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Die Erde und ihre Länder
Asien - Jordanien
Das
Wüstenschloss Qusair Amra
übersetzt:
Das rote Wüstenschlösschen
Lange Zeit
hatten wir Europäer von Wüsten mehr oder weniger solche Vorstellung: Sand,
Sand.... Oasen und sonst nichts. Und auf die meisten Wüsten trifft das wohl
zu.
Erst am Ende des 19. Jh. hörte der mährische Priester und Orientreisende Alois
Musil von alten Palästen, die sich in Jordanien östlich der moslemischen Pilgerstraße nach Mekka
befinden sollen. Natürlich war das auch etwas märchenhaft verbrähmt, denn
diese sollten von Gespenstern heimgesucht werden, aber vielfältig verziert
sein. Zwei Jahre später wurde Alois
Musil zum Entdecker von
Qusair Amra.
Qusair Amra gilt als das schönste Wüstenschloss auf jordanischem Boden. Der Bau,
um 711 n. Chr. erbaut, ist gut erhalten, und die Fülle an Fresken aus der
omaijadischen Zeit (Die Omaijaden waren eine Kalifen-Dynastie, im 7./8. Jh. in Damaskus) gibt es sonst nirgendwo.
Al-Walid, der Erbauer der Großen
Moschee von Damaskus, soll auch Qusair
Amra errichtet haben. Dieses Schlösschen diente
wohl omajjadischen Kalifen als Residenz. Aber Genaues weiß man über die
Wüstenschlösser nicht. Sie könnten auch Karawansereien gewesen
sein oder höfische Zufluchtsstätten vor Cholera und Pest oder Verhandlungsstätten mit aufmüpfigen Stämmen oder Lustpaläste. Den
Spekulationen über die Nutzung ist bis heute keine Grenze gesetzt.
Als Alois Musil mit seinen Begleitern bei dem Schlösschen eintraf, war er überrascht. Er sah einen schmucklosen Bau, daneben ein Brunnenhaus. Aber genauso überrascht war er sicher, als er in das Innere des Schlosses kam, denn hier erwartete ihn eine dreischiffige Halle mit Tonnengewölben und ein Badetrakt . Die Wände waren mit verschiedensten Malereien bedeckt.
Alois Musil, auch andere Forscher,
beschäftigte natürlich, wer warum mitten in der Wüste diese Repräsentationskunst veranlasste.
Aus arabischen Inschriften kann man entnehmen, dass der Bau im
8. Jh. entstanden
ist. Und da herrschte hier schon der Islam. Und bis zum Entdecken dieser
Wüstenschlösschen war man immer davon ausgegangen, dass
sich der Koran, aber auch Mohammed gegen jede Form künstlerischer Darstellung
wendet. Nun aber musste man erkennen, dass der Islam in dieser Zeit zumindest
in der Privatsphäre Bilder zuließ und er damit an die spätantike
Kunst anknüpfte.
Es
ist nicht bekannt, wer Qusair Amra
erbauen ließ. Evtl. war es Yazid III.,
der als Kalif
eine begrenzte Zeit in der Wüste lebte. Den Bau könnte aber z.B. auch Walid II.
veranlasst haben. Beide waren Mitglied des Herrscherhauses der
Omajjaden.
Byzantinische oder
koptische Künstler (Kopten sind christliche Nachkommen der alten Ägypter mit arabischer Sprache und eigener
Kirche) bauten für die Omajjaden die ersten großen Moscheen, so in
Jerusalem und Damaskus, und byzantinischen Künstlern ist wahrscheinlich auch die üppige
Innendekoration von Qusair Amra zu verdanken. Inmitten von Bildmotiven
einer älteren, anderen Welt traf sich im Wüstenschlösschen,
so kann man vermuten, der omajjadische Fürst
mit jenen Stammesführern, in denen die Dynastie ihren
politischen Rückhalt hatte. Gelage scheinen, entgegen der
angenommenen sittenstrengen Auffassung des Islam, zum festlichen Alltag gehört zu haben.
Information:
Dieter Wiinkler
Internet-Links:
www.ich-war-auf-reisen.de/reiseberichte/
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