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Deutschland
Schwarzenberg
- Perle des Erzgebirges
Die lange Reise der spanischen Wucherblume
In
Schwarzenberg und drumherum begegnet einem immer wieder der Satz "Es
war einmal". Sagen und alte Geschichten berichten uns von
Ereignissen aus längst vergangener Zeit. Manchmal steht ein Fragezeichen
dahinter, oft wissen wir aber auch ziemlich genau, wie es war.
Und die
Geschichte, die ich erzählen will, beginnt auch so:
Es war einmal in
der Nähe von Schwarzenberg. In Raschau eine Korkfabrik. Das Rohmaterial
zur Herstellung von Korkerzeugnissen kam aus Spanien, die Rinde der Korkeichen.
Eines Tages kam wieder eine Ladung Korkeiche in Schwarzenberg an, um dort
zum Weitertransport nach Raschau umgeladen zu werden. Unbemerkt hatte sich
bei der borkigen Rinde ein blinder Passagier eingeschlichen. es waren die
Samen der Spanischen Wucherblume. Da wehte ein wilder Herbstwind heran,
fuhr spielerisch in die Korkrindenstapel hinein, erwischte die kleinen,
leichten Samen und trug sie mit sich fort hinauf zur Altstadt. Unterwegs
stieß er an allerhand Hindernisse. Da war zum Beispiel der Totenstein, der
Schlossfelsen und auch in den engen Gassen der Stadt eckte er überall an.
Dabei verstreute er nach und nach die Samen, die er lustig herumgewirbelt
hatte, und hui - leicht und ledig aller Last brauste er weiter zur Morgenleithe
hinauf ohne ein einziges Samenkörnchen, die waren alle in Schwarzenberg
zurückgeblieben. Die Samenkörnchen aber, ermüdet von der langen Reise von
Spanien bis ins sächsische Erzgebirge, und auch ein wenig erschreckt von
der wirbelnden Luftfahrt, suchten sich, als sie wieder Land spürten, in
Mauerritzen, Felsspalten oder wo sie sonst ein wenig Erde fanden, ein Versteck,
schliefen ein und später deckte der Schnee sie zu. So brauchten sie im rauhen
Erzgebirgswinter nicht zu frieren.
Dann aber kam der Frühling, die Sonne
erwärmte die Erde, die noch feucht von der Schneeschmelze war,und da erwachten
auch die Samen, die ihr Reiseabenteuer gut überstanden hatten, aber jetzt
gar nicht wussten, wo sie eigentlich waren. Also fingen sie an zu keimen
und es dauerte nicht lange, da schauten die ersten grünen Blättchen aus
der Erde hervor. Ihre neue Heimat gefiel ihnen gut und auch die Lebensbedingungen
waren ihnen recht, zumal sie völlig anspruchslos und bescheiden waren, und
so beschlossen die Pflänzchen: Hier bleiben wir. Sie wuchsen und gediehen,
und die Leute wunderten sich über das neue Unkraut, wie sie meinten, das
es plötzlich überall gab. Manche versuchten wohl auch, es auszureißen, aber
an den Felsen und dort, wo es nicht störte, ließen sie es stehen, und als
es dann im Sommer zu blühen anfing und die Pflanzen über und über mit kleinen
weißen Blüten bedeckt waren, gefiel es den Leuten ganz gut, und weil sie
nicht wussten, was sich da angesiedelt hatte, und es auch nur in Schwarzenberg
zu finden war, nannten sie die Pflanze:
"Schwarzenberger
Edelweiß".
So schmückt nun seit langer Zeit das vermeintliche
Unkraut mit seinem weißen Blütenflor vornehmlich die Schwarzenberger Altstadt,
und aus dem
"Es
war einmal... " wurde ein "Es ist noch immer".
Quelle: Magdalena Schmidt
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