden ein.
Ansehenswert
sind aber z.B. auf jeden Fall die historische Altstadt von Nessebar und
das Rila-Kloster im Rila-Gebirge, aber auch das Delphinarium in Varna.
Wirtschaft
In
der Landwirtschaft werden etwa ein Viertel der Erwerbstätigen beschäftigt. Sie liefert Tabak
(Gebirgstäler), Obst, Wein (an Donau, Maritza, Struma und Mesta), Gemüse und
Rosenöl für den Export. Ferner werden Weizen, Mais,
Zuckerrüben, Sonnenblumen, Baumwolle, Reis u. a. angebau. Sonderkulturen sind die
Rosenfelder und die Seidenraupenzucht. Viehhaltung wird besonders in den
Gebirgen betrieben.Die Zeiten klebrig-süßer Traubensäfte sind mittlerweile
Geschichte, heutzutage produzieren bulgarische Winzer ausgezeichnete Weine. Im
Norden des Landes werden vorwiegend weiße gekeltert, im Süden dominiert der
Rote. Am Schwarzen werden nicht nur
herausragende Weine, sondern auch Brandy und Cognac hergstellt.
Wertvolle Braunkohlenlager finden sich am Oberlauf der Struma
und bei Dimitrowgrad, Eisenerze bei Sofia und an der Tundža; von Bedeutung sind
auch die Bauxit- und Steinsalzlager; es gibt zahlreiche Thermen. Schwer-,
Metall-, Textil-, Lebensmittel-, Tabak- und chemische Industrie sind gut
entwickelt.
Ausgeführt werden Nahrungsmittel, Tabak, Textilien und
Maschinen; eingeführt werden Metalle, Fahrzeuge, Maschinen, Chemikalien,
Konsumgüter sowie Erdöl und Erdgas.
Die Donau ist mit dem Hafen Russe ein wichtiger Verkehrsträger;
die Schwarzmeerhäfen Varna und Burgas sind als Seebäder für den Fremdenverkehr
von Bedeutung. Internationale Flughäfen befinden sich in Sofia, Plovdiv, Varna,
Ruse und Burgas.
Natur-
und Kulturdenkmäler
In den Siebziger Jahren wurden eine Reihe bulgarischer Natur-
und Kulturdenkmäler von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Darunter auch das
kleine Städtchen Nessebar in Sichtweite des Sonnenstrands. Griechische Siedler
errichteten hier den Handelsplatz Mesambria, der bis ins Mittelalter zu einer
der wichtigsten Zentren am Schwarzen Meer zählte. Von der Konkurrenz mit dem
mächtigen Byzanz zeugt der "Reiter von Madara" westlich von Varna, im achten
Jahrhundert in 23 Meter Höhe aus einer senkrechten Felswand herausgemeißelt und
zugleich das einzige frühmittelalterliche Monumentalrelief in Europa. Rund 600
Hektar umfasst das Naturschutzgebiet Srebarna an der Donau mit vielen seltenen
Vogelarten, etwa den vom Aussterben bedrohten Krauskopfpelikanen, die hier seit
Jahrhunderten nisten
Bilder: © MonikaFrunzke
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