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Biologie
Der Wald
Er ist ein
unscheinbarer, in der Nacht schwärmender Falter mit einer Flügelspannweite von 25 bis 30
Millimetern. Er hat graue Vorderflügel mit schwach ausgeprägten dunklen
Querlinien und weißgraue Hinterflügel. Die Flugzeit ist von Mitte/Ende Juli bis Anfang September.
Der Eichenprozessionsspinner ist in Süd- und Mitteleuropa verbreitet und bevorzugt sonnige
Standorte, einzeln stehende Bäume und lichte Wälder.
Gehäuftes Auftreten wurde im deutschsprachigen Raum wiederholt
beobachtet:
Etwa um 1827 kam der Eichenprozessionsspinner im Westen Deutschlands vermehrt vor.
In Österreich wurde in
den 1920er Jahren eine Massenvermehrung beobachtet.
Seit den 1990er Jahren ist Österreich wieder betroffen.
Seit 2003 breitet sich der Eichenprozessionsspinner von Westen,
hauptsächlich von der Niederlande
und Belgien, kommend am linken Niederrhein aus.
Vor allem der Süden Deutschlands wird von einer
starken Plage
heimgesucht. Sehr stark betroffen ist vor allem das Bundesland Baden-Württemberg;
die Folge dieser
Bedrohung ist die Sperrung von Gebieten, in denen befallene Eichen anzutreffen
sind. Daneben gibt es erstmals ein gehäuftes Auftreten in Franken und im südlichen Hessen.
Lebensweise
Die Raupen des Eichenprozessionsspinners
finden sich hauptsächlich an Eichen, gelegentlich - insbesondere in starken Befallsjahren -
aber auch an einigen anderen Baumarten, insbesondere an der Hainbuche. Die Eigelege der Eichenprozessionsspinner
von 100 bis 200 Stück bestehen aus etwa einem Millimeter großen weißen Eiern. Sie werden an
meist älteren Eichen im Kronenbereich an dünneren Zweigen und anderen glatten
Rindenstellen in Form einer länglichen Platte abgelegt und durch Afterschuppen
und Sekret getarnt. Der Embryo
entwickelt sich noch im Herbst zur fertigen Jungraupe, die dann im Ei
überwintert und Anfang Mai schlüpft. Die Raupen durchlaufen fünf bis sechs
Entwicklungsstadien bis zur Verpuppung und werden bis zu fünf Zentimeter
lang. Sie haben eine dunkle, breite Rückenlinie mit samtartig behaarten Feldern
und rotbraunen, langbehaarten Warzen. Sie leben gesellig und gehen in Gruppen
von 20 bis 30 Individuen im "Gänsemarsch" auf Nahrungssuche, daher der Name
"Prozessionsspinner". Die älteren Raupen ziehen sich tagsüber und zur Häutung in
Raupennester, die bis zu einem Meter lang werden können, am Stamm
oder in Astgabelungen von Eichen zurück. Ab dem dritten Stadium entwickeln sich
bei den Larven Gifthärchen mit Widerhaken, die ein Nesselgift enthalten.
Die Raupen gelten als Schädlinge, da sie Lichtungs- oder Kahlfraß verursachen. Bei mehrjährigem starkem Auftreten kann der Baum direkt oder durch Folgeerscheinungen geschädigt werden. Natürliche Feinde des Eichenprozessionsspinners sind Wanzen, räuberische Käfer wie zum Beispiel der Puppenräuber, Raupenfliegen und Schlupfwespen.
Aus forstwirtschaftlichen Gründen sind Maßnahmen zur Regulierung der Eichenprozessionsspinner-Population nur in Ausnahmefällen gerechtfertigt. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist nur bis zum zweiten Raupenstadium vor Ausbildung der Brennhaare sinnvoll. In der Nähe von Siedlungen und Erholungseinrichtungen werden die Eichenprozessionsspinnerraupen aus gesundheitlich-hygienischen Gründen bekämpft. Dabei kommen verschiedene Techniken zum Einsatz. So konnte z.B. in Baden-Württemberg im Jahr 2005 eine Fläche von 118 ha vom Hubschrauber aus erfolgreich behandelt werden.
Brennhaar der Eichenprozessionsspinnraupe
Die
sehr feinen Brennhaare der Raupe, die ein Eiweißgift enthalten, können beim
Menschen eine Raupendermatitis auslösen.
Gefährdungsursache
Die sehr feinen Brennhaare der Raupe brechen leicht und werden bei günstiger
Witterung durch Luftströmungen über weite Strecken getragen. Da die alten
Larvenhäute nach der Häutung in den „Nestern“ bleiben, besitzen diese ebenfalls
eine hohe Konzentration an Brennhaaren. Alte Gespinstnester, ob am Baum haftend
oder am Boden liegend, stellen eine anhaltende Gefahrenquelle dar. Da die
Raupenhaare eine lange Haltbarkeit besitzen, reichern sie sich über mehrere
Jahre in der Umgebung, besonders im Unterholz und im Bodenbewuchs (Gräser,
Büsche, Sträucher) an.
Für den Menschen gefährlich sind die Haare des 3. Larvenstadiums (Mai, Juni).
Sie halten sich auch an den Kleidern und Schuhen und
lösen bei Berührungen stets neue allergische Reaktionen aus. Die (fast
unsichtbaren) Brennhaare dringen leicht in die Haut und Schleimhaut ein und setzen sich dort mit ihren
Häkchen fest.
Die Hautreaktionen halten (unbehandelt) oft ein bis zwei Wochen an. Meist
sind alle Hautbereiche betroffen, welche nicht bedeckt waren. Die Haut- und
Schleimhauterscheinungen und der Juckreiz können behandelt werden.
Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut durch
Einatmen der Haare können zu Bronchitis, schmerzhaftem Husten und Asthma führen. Auch
diese sind behandelbar.
Begleitend treten Allgemeinsymptome wie Schwindel, Fieber, Müdigkeit und
Bindehautentzündung auf. In Einzelfällen neigen überempfindliche Personen zu
allergischen Schockreaktionen.
Vorsichtsmaßnahmen
Grundsätzlich die Befallsgebiete meiden
Hautbereiche (z. B. Nacken, Hals, Unterarme) schützen
Raupen und Gespinste nicht berühren
Sofortiger Kleiderwechsel und Duschbad mit Haarreinigung nach (möglichem)
Kontakt mit
Raupenhaaren
Auf Holzernte- oder Pflegemaßnahmen verzichten, solange Raupennester
erkennbar sind
Bekämpfung wegen gesundheitlicher Belastung und spezieller Arbeitstechnik
nur von Fachleuten durchführen lassen. Entlang von Autobahnen wurden die Raupen
mit Hilfe von Hebebühnen und einer
Art "Flammenwerfer", wie sie bei der
Verlegung von Bitumen auf Flachdächern
verwendet werden, durch
Hitze getötet.
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