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Deutsch - Rechtschreibung/Grammatik
Sprachgeschichte
Stoffe aus der Wortkunde
Ortsnamen,
Namen von Dörfern und Städten, sind mit der Besiedlung des Landes durch
feste Wohnsitze entstanden. Viele Ortsnamen sind sehr alt. Sie haben sich
im Lauf der Zeit häufig in ihrer Form verändert, sodass sich nur anhand
alter Quellen feststellen lässt, woher sie stammen und was sie bedeuten.
Die
weitaus meisten Ortsnamen im heutigen deutschen Sprachraum sind alter germanischer
oder deutscher Herkunft. Im Osten des deutschen Sprachraumes gibt es eine
größere Zahl von Ortsnamen, die auf die slawische Siedlungsepoche nach der
Völkerwanderung zurückgehen. Im Westen und Süden gibt es eine Reihe von
Ortsnamen, die auf Ortsgründungen in der Römerzeit beruhen und aus lateinischen
Bezeichnungen entstanden sind.
Flurnamen
sind Benennungen für Örtlichkeiten,
z.B.für Berge, Wälder, Wiesen, Felder und Teiche. Viele von ihnen sind mehrere
hundert Jahre alt.
Oft wurden die einzelnen Flurstücke nach ihrer natürlichen
Beschaffenheit, nach ihrer Lage oder ihrer Nutzung benannt.
Anmerkung
für Ostsachsen, besonders die Ober- und Niederlausitz::
Die slawischen Namen- häufig
eingedeutscht- sind sorbisch. Namen, die mit Personen
zusammenhängen, gehen zurück auf Namen des locators, des Ortsiedlungsleiters.
Namen, dieAbleitungen zum Russischen erkennen lassen, sind in der Regel
näher erklärt. Deutsche Ortsnamen gehen oft auf stark abgeschliffene
Personennamen (PN) zurück
Beispiele für die Bedeutung von Flur- und Ortsnamen; Namen von Gewässern, Bergen u.a.
Gliederung:
1. Namen von Städten
2. Ortsnamen aus Ostsachsen, vorwiegend aus dem Kreis Görlitz
a) deutsche Namen
b) slawische Namen
3. Namen von Bergen, Flüssen
u.a.
1 Namen von Städten
Bautzen slaw. budysin, PN zu buditi = wachen (Koseform)
Berlin Bedeutung unklar, aber slaw., wahrscheinlich “Sumpfgebiet“, nicht zu Bär
Brandenburg Burg des Brando (Schwert)
Cottbus zu PN Chotjebud
Dresden Sorb.. drjezdane = Waldbewohner
Erfurt Flussname Erfesa, erpha = die •Dunkelfarbige
Frankfurt nach Frankfurt am Main (Franken-Furt), woher der locator stammte
Gera Flussname; ger = spitzes Stück Land und aha = Wasser
vgl. Aachen (lat. aqua), Eisen - ach
Görlitz slaw. zgorzelice = Brandstätte (siehe dazu auch “Der Türmer erzählt Görlitzer Sagen, S.31)
Halle 8o6 Halla = Salzquelle, Salzwerk, Halle = Siedeheus des Salzwerkes
Kamenz slaw. Kamenj = Steinort
Leipzig slaw. lipa = die Linde
Löbau slaw. PN Ljub
Magdeburg mythol.• vorchristl. Name „magath“, auch in der Bedeutung: Elfe, Naturgeist
Niesky slaw. niskij = niedrig
Reichenbach zem richen (fischreich) bache
Rostock slaw. roz tok (wo ein Fluss-Warnow- auseinanderfließt)
russ. tok = Strom
Schwerin slaw. jagdreiche Gegend, russ. swerj = Wild
Suhl ahd. (a1thochdeutsch) = Kotlache
Wismar slaw.PN Vysemjerj = hochberühmt
Zittau slaw.zitawa= Getreideland, russ. zito = Getreide
Zwickau zwick =Kreuzung von Fernstraßen + au
2a Deutsche Ortsnamen aus_Ostsachsen, vorwiegend Kreis Görlitz
Bernstadt ahd. Bernhard (bern = Bär, hart ~ stark)
Berzdorf ahd. Bertho1d (beraht = glänzend, waltan = walten
Friedersdorf ahd. Friedrich = Friedefürst
Gersdorf ahd. Gerhard ( ger = Speer und stark)
Girbigsdorf ahd. Gerwig ( zu Speer und Kampf)
Hilbersdorf ahd. (hilt = Kampf und brecht = glänzend)
Kodersdorf PN, 1490 : Kossemannsdorf, godizo = zu Gott
Kunnersdorf ahd. Konrad (kuoni =kühn und rat)
Ludwigsdorf ahd. Ludwig (hlud =laut und wic = Kampf)
Markersdorf Markward (Grenzwart, Grenzhüter)
Pfaffendorf Klosterbesitz (Nonnenkloster Lauban)
Rauschwalde lautmalend für rauschenden Wald
Rengersdorf ahd. ragin ( rat und ger = Speer)
Ullersdorf ahd. Ulrich = der an Besitz Reiche
Weinhübel Wein und Hügel (Mitte der 50er Jahre des 19. Jh. wurde an den Hängen oberhalb des Volksbades Wein angebaut, vgl. auch Weinberghaus = Weinlache)
2b Slawische Ortsnamen aus Ostsachsen, vorwiegend Kreis Görlitz
Biesnitz Buz = Holunder
Biesig PN Bjez
Dobschütz PN Dob = gut, Dobesch (zu dobry)
Holtendorf PN Holata
Jänkendorf PN Jenik = Hänschen
Krauscha krusa = Birnbaum
Kunnerwitz PN Konjar (Pferdeknecht oder Gestüt)
Leschwitz alter Name vor 1935 für Weinhübel (PN lesch = Edelmann)
Melaune PN Mjer = berühmt, Mjerow vgl. Wladimir)
Ossig osek = Verhau (zur
Siedlung ausgerodet)
Prachenau Staub, morsches Holz
Rietschen Dorf am Strom
Schlauroth Bedeutung nicht restlos geklärt, wahrscheinlich slaw.Slawenburg
(s. dazu auch „Der Türmer erzählt Görlitzer Sagen, S.73)
Tauchritz tuchorice = Ort sumpfiger Gegend
Zodel za djelj = hinter dem Berge, hinter der Grenze (Wald)
3. Namen von Bergen, Flüssen u.a.
Bieleboh der weiße Gott
Czorneboh der schwarze Gott, sorb. ca. 1840
Kreuzberg genannt nach dem Kreuz auf dem Gipfel: es erinnert an die Mönche Methodus und Cyrillus, die vor 1000 Jahren die Lausitz christianisierten. Cyrillus ist der Schöpfer des cyrillischen Alphabets (russ.)
Schwarzer Berg wahrscheinlich benannt nach dem Wildbestand (Schwarzwild)
Firstenstein fälschlich: Fürstenstein; es
bedeutet: Stein auf dem First (vgl. Dachfirst) = höchste Gebirgsstelle
Der First
ist die höchste Stelle des östlichen Teils der
Königshainer Berge
Hochstein „der höchste Stein“, höchster Punkt der nördlichen Königshainer Berge
Kämpfenberge ursprünglicher Name nach Aufzeichnungen von 1780, heute unberechtigt abgewandelt: Kämpferberg
Limasberg zusammenhängend mit Liebenhaus (Liebstein)
Schwalbenberg benannt nach den Mauerseglern, die Ende des 18. Jh. in den Felsspa1ten beobachtet wurden (Kuriosum: Der Mauersegler gehört in die Familie der Segler, nicht der Schwalben)
Totenstein Opferstätte aus vorgeschichtlicher Zeit ( Urnenfunde )
Lausitz slaw. luzica = Sumpfland; vgl. mundartlich Luscha
Neiße slaw. der jähe Fluß
Oybin slaw. PN ovin = Widder
Rotstein slaw. hrod = Burg (wahrscheinlich Südwesthang)
Schöps slaw.septac
= zischeln, flüstern
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