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Die Erde und ihre Länder
Europa  

Deutschland heute

In der Mitte Europas, zwischen den skandinavischen Ländern im Norden, den Alpenländern im Süden, den Ländern im atlantischen Westeuropa und im kontinentalen Osteuropa, liegt Deutschland. Es reicht vom "Fels zum Meer": vom Hochgebirge der Alpen bis zur Nord- und Ostsee. Durch seine Lage in der Mitte Europas ist Deutschland seit alters ein Raum des Durchgangs und des Austauschs - von Völkern, Kulturen, wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Kräften und Ideen -, aber auch ein Raum der politischen Auseinandersetzung.
Wer durch Deutschland reist, wird vielleicht von den vielen Wiesen, Feldern und Wäldern in dem hoch industrialisierten Land überrascht sein. Fast ein Drittel der Fläche Deutschlands ist Wald, über die Hälfte wird immer noch von der Landwirtschaft genutzt. Dennoch ist es eines der am dichtesten besiedelten Länder Europas: 82 Millionen Menschen, davon über 7 Millionen Ausländer, leben auf einer Fläche von 357 022 km². Die stärkste Bevölkerungskonzentration findet sich im Ruhrgebiet mit 11 Millionen Menschen. Die Metropole Berlin hat über 3 Millionen Einwohner. Weitere große Städte sind Hamburg, München, Frankfurt a. M., Köln, Stuttgart, Hannover, Leipzig und Dresden. Am dünnsten besiedelt ist Mecklenburg im Nordosten.
Eine abwechslungsreiche Landschaft, die Hochgebirge, malerisch gelegene Seen, von Reben gesäumte Flussläufe und dünenbestandene Meeresküsten einschließt, ist ebenso typisch für Deutschland wie die Vielfalt an historischen Bauwerken und Denkmälern. Mittelalterliche Städte, etwa Rothenburg ob der Tauber, erhabene gotische Kathedralen wie der Kölner oder der Magdeburger Dom sowie Burgen und Schlösser gehören zu den zahlreichen Sehenswürdigkeiten des Landes.
Deutschland war seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges geteilt. Eine 1378 km lange, streng bewachte Grenze trennte die beiden deutschen Staaten: die Bundesrepublik Deutschland im Westen und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) im Osten. Erst seit 1990 ist Deutschland wieder ein geeintes Land. Die beiden Teilstaaten gingen jahrzehntelang sehr verschiedene Wege. Die Bundesrepublik wurde zur stärksten Wirtschaftsmacht Westeuropas und nahm tatkräftig Anteil an der wirtschaftlichen und politischen Einigung der demokratischen Staaten im Westen des Kontinents. Die DDR war in das Herrschaftssystem des Ostblocks eingebunden und trug schwere wirtschaftliche und ökologische Schäden durch die kommunistische Misswirtschaft davon. Die Verwirklichung des hoch gesteckten Ziels, möglichst rasch gleichartige Lebensbedingungen in allen Teilen des geeinten Landes herzustellen, erfordert auch Anfang des 21. Jahrhunderts große wirtschaftliche, finanzielle und politische Anstrengungen


Der Staat heute

Schon in ihrem Staatsnamen bringt die Bundesrepublik Deutschland ihren bundesstaatlichen (föderativen) Charakter zum Ausdruck. Sie besteht aus 16 Ländern: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Die Bundesländer sind keine Provinzen, sondern Länder mit eigener Staatsgewalt. Das Grundgesetz verbietet es ausdrücklich, die Gliederung des Bundes in Länder aufzuheben. Jedes Land hat seine eigene Verfassung. Für bestimmte Gebiete der Gesetzgebung und Verwaltung sind die Länder allein zuständig.

Das Grundgesetz trat am 24. Mai 1949 in Kraft. Mit seiner Ausarbeitung wurde begonnen, als sich abzeichnete, dass die durch den Ost-West-Konflikt verursachte Teilung des Landes vorerst nicht überwunden werden konnte. Seine Aufgabe war es, im Gebiet der Westzonen "dem staatlichen Leben für eine Übergangszeit eine neue Ordnung zu geben". Der Begriff Grundgesetz (statt Verfassung) wurde gewählt, um den vorläufigen Charakter des Werks anzudeuten. Artikel 23 des Grundgesetzes eröffnete anderen Teilen Deutschlands die Möglichkeit, seinem Geltungsbereich beizutreten. Auf Grund dieses Artikels traten die Länder der ehemaligen DDR am 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik Deutschland bei.
 
Das deutsche Staatsoberhaupt ist der Bundespräsident, der im Wesentlichen nur repräsentative Befugnisse hat. Er wird von der Bundesversammlung auf fünf Jahre gewählt. Diese besteht aus den Mitgliedern des Bundestages und einer gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Volksvertretungen der Länder durch Verhältniswahl gewählt werden. Einmalige Wiederwahl ist zulässig.

Die Bundesregierung besteht aus dem Bundeskanzler und den Bundesministern. Der Bundeskanzler wird vom Bundestag auf Vorschlag des Bundespräsidenten gewählt. Er bestimmt die Richtlinien der Politik.

Das Parlament der Bundesrepublik ist der Deutsche Bundestag. Seine Abgeordneten werden nach den Grundsätzen einer "personalisierten" Verhältniswahl auf vier Jahre gewählt. Im Bundestag sind heute sechs Parteien vertreten: die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) und Bündnis 90/Die Grünen, ab 1998 als Regierungsparteien, sowie die Christlich-Demokratische Union (CDU), die Christlich-Soziale Union (CSU), die Freie Demokratische Partei (FDP) und die Partei des demokratischen Sozialismus (PDS), die Nachfolgepartei der SED.

Durch den Bundesrat wirken die Länder an der Gesetzgebung des Bundes mit. Er besteht aus ernannten Vertretern der Regierungen der Länder. Ein Land hat je nach seiner Einwohnerzahl drei, vier, fünf oder sechs Stimmen.

Das höchste Gericht ist das Bundesverfassungsgericht. Seine Aufgabe ist es, über die Einhaltung des Grundgesetzes zu wachen. Gesetze, die dem Grundgesetz widersprechen, kann es für nichtig erklären. Es nimmt auch Verfassungsbeschwerden von Bürgern entgegen, die ihre Grundrechte verletzt glauben.

Deutsche Hauptstadt ist Berlin. Bis 2000 wurden die Amtssitze von Bundespräsident, Bundeskanzler, der meisten Bundesministerien sowie der Sitz des Parlaments (Bundestag und Bundesrat) von Bonn nach Berlin verlegt.


 

 

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