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Biologie
Vögel - Spechte





Buntspechte

Körpermaße:  
Kopfrumpflänge 22-23 cm
Schwanz/Flügel Schwanzlänge: ca. 8 -11cm; Flügellänge: ca. 11-15 cm
Gewicht ca. 60 -110 g
Verbreitung Europa, Russland, China, Japan
Lebensraum Wälder, Parks, Obstgärten
Lebensweise Standvögel, Einzelgänger, mitunter Dauerehe
Nahrung Gliedertiere und ihre Larven (z. B. Käfer), Samen
Fortpflanzung 5-7 Eier, die 10-13 Tage bebrütet werden
Feinde Marder, Sperber sind Feinde der Jungspechte
Höchstalter 9-10 Jahre (in Gefangenschaft bis 17 Jahre)

Die Gattung der Buntspechte umfasst 30 Arten, die fast über die ganze Welt verbreitet sind. Sie werden in 6 Gruppen aufgeteilt, von einigen kommen Vertreter auch in Europa vor. In Deutschland sind dies vor allem der Große Buntspecht, der Dreizehenspecht, der Mittelspecht und der Kleinspecht. Am häufigsten und bekanntesten ist der Buntspecht, der der Gattung auch ihren Namen gab.

Der Große Buntspecht
Der Große Buntspecht ist etwa so groß wie eine Amsel, er hat einen schwarzen, weiß gefleckten Rücken und eine weiße bis schmutzig graue Unterseite. Vom Schnabel bis zum Nacken zieht sich ein schwarzer Bartstreif. Erwachsene Männchen haben einen scharlachroten Nackenfleck, während der Nacken bei den Weibchen schwarz ist. Über der Schwarzfärbung liegt ein leicht bläulicher Schimmer. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist der kräftige Schnabel, der nicht nur bestens zum Trommeln und Hacken, sondern auch zum Transport von Nüssen o. ä. geeignet ist.
Der Buntspecht ist auch gut an seinem Flugstil erkennbar: Sein Bogenflug ist sehr ausgeprägt, dazu lassen sich Fluggeräusche vernehmen. Akustisch gut erkennbar sind seine Trommelwirbel, mit denen er im Spätwinter und Frühling das Revier abgegrenzt, aber auch ein Weibchen gelockt wird.                 

Der Buntspecht
Er ist in fast ganz Europa und darüber hinaus beheimatet, außer in Irland und Nordskandinavien, in einem Streifen vom Schwarzen zum Kaspischen Meer. Man findet ihn auch nicht im mittleren Russland bis zur Halbinsel Sachalin, in weiten Teilen Chinas und Japan. Die Art teilt sich geografisch in zahlreiche Unterarten auf.
Der Buntspecht ist ein typischer Waldbewohner, er lebt aber auch in parkähnlichen Landschaften und auch in Obstgärten. Ausnahmen bestätigen auch bei ihnen die Regel.  Hauptsache ist, dass es einen Baumbestand mit einem gewissen Alter gibt. Der Platzbedarf eines Paares liegt je nach Lebensraum zwischen 6 und 60 ha.
Außerhalb der Fortpflanzungszeit sind Buntspechte Einzelgänger, die auch in Einzelrevieren leben. Diese können sich allerdings durchaus untereinander überlappen, wenn es. z. B. in einem kleinen Gebiet mehrere Bäume mit Höhlen gibt. Die Schlafhöhle ist dabei die Wohnung des Spechtes, die er monate-, oft auch jahrelang bewohnt. Nach der Brutzeit erfolgt eine Art Neuverteilung der Höhlen, bei der es häufiger Streit gibt. Die Zeiten des Ein- und Ausfliegens richten sich nach dem Sonnenstand. In der Höhle schläft oder ruht der Specht, außerhalb ist er vor allem auf Nahrungssuche.
Bereits im Winter werden Beziehungen zu möglichen Brutpartnern geknüpft. So sind bei ihnen Dauerehen durchaus denkbar. Zwischen Distanzempfindlichkeit und Annäherung spielen Lautäußerungen eine wichtige Rolle: Bei geringer Distanz kommt es zu aggressiveren Begegnungen mit  entsprechenden Rufen und Flügelspreizen oder sogar mit Verfolgungen. Auch andere Elemente der Körpersprache spielen bei den Begegnungen der Spechte untereinander eine Rolle. So gibt es z.B. den Anwesenheitsruf, der von den Artgenossen gut zu lokalisieren ist. Am auffallendsten ist aber das Trommeln, das von Männchen und Weibchen produziert wird. Die Wirbel der Weibchen sind allerdings etwas kürzer und werden in der Fortpflanzungszeit auch nach und nach seltener. In Vorstädten trommeln Spechte manchmal auch auf Dachrinnen oder Tonnen.
Im Frühling und Sommer verzehrt der Buntspecht hauptsächlich Gliedertiere, besonders Insekten und ihre Larven, die in der Rinde der Bäume leben. Er richtet sich einfach nach dem Angebot. So dezimiert er den Borkenkäfer und andere Holzschädlinge und spielt daher eine sehr wichtige Rolle im Wald. Auf der Nahrungssuche klettert oder hopst er den Stamm meist spiralförmig hinauf, niemals hinunter - er klopft mit seinem Schnabel an und in der Rinde herum und zieht die Beute mit seiner Zunge heraus. An der Zungenspitze befinden sich Widerhaken, so kann er die Larven sehr gut aus ihren Bohrgängen ziehen. Mitunter klopft der Specht auch flächendeckend alte Borke von den Bäumen, um an seine Nahrung zu gelangen.
In den kalten Jahreszeiten, wenn sich die Insekten und ihre Larven zu tief ins Holz oder anderswohin zurückgezogen haben, ernährt sich der Buntspecht mit Pflanzensamen, z. B. von Kiefern, die er mit großem Geschick aus den Zapfen löst. Auch Walnüsse oder Haselnüsse werden mit dem Schnabel so lange bearbeitet, bis die Schale aufgeht. Je erfahrener die Spechte sind, desto besser ist ihre Technik, sodass sich die dazu benötigte Zeit immer mehr verringert.
Vor allem im Frühjahr labt sich der Buntspecht am nährstoffreichen Baumsaft. Dazu schlägt der Specht reihenweise Löcher in die Rinde bestimmter Baumarten, bis Saft austritt, den der Buntspecht mit der Zunge oder dem Unterschnabel aufnimmt. Zwar werden die Bäume dadurch nicht schwer geschädigt, die Spuren davon sind oft noch viele Jahre zu sehen. Hin und wieder wird auch einmal eine junge Meise zur Beute, was uns Menschen natürlich nicht gefällt.
Durch Ruf- und Sichtkontakt beginnt die Paarbildung überwiegend im gemeinsamen Übernachtungsgebiet. Meist ist das dazugehörige Trommeln schon im Januar zu hören. Anfangs sind die Begegnungen noch von Aggression geprägt, und die Vögel wechseln zwischen Locken und Distanzsuche. Verfolgungsjagden führen durch die nähere Umgebung, bis sie igendwann ein Paar werden. Nun beginnt der gemeinsame Höhlenbau. Gelegentlich bauen oder belegen beide verschiedene Höhlen. Dann kommt es zu gegenseitigen Besuchen, bei denen sie sich ritualisiert die Höhlen zeigen und sich schließlich auf eine gemeinsame einigen.
Ist das Nest, das aus den angefallenen Spänen besteht, fertig, kommt es mehrmals täglich zu Begattungen. Schließlich werden die Eier nacheinander täglich in den Morgenstunden gelegt, insgesamt 5-7. Beim Brüten wechseln sich beide Eltern in Schichten ab. Je nach Temperatur dauert es vom Legen des letzten Ei´s bis zum ersten Schlüpfen 9 -12 Tage. Das Männchen schläft nachts bis zum Flüggewerden (20-24 Tage nach dem Schlüpfen) meist in der Bruthöhle. Vom 16. Tag an füttern die Eltern nur noch vom Eingang aus, kommen also nicht mehr in die Höhle. Zuletzt reduzieren die Eltern das Füttern und locken auf diese Weise die Jungen langsam aus der Höhle. Nach dem  Ausfliegen beginnt für die Jungspechte die gefährlichste Zeit, Marder oder Sperber haben jgute Chancen. Nestlinge hingegen werden kaum gegriffen.

Der Mittelspecht
Er ist zwar kleiner als der Buntspecht, trotzdem kann man die beiden verwechseln. Man kann sie aber z.B. an der Kopfzeichnung unterscheiden, die beim Mittelspecht rot ohne schwarzen Saum ist. Auch die Gegend um den After ist rot, im Bauchgefieder sind dunkle Striche zu erkennen.
Verbreitet ist der Mittelspecht in Mittel-, Süd- und Osteuropas bis hin zum vorderen Orient. Nach Mitteleuropa ist er allerdings erst nach der letzten Eiszeit gekommen. Sein typischer Lebensraum ist der Laubwald, speziell Eichenwald, und Eichenmischwald, sodass sich seine Verbreitung mit denen bestimmter Laubbaumarten decken. Er braucht nicht unbedingt alte Bäume, da er z. B. gerne in abgebrochenen, morschen Birkenstümpfen brütet. Beim Nahrungserwerb sucht er die Rinde ab.
Auch der Mittelspecht verfügt über verschiedene Rufäußerungen, wobei manches dem des Buntspechts ähnelt.
Nach der Balz, die nicht so aggressiv ist wie beim Buntspecht, kommt es im  April zur Höhlenwahl oder einem Neubau der Bruthöhle. Die Brutdauer beträgt 11-14 Tage, die Nestlingszeit 22-23 Tage. Die Versorgung übernehmen Männchen und Weibchen, wobei das Männchen nachts auf den Eiern sitzt. Mittelspechte werden 8-9 Jahre alt.

Der Kleinspecht
Dieser kleinste mitteleuropäische Specht ist etwa 14 cm groß. Das Männchen hat einen roten Scheitel. Die weiße Querbänderung von Flügeln und Rücken sowie die schwarzen Längsstreifen entlang den Seiten und auf der Brust sind sehr auffällig. Verbreitet ist der Kleinspecht mit seinen 13 Unterarten fast in ganz Europa, in Nordalgerien und -tunesien, Sibirien, die nördliche Mongolei, Nordostchina bis Kamtschatka, Sachalin und Hokkaido. In Europa fehlt er nur in Irland, Schottland und im nördlichsten Skandinavien und einigen kleinen Gebieten im Mittelmeerraum.
Der Kleinspecht lebt in geschlossenen Laub-, Nadel- und Mischwäldern und in Feldgehölzen. Wichtig sind ihm Weichhölzer und eine große Auswahl an Dürr- und Totholz, in dem er Insekten finden kann. Er erbeutet sie mit Hackschlägen, damit bringt er Löcher in die Borke oder das Holz und fährt dann mit seiner mit Widerhaken besetzten Zunge hinein. Pflanzliche Nahrung nimmt der Kleinspecht kaum zu sich.
Kleinspechte leben z. T. nicht nur in der Brutsaison in Paaren, auch außerhalb dieser Zeit streifen sie oft gemeinsam umher. Sie bleiben lieber zusammen als in einer bestimmten Gegend. Revierverteidigung erfolgt meist nur in der Brutsaison.
Nach der ersten Phase der Balz, die der Revierzusammenlegung und Partnerbindung dient und noch aggressive Elemente enthält, folgt eine Phase des Höhlen(aus)baues. Schließlich legt das Weibchen 5-6 Eier, die 10-12 Tage bebrütet werden. Mindestens 21 Tage dauert die Nestlingszeit, und nach dem Ausfliegen führen die Eltern die Jungspechte noch 1-2 Wochen. Kleinspechte werden etwa sechs Jahre alt.

Der Dreizehenspecht
Dieser knapp buntspechtgroße Vogel hat ein schwarzes Band vom Auge zu den schwarzen Schultern. Das Männchen hat einen gelben Scheitel, Weibchen sind rein schwarzweiß. Beine und Zehen sind kürzer als bei den anderen Arten der Gattung. In Mitteleuropa kommt der Dreizehenspecht nur im Bayerischen Wald und in den östlichen Alpen vor; sein Hauptverbreitungsgebiet reicht von Fennoskandinavien über Sibirien bis Sachalin und Kamtschatka. Einige Rassen kommen kleinräumiger auch zwischen Böhmerwald und dem Schwarzen Meer sowie in Zentralasien und Nordamerika vor. Der typische Lebensraum ist der totholzreiche Nadelwald. Dabei hält er sich vom Menschen fern. Seine Nahrung besteht zu 70 % aus Insekten und ihren Larven, die vor allem Baumrinden bewohnen. Dazu kommt Saftgewinnung durch Ringelung, gelegentlich werden Vogelbeeren oder Fichtensamen gefressen.
Der Dreizehenspecht ist sehr reviertreu und zeigt dies während der Fortpflanzungszeit gerne durch Trommeln an. Auch er kennt verschiedene Laute, um sich Partner oder Rivalen verständlich zu machen. Es werden hier sogar wesentlich mehr unterschieden als bei den anderen Spechten.
Nach der Balz wird die Bruthöhle bevorzugt in Nadelbäumen angelegt, in die das Weibchen 3-4 Eier legt und zusammen mit dem Männchen 11-13 Tage bebrütet. 20-24 Tage bleiben die Jungen Nestlinge, nach dem Ausfliegen werden sie noch einige Wochen gefüttert. Über die natürlichen Feinde und das Lebensalter der Dreizehenspecht ist bislang kaum etwas bekannt.
                                                                                                               

Seite erstellt: 2006
Seite geändert: 26.01.2010

 

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