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Biologie
Bären



Der Panda
oder der Bambusbär

Für viele Menschen ist der Panda oder Bambusbär ein beliebtes Tier, für viele sogar ein Kuscheltier.
Ein wesentlicher Grund dafür ist ganz sicher sein Aussehen, seine schwarz­weiße Fellzeichnung, der große Kopf mit den schwarzumrandeten Augen. Aber wir mögen auch seine relative Friedlichkeit - und all das macht ihn zu einem beliebten Wildtier.
Bei Artenschützern ist er aber auch ein Symbol für das verzweifelte Ringen um die Erhaltung einer Tierart, denn das Nationaltier Chinas ist in seinem Bestand extrem bedroht. Nur große Bemühungen werden diese Art, die uns so sehr fasziniert, erhalten können.
Der Panda ist in China, seiner Heimat, schon seit mindestens 2500 Jahren bekannt, Für uns, im sogenannen Abendland, wurde er erst 1869 durch den französischen Missionar
Pere Armand David entdeckt.
Zum ersten Mal im Westen zu sehen war ein Panda 1936 im Zoo von Chicago. Er wurde sofort ein Liebling der Besucher. Inzwischen werden Pandas in vielen Zoos der Welt bestaunt, und die Menschen sehen ihn dort nicht nur gern, sondern sie nehmen regen Anteil an dem Schicksal dieser Art. Für die Verbreitung sorgte der chinesische Staat, der gerne Pandas als Staatsgeschenk überreicht.
1961 wurde der Panda zum weltbekannten Wahrzeichen des
World Wide Fund for Nature (größte und erfahrenste Naturschutzorganisationen der Welt), wodurch er noch bekannter wurde.

Merkmale des Großen Panda
Mehr noch als sein bärenartiges Aussehen ist da
s schwarz-weiße Fe
llmuster sein typisches Merkmal: Seine Augenflecken, Ohren, Nase, Beine und Schultern sind schwarz, sonst ist sein Fell weiß. Leider wird es aber mit zunehmendem Alter schmutzig-weiß. Der Körper und der runde Kopf sind massig. Seine Gliedmaßen sind relativ kurz. Aber auch an den Vorderpfoten hat er noch eine Besonderheit: Er hat als 6. Zehe ein gutbewegliches, stark verlängertes Sesambein (Ein Sesambein ist ein kleiner Knochen, der in eine Sehne eingewachsen ist und für einen zusätzlichen Abstand zum Knochen sorgt. Dadurch entsteht ein größerer Hebel für die Sehne, sodass eine geringere Kraft notwendig wird, um den mit der Sehne verbundenen Knochen zu bewegen). Dieser zusätzliche Daumen bildet einen sechsten Finger, mit dessen Hilfe die Pandas sehr geschickt Früchte bearbeiten können. Außerdem kann er dadurch sehr gut die Bambusblätter abstreifen. Sein Gebiss und sein Verdauungstrakt zeichnen ihn eigentlich als Fleischfresser aus,  aber er hat neben den Mahlzähnen auch abgeflachte Backenzähne - und das wiederum weist auf seine überwiegend vegetarische Lebensweise hin.

Verbreitung und Lebensraum
Man hat
Fossilien gefunden, die uns beweisen, dass der Panda schon vor mindestens 3 Millionen Jahren in Burma und China vorkam. Er konnte während der Eiszeiten in tiefere Regionen wandern und dadurch überleben. Anschließend kehrte er in die Regionen zurück, in denen er heute noch anzutreffen ist - in das östliche Zentralchina. Hier wurden die Pandas in den letzten Jahrhunderten durch Lebensraumzerstörung und Jagd stark verringert, schließlich waren die Pandafelle früher in China bei Hofe sehr begehrt.
Heute lebt die Art nur noch in einem etwa 30000 Quadratkilometer großen Gebiet am östlichen Rand des tibetanischen Hochlandes, vor allem in der chinesischen Provinz
Szetchuan und den Provinzen Shaanxi und Gansu. In einer schmalen Bambuszone, die sich zwischen landwirtschaftlich genutzten Gebieten auf etwa 1200 m und der Baumgrenze in 3300 m Höhe erstreckt, leben heute noch etwa 800 Exemplare des Bambusbären. Die meisten davon leben in Reservaten, die es seit 1992 gibt. Sie haben eine Gesamtgröße von 6000 Quadratkilometer. Im größten, dem Wolong Natural Reserve, leben auf 2000 Quadratkilometern ca.150 Pandas.

Lebensweise
Der Panda ist -bis auf die kurze Paarungszeit- ein Einzelgänger. Aber er ist friedfertig - und auch wenn sich seine Reviere mit denen anderer Artgenossen überschneiden, kommt es nicht unbedingt zu Streitigkeiten. Aber sie markieren Bäume mit Hilfe eines Sekrets, das aus Drüsen im Afterbereich stammt. Das Tier setzt sich erst rückwärts gegen einen Baum und schiebt sich mit den Hinterbeinen den Stamm hinauf, manchmal sogar bis in den Handstand. Auch Urinmarkierungen kommen vor.
Während die Männchen ihre Reviere mit anderen teilen, dulden Weibchen in einem Bereich von 30-40 Hektar keine anderen Weibchen.
Sein Tagesablauf ist von der Nahrungsaufnahme geprägt: Nachdem er sp
ät erwacht, frisst er fast den ganzen Tag. Allerdings unterbricht er die Nahrungsaufnahme und legt Ruhepausen ein. In diesen legt er sich auf den Boden und ruht 2-4 Stunden. Manchmal lehnt er sich aber gegen einen Baum, damit er im steilen Gelände nicht abrutschent. Manchmal frisst er auch nachts weiter. Wenn reichlich Futter vorhanden ist, bleibt er an diesem Ort und sein Aktionsradius ist dann mit 250-1500 m recht klein. Ist das Futter knapp, kann er aber auch mehrere Kilometer wandern. Aber auf Grund der sehr kalorienarmen Nahrung ist er immer bemüht, den Bewegungsaufwand knapp zu halten.I

Nahrung
Als Echter Bär müsste der Panda eigentlich ein Fleischfresser sein, jedoch hat er sich irgendwann auf ganz bestimmte Pflanzen als Hauptnahrung spezialisiert: Er ernährt sich fast ausschließlich von Bambus. Er hat damit die speziellste Ernährung aller Raubtiere. Damit aber nicht genug: Er frisst durchaus nicht alle der zahlreichen Bambusarten.
Hin und wieder kostet er verschiedene Pflanzen wie Schachtelhalm und Kiefernrinde, er frisst auch Fleisch, wenn er es ohne Aufwand, also z.B. a
ls Aas bekommen kann. Hauptnahrung sind aber Sprossen, Stängel und Blätter des Bambus, die er äußerst geschickt mit seinen Vorderpfoten pflückt und zum Verzehr fertig macht. Dabei kommt ihm sein 6. Finger zu Gute.
Zwar ist sein
Fleischfressergebiss durch die Bildung von Mahlzähnen auch auf vegetarische Nahrung eingerichtet, sein Verdauungstrakt nicht richtig.  Daher kann er nur ein knappes Fünftel des verzehrten Bambus verwerten. Deshalb muss er täglich etwa 15 kg Bambus fressen. Da Sprossen sehr viel Wasser enthalten, muss er sogar 40 kg Bambussprossen pro Tag fressen und das ist ganz schön viel. Ein Panda ist also immer hungrig und nie fett, da er kaum Fettreserven aufbaut.
Die Spezialisierung auf Bambus ist einerseits also sehr günstig, da das Gras ganzjährig grün ist. Aber es ist für den Panda auch gef
ährlich. Unregelmäßig, etwa alle zehn Jahre, blühen alle Pflanzen zur gleichen Zeit - anschließend sterben alle ab.  Bis in diesen Gebiet für ihn wieder ausreichend Pflanzen wachsen, vergeht eine lange Zeit. Früher konnte der Panda auf andere Arten in anderen Regionen ausweichen. Heute ist dies kaum noch möglich, sodass der Panda dann Gefahr läuft zu verhungern. In den 1960er Jahren kam es wegen der Bambusblüte und dem anschließenden Absterben der Pflanzen zu einem massenweisen Verhungern. Mühsam wurden Pandas aufgespürt, in Stationen am Leben erhalten, wenn sie die Ersatznahrung (Schleimsuppe aus Weizen und Mais, dazu Vitamine und Mineralstoffe) annahmen. Manche Tiere kamen auch mit dem Leben in Gefangenschaft nicht zurecht.

Fortpflanzung
Etwa zwischen Mitte März und Mitte Mai ist die Paarungszeit. Jetzt steigt das Männchen auf einen Baum und gibt von oben jammernde, kläffende, bellende Rufe von sich. Außerdem reibt es Duftmarken auf den Boden, die seine Partnersuche verdeutlichen sollen. Ein williges Weibchen gibt seine Zustimmung, indem es Bäume zerkratzt. Diesen Signalen kann kein Männchen widerstehen, sodass nicht nur ein Männchen darauf reagiert, sondern mehrere. Bis zu fünf Nebenbuhler können sich einfinden. Streitigkeiten sind vorprogrammiert. Die Rangeleien der Männchen wirken plump, sie röhren und beißen sich ggf. gegenseitig in Hals und Kopf. Verletzungen sind allerdings selten, es sind eher Rituale. Aber nicht die Männchen küren "den Sieger", sondern das Weibchen trifft die Wahl und bestimmt, wen es an sich ranlässt. Die werbenden Paare äußern einen ziegenähnlichen Laut und verständigen sich durch Rufe. Es kann jedoch eine Weile dauern, bis es zur Begattung kommt. Die eigentliche Paarungsbereitschaft des Weibchens dauert nur 2-3 Tage, in denen ein Männchen dann wiederholt das Weibchen begatten kann. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass das meiste misslungene Versuche waren.
Hat die Begattung geklappt, dauert die Tragzeit 97-163 Tage. Diese stark variierende Dauer ist evtl. in einer verzögerten Implantation des Ei´s begründet: Wie bei anderen Bären und Raubtieren schwimmt das sich bereits teilende Ei noch einen Monat oder länger in der Gebärmutter herum, bis es sich endlich festsetzt und weiterentwickelt. Dies dient vermutlich dazu, den Geburtstermin im Spätsommer zu halten. Nach der Begattungszeit verschwindet das Männchen wieder.
Ein paar Tage vor der Geburt beginnt das Weibchen, in einem hohlen Baumstumpf oder einer Felsenkluft mit kleinen Zweigen ein einfaches Nest zu bauen. Hier bekommt sie bei einer schnellen Geburt 1, häufiger 2 Junge, die etwa 100 g leicht sind. Die Jungen sind nackt und blind und völlig
unselbstständig. Meist lässt die Mutter das Jüngere der beiden verhungern, vielleicht weil sie nicht in der Lage wäre, beide durchzubringen. Das Junge muss ständig gewärmt und geschützt werden, so drückt es die Mutter mit der Pfote dicht an die Brust. Das Junge äußert bei Missbehagen ein erstaunlich lautes Quieken, 3-4 Wochen bleibt die Mutter am und im Bau, säugt das Junge alle 2 Stunden und sucht die Nahrung nur in direkter Umgebung. Dann verlässt sie den Bau mit dem Jungen. Schon nach wenigen Tagen ist die typische Fellzeichnung zu erkennen. Erst nach ungefähr 45 Lebenstagen öffnet es die Augen und macht nach weiteren 30 Tagen erste Schritte. Nach 8 Wochen hat es sein Gewicht schon auf 5 kg gebracht. Mit 5 Monaten wiegt es 10 kg und beginnt Bambus zu fressen. Erst nach 18 Monaten verlässt es die Mutter und wird zum Einzelgänger. Dann ist die Mutter wieder für Paarungen bereit. So ist die Vermehrungsrate der Pandas recht gering. Höchstens alle 2 Jahre kommt Nachwuchs, der aber dann durchaus sterben kann oder vom Jaguar erbeutet wird.

Feinde
Der einzige Feind des Panda ist der Mensch, der ihn früher wegen seines herrlichen Pelzes jagte. Seit 1950 ist der Panda in China allerdings streng geschützt. Bei Verstoß gegen die Schutzbestimmungen ist als schwerste Strafe sogar die Todesstrafe vorgesehen. Dies konnte zwar die Jagd beschränken, aber immer noch gibt es Wilderer, die das hohe Risiko um des Profits willen eingehen. Auch die Veränderung der Lebensräume wird durch die Unterschutzstellung bislang kaum verhindert. Die Landwirtschaft dieses bevölkerungsreichsten Landes bewirkte, dass dem Panda die Ernährungsgrundlage beschnitten wurde.
Ein wichtiger Nahrungskonkurrent ist die unterirdisch lebende Bambusratte.

Internetlink(s)

http://www.tierenzyklopaedie.de  (Einordnung, kurze Beschreibung  Fotos,  Infos zu Lebensweise u.a.)

http://www.natur-lexikon.com       (Beschreibung u. Lebensweise)

                                                                                                                           Information: Dieter Winkler

Seite erstellt: 2006
Seite geändert: 20.01.2010

 

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