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Deutsch - Sprachgebrauch
Textarbeit  


Schildern - Eine Beispielerzählung

Abschied für immer

Ich bin ein großer Tierfreund und interessiere mich eigentlich für alle Tiere. Deshalb verpasse ich samstags so gut wie nie das Haustiermagazin „hundkatzemaus“, das von 18.30 Uhr bis 19.10 Uhr vom Fernsehsender VOX ausgestrahlt wird. Durch die Sendung führt die Moderatorin Diana Eichhorn. Sie stellt Haustiere vor, berichtet über Lebensgewohnheiten verschiedener Arten und über Beziehungen zwischen Tier und Mensch. Dazwischen kommt Tierarzt Dr. Wolf zu Wort, entweder in seiner Praxis oder bei größeren Patienten im  Stall.
Diese Teile der Sendung finde ich besonders interessant. Zum Beispiel ließ Dr. Wolf Hundewelpen durch Kaiserschnitt das Licht der Welt erblicken. Eine natürliche Geburt war nicht möglich, da ein Jungtier im Geburtsgang feststeckte. Er ging bei dieser Operation, wie bei allem anderen auch, mit viel Einfühlungsvermögen an´s Werk. Er sprach mit dem Tier und Streicheleinheiten kamen nicht zu kurz. Nach gelungener Geburt war er sichtlich erleichtert und ein Strahlen ging über sein Gesicht. Es könnte ja immer einmal etwas schief gehen.
Ein anderes Mal wollte ein Bauer wissen, ob seine Kuh tragend sei. Das war nun wirklich nicht lustig. Gummihandschuhe, die bis zum Ellebogen reichten, wurden übergestülpt, und dann ging es in Richtung After. Der letzte Darmabschnitt musste nämlich erst einmal vom Kot entleert werden. Danach stellte
Dr. Wolf fest: “Die Kuh wird kalben.“ Der Bauer war glücklich darüber und auch Dr. Wolf. Man sah es ihnen an.
Aber nicht immer ging es gut aus. Da musste bei einem Hund eine Magen-Darm-Spiegelung durchgeführt werden. Hierbei war ganz toll, dass man den Weg durch den oberen Verdauungstrakt
  auf dem Bild des Monitors verfolgen konnte. Dabei stellte Dr. Wolf Tumore in der Speiseröhre und eine Verengung des Magendurchganges fest..
Man merkte beim anschließenden Gespräch mit dem Frauchen des Hundes, wie gedrückt Dr. Wolf wirkt. Für den Hund wird es wenig Hilfe geben. Er sollte nun viele kleine Mahlzeiten einnehmen, damit die Nahrung einigermaßen vollständig in den Darm gelangen kann und die Symptome eingedämmt würden. Vielleicht könnte eine spätere Magenoperation das Leben des Hundes etwas verlängern.
Ich weiß, dass der Arzt sich sehr gut in die Situation des Hundes und des Frauchens versetzt hatte. Hatte er doch in der vorletzten Sendung seine schwerste Tat vollbringen müssen. Er musste seinen eigenen geliebten Hund einschläfern. Böse Tumore hatten sich trotz vorangegangener Operationen so ausgebreitet, dass das Tier hätte jämmerlich ersticken müssen. Dr. Wolf hatte einen schweren inneren Kampf durchmachen müssen, ehe er sich entschieden hatte, sich von seinem geliebten Tier, einem guten Freund, zu trennen, und dazu noch die Trennung selbst zu vollziehen. Die überaus große Verantwortung für seinen Kameraden ließ ihn richtig entscheiden. Die Qualen sollten ein Ende haben. Dr. Wolf setzte sein geliebtes Tier auf den Behandlungstisch, seine Hände glitten sanft über das Fell, er kraulte seinen Hund leicht und die Blicke zweier treuer Augenpaare trafen sich. Ob beide, Dr. Wolf und sein Hund, die Gedanken des anderen erahnen konnten? Dann griff seine Hand etwas zaudernd zur Spritze, der Einstich erfolgte überzeugter und zärtlich wandte er sich mit den Worten „Hab` Dank, wir sehen uns wieder“ an sein Tier.
Diese letzten Worte, mit denen sich Dr. Wolf auf die Gesinnung von Otto von Bismarck bezog, bewegten mich sehr.
Vor vier Jahren wurde unser erster Hund Maxel überfahren. Darüber kamen wir nur schwer hinweg. Sollte es damals wirklich ein Abschied für immer gewesen sein? Wir haben wieder einen Hund, die Maxi, und Katzen. Und irgendwann werden die Tage kommen, wo es wieder heißt, Abschied nehmen zu müssen von Tieren, die uns ans Herz gewachsen sind.
An diese kommenden Tage denke ich mit Schrecken. Die Worte von Dr. Wolf  empfinde ich als Trost und Zuversicht.

                                                                                            Autor: Ulrike Grohmann
 

 

 

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